• Familie und Beruf im Einklang – mit dem bezahlten Vaterschaftsurlaub.
    Familie und Beruf im Einklang – mit dem bezahlten Vaterschaftsurlaub.  (Halfpoint)

Vaterschaftsurlaube im Vergleich

Der bezahlte Vaterschaftsurlaub wird auch in Liechtenstein schon seit längerer Zeit vom LANV gefordert und wird aufgrund einer in Aussicht stehenden EU-Richtlinie bald noch stärker zum Politikum werden. Liechtensteiner Unternehmen handhaben ihn heute individuell.
Entlastung. 

Was vor Jahrzehnten noch für heitere Gespräche an den Stammtischen gesorgt hätte, ist heute schon weitgehend Normalität: junge Väter, die sich selbstverständlich an der Familienarbeit beteiligen, die kochen, putzen und mit dem Kinderwagen unterwegs sind – und daneben auch noch einer Erwerbsarbeit nachgehen. Es ist kein leichtes Unterfangen, Familie und Berufsleben miteinander zu vereinbaren. Das gilt letztlich für Frauen und Männer.

Mehrheit bietet fünf Tage
Eine Abhilfe, vor allem direkt in den ersten Tagen nach der Geburt eines Kindes, böte sowohl für Vater als auch Mutter ein bezahlter Vaterschaftsurlaub. Aktuell erhält die Thematik nun wieder neuen Schwung. Die erst kürzlich von der EU erstellte Richtlinie «Initiative zur Förderung von Beruf und Privatleben von berufstätigen Eltern und pflegenden Angehörigen» will nach eigenen Angaben den sozialen Entwicklungen des vergangenen Jahrzehnts gerecht werden. Das bedeutet erstens, Eltern und pflegenden Angehörigen die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu erleichtern, und zweitens die Aufteilung von Betreuungs- und Pflegeaufgaben zwischen Männern und Frauen zu erreichen. Als EWR-Mitglied muss Liechtenstein zwar nicht zwingend alle Vorgaben aus Brussel ubernehmen, aber im Bereich des Arbeitsrechts finden praktisch alle EU-Richtlinien auch in den nationalen Gesetzen Niederschlag. Deshalb könnten, wie die Vorlage nun vorsieht, zehn Tage bezahlter Vaterschaftsurlaub auch in Liechtenstein in Zukunft eingeführt werden. Die Forderung nach einer verbesserten Vereinbarkeit von Familie und Erwerb stellt der Liechtensteiner Arbeitnehmerverband (LANV) bereits seit Jahren. Die Gesetzeslage in Liechtenstein sieht aktuell vor, dass Arbeitnehmer vier unbezahlte Monate Elternurlaub beziehen dürfen. Darüber hinaus ist jede «Zugabe», die ein Arbeitgeber dem Angestellten anbietet, ein freier Entscheid des Unternehmens. Aber qualifizierte Arbeitskräfte werden in Liechtenstein in den folgenden Jahren noch stärker gefragt sein. Aus diesem Grund versuchen sich bereits jetzt viele Unternehmen, als attraktive Arbeitgeber zu profilieren, indem sie die Arbeitsbedingungen verbessern. Ein bezahlter Vaterschaftsurlaub kann ein Teil dieser Strategie sein. Liechtensteiner Unternehmen handhaben den Vaterschaftsurlaub, weil es nunmal keine gesetzliche Regelung gibt, individuell, wie eine Wirtschaft-regional-Umfrage unter den zehn grössten Arbeitgebern zeigt.

Bei der Liechtensteiner Landesverwaltung, Hilti AG, LGT, Hilcona, LLB und der VP Bank folgen auf jedes Vaterglück fünf bezahlte Urlaubstage. Die Erfahrungen, die Hilti mit dieser Regelung gemacht hat, sind positiv, wie Mediensprecher Matthias Hassler sagt: «Der Vaterschaftsurlaub kommt gut an und wird rege genutzt.» Auch für die VP Bank ist der Vaterschaftsurlaub mittlerweile selbstverständlich: «Die VP Bank legt grossen Wert auf attraktive Arbeitsbedingungen für alle Mitarbeitenden, dazu gehört auch der Vaterschaftsurlaub. Bei der Geburt eines Kindes erhält der Vater fünf bezahlte Arbeitstage.» Die Mehrheit der Liechtensteiner Unternehmen folgt den Richtlinien des LANV, der in einigen Branchen mit der Wirtschaftskammer zwei bis drei Tage Vaterschaftsurlaub eingeführt hat. Bei der Presta, Oerlikon und Ospelt AG stehen Vätern drei Tage Vaterschaftsurlaub zur Verfügung. Lediglich bei der Ivoclar gibt es noch keinen bezahlten Vaterschaftsurlaub.

Schweiz lanciert Initiative
Die Schweiz kennt ebenfalls keinen gesetzlich verankerten bezahlten Vaterschaftsurlaub. Travail suisse hat im vergangenen Jahr die Entwicklung des Vaterschaftsurlaubs in der Schweiz analysiert und ist zum Ergebnis gelangt, dass es «nur langsam vorwärtsgeht mit einem Vaterschaftsurlaub». Für fast die Hälfte der einem Gesamtarbeitsvertrag unterstellten Arbeitnehmenden seien nach wie vor nur 1 bis 2 Tage Vaterschaftsurlaub vorgesehen. Bei den grossen Unternehmen gebe es aber zahlreiche Beispiele mit 10 bis 20 Tagen Vaterschaftsurlaub. Novartis (70 Tage) und Google (60 Tage) sind schweizweit  absolute Spitzenreiter. Migros und Coop bieten jeweils 15 Tage an. Eine Intiative von Arbeitnehmer-, Männer-, Frauen- und Familienorganisationen fordert nun einen Vaterschaftsurlaub von vier Wochen im Gesetz zu verankern, genauso wie den Mutterschaftsurlaub. Finanziert würde er durch eine Versicherung – bezahlt von Arbeitgebern und Arbeitnehmern.

24. Mai 2019 / 19:11
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