• Diego Gabathuler ist CEO von Ivoclar Vivadent. Das Unternehmen wird Kurzarbeit anmelden müssen. Alle Mitarbeitenden, die von zu Hause aus arbeiten können, sind seit Dienstag im Homeoffice. Alle Mitarbeitenden, für die das nicht möglich ist, sind bezahlt freigestellt.  (pd)

CEO spricht über den Minimalbetrieb bei Ivoclar

Diego Gabathuler spricht als CEO über die schwierige Entscheidung, welche Ivoclar Vivadent diese Woche treffen musste.

Um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen und seine Mitarbeitenden zu schützen, hat das Dentalunternehmen Ivoclar Vivadent seine Produktionstätigkeit auf ein Minimum reduziert.

Herr Gabathuler, wie haben Mitarbeiter auf die Ankündigung anfangs dieser Woche reagiert beziehungsweise waren sie sehr überrascht?
Diego Gabathuler: Ich habe ausschliesslich positive Reaktionen bekommen. Aufgrund ungeklärter Fragen bezüglich der Verbreitung des Virus, besteht bei den Menschen nach wie vor Unsicherheit. Die rasche Entscheidung und klare Kommunikation hat unseren Mitarbeitenden und ihren Angehörigen Zeit und Raum gegeben, sich zu organisieren. Die Eigentümer, der Verwaltungsrat sowie das gesamte Management-Team haben in den letzten Tagen sehr intensiv und gut zusammengearbeitet sowie Verantwortung übernommen und Stärke gezeigt.

Wie gehen Sie selbst mit dieser Ausnahmesituation als CEO um?
Ich versuche vor allem zu akzeptieren, dass die Informationslage nie vollständig und perfekt ist. Es gibt Dinge, die wir selber beeinflussen und entscheiden können und solche, auf die wir keinen direkten Einfluss haben. Mir hilft es persönlich, vor wichtigen Entscheidungen den Dialog mit unseren Mitarbeitenden und unseren Kunden zu führen und mich in deren Lage zu versetzen. Was mich auch in dieser schwierigen Situation stärkt, sind unsere einzigartige und familiäre Firmenkultur sowie der starke Zusammenhalt bei Ivoclar Vivadent rund um die Welt.

Ivoclar Vivadent ist eines der ersten Unternehmen, welches in der Produktion auf Minimalbetrieb setzt beziehungsweise diese sogar komplett schliesst. Warum wurde diese Entscheidung zu diesem Zeitpunkt getroffen?
Am vergangenen Samstag, Sonntag und Montag haben die meisten europäischen Länder massgebliche Einschränkungen erlassen, was Grenzübertritte, Reisen sowie das gesamte öffentliche Leben betrifft. Es war abzusehen, dass diese Massnahmen zu grossen Verunsicherungen und schwierigen persönlichen Situationen bei unseren Mitarbeitenden führen würden. Deshalb haben wir am Montag sofort entschieden, unsere Mitarbeitenden mit dieser Entscheidung umgehend zu entlasten, damit sie sich um ihre Familien kümmern und alles organisieren können. Bereits heute können wir sagen, dass das Unternehmen in allen Bereichen ausserhalb der Produktion problemlos über Videozusammenarbeit funktioniert. Ich bin sehr stolz darauf, wie diszipliniert und positiv unsere Mitarbeitenden mit dieser schwierigen Situation umgehen und wie rasch alle ihr Heimbüro eingerichtet und in Betrieb genommen haben. Wir haben alle Besprechungen direkt auf Videokonferenz umgestellt, damit das Unternehmen so gut wie möglich weiter funktioniert.

Manche Unternehmen versuchen, die Produktion vorerst aufrecht zu erhalten, indem in Schichten in getrennten Teams gearbeitet wird und bei allen Mitarbeitern die Temperatur gemessen wird. Hat die Unternehmensleitung über solche Schritte nachgedacht?
Ja, wir haben über alle Möglichkeiten nachgedacht, bei der Entscheidung jedoch vor allem die Situation unserer Mitarbeitenden berücksichtigt.

Die Logistik von Ivoclar Vivadent läuft weiter. Die Lagerbestände sind also noch so hoch, dass Bestellungen von Kunden darüber bedient werden können bis zum 6. April?
Richtig, die Warenlieferungen sind vorerst gesichert, auch für neue Bestellungen, und die zuständigen Mitarbeitenden in der Logistik leisten grossartige Arbeit. Der Verkauf und der Kundenservice weltweit laufen ebenfalls weiter. All dies geschieht unter umfassenden Schutzmassnahmen für alle Beteiligten. Als verantwortungsbewusstes Unternehmen in der Medizinalbranche haben wir uns mit dem Thema Schutz schon sehr früh befasst und frühzeitig umfangreiche Massnahmen in allen Bereichen getroffen.

Gibt es am Standort in Schaan ein Lager und wie wird die Logistik sichergestellt bzw. an welchen Standorten?
Ja, es gibt ausreichend Lagerbestände in Schaan und anderen Ivoclar-Vivadent-Standorten sowie bei unseren zahlreichen Handelspartnern rund um die Welt. Damit ist die Lieferkette vorerst robust und gesichert.

Befürchten Sie, dass auch die Logistik zum Stillstand kommt, wenn sich das Virus in Europa weiter ausbreitet?
Wir gehen im Moment nicht davon aus, dass uns allfällige weitere Transportbeschränkungen betreffen würden, da wir Güter zur medizinischen Versorgung herstellen.

Ivoclar Vivdent geht in den nächsten Wochen von einem rückläufigen Auftragsvolumen aus. Können Sie bereits etwas dazu sagen, wie stark der Umsatz in den vergangenen Wochen eingebrochen ist?
Unser Umsatz ist bereits in einigen Ländern rückläufig, sehr stark vor allem in China, wo das öffentliche Leben für mehr als einen Monat komplett eingeschränkt war. In China waren im Februar praktisch alle Zahnarztpraxen und Dentallabore komplett geschlossen. Wir gehen aber davon aus, dass Europa und die anderen Regionen der Welt in Kürze eine ähnliche Entwicklung erleben werden. Wir sehen bereits jetzt, dass in Europa in den letzten beiden Wochen weniger Patienten behandelt wurden. Was das genau bedeutet, lässt sich noch nicht exakt berechnen. Es wird jedoch einschneidend sein, so viel ist bereits jetzt klar.

Wird das Unternehmen Kurzarbeit anmelden?
Ja, das ist unumgänglich.

Bleiben Sie trotz allem optimistisch und zuversichtlich? Was bringt Sie in diesen schwierigen Zeiten trotzdem zum Lächeln?
Ja, denn ich glaube daran, dass wir als Gesellschaft zum einen Lösungen zur Bewältigung dieser Krise finden werden. Zum anderen, da ich für eines der besten Unternehmen arbeiten darf, welches auch in dieser schwierigen Situation wieder Stärke zeigt, und vor allem mit noch mehr Kraft daraus hervorgehen wird. (dal)

20. Mär 2020 / 14:19
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