• Bank Alpinum in Vaduz
    FOTO©RIGHT: DANIEL SCHWENDENER  (Daniel Schwendener)

Unruhiges Fahrwasser hält an

Die Personalrochaden bei der Bank Alpinum nehmen kein Ende. Nach nur einem halben Jahr verlässt «Finanzwunderkind» Schoch den Verwaltungsrat. Gleichzeitig prozessieren ehemalige Mitarbeiter gegen die Bank.

Die Unruhen rund um die verhältnismässig kleine Bank Alpinum halten weiter an. Nachdem die Bank nach den Skandalen der vergangenen Jahre praktisch das gesamte Führungspersonal ausgewechselt hatte, hoffte man mit der neuen Führung auf mehr Ruhe und weniger Schlagzeilen. Das hat auch relativ gut funktioniert, zumindest bis gestern. Wie ein schweizweites Finanzportal publik machte, verlässt Jan Schoch den Verwaltungsrat der Bank. Pikant: Er war erst im Januar eingestiegen, damals unter grossem Medieninteresse. Denn Schoch hatte als Gründer des Derivatspezialisten Leonteq zehn Jahre lang einen beeindruckenden Aufstieg feiern können, bis er im Herbst 2017 aus dem Unternehmen aussscheiden musste. Weil gleichzeitig seine Online-Bank die Lizenz abgeben musste, wurde es ruhig um den Appenzeller. Als er eineinhalb Jahre später bei der Bank Alpinum begann, war die Überraschung deshalb umso grösser.


«Freundschaftlich verbunden»
Nun ist das Abenteuer in Liechtenstein für Schoch also bereits zu Ende. Auf Anfrage erklärt die Bank, dass sich das einstige «Finanzwunderkind», wie Schoch von den Medien genannt wurde, sich wieder ganz auf die eigenen unternehmerischen Tätigkeiten konzentrieren wolle und deshalb von seinem Amt zurücktrete. So wird er die von ihm gegründete Anova Partners als CEO führen. «Er bleibt unserem Haus und seinem Verwaltungsrat freundschaftlich verbunden.» Schoch habe in seiner Zeit beim Finanzinstitut «die wichtigsten Restrukturierungsschritte und eine Neuausrichtung des Geschäftsmodells entscheidend unterstützt.» So habe man die Effizienz erheblich gesteigert und die Kosten nachhaltig reduziert. Ausserdem habe man dank Schochs Unterstützung Patrik Läser als neuen CEO der Bank berufen können.


Ein Nachfolger steht bereits
Einen Nachfolger für das Verwaltungsratsmandat hat die Bank bereits gefunden, wenngleich auch mit einem gänzlich anderen Hintergrund als Finanzunternehmer Schoch. Vorbehaltlich der Zustimmung durch die Finanzmarktaufsicht wird Nicolas Reithner die Nachfolge Schochs antreten. Der 47-jährige Rechtsanwalt arbeitet derzeit bei der Kanzlei Seeger, Frick & Partner und kann auf eine breite Berufserfahrung zurückgreifen. So hat er neben seiner juristischen Karriere auch ein wirtschaftswissenschaftliches Zweitstudium absolviert. Die volle Treuhänderprüfung erlaubt ihm auch die Zulassung als Vermögensverwalter, Steuerberater und Buchprüfer. Er ist sowohl in Liechtenstein als auch in Österreich als Rechtsanwalt sowie als Solicitor von England und Wales qualifiziert. Er wird die Tätigkeit als Verwaltungsrat nach der Zustimmung durch die FMA aufnehmen. Neben ihm sitzen Lamara von Albertini als weiteres unabhängiges Mitglied als auch Peter Cott, Präsident des Verwaltungsrates und Vertreter der Kapitalseite im Gremium.


Prozesse gehen weiter
Neben den personellen Rochaden und dem umfassenden Restrukturierungsprozess muss sich die Bank aber auch vor Gericht verantworten. Im Rahmen der Umstrukturierung habe man einige Kündigungen an Mitarbeiter ausgesprochen. Einige davon haben nun gegen ihre Entlassung geklagt. Wie das Finanzportal «Inside Paradeplatz» weiss, wehren sich die Mitarbeiter gegen ihre Kündigungen und fordern Geld. Eine erste Mitarbeiterin habe bereits Recht erhalten. Das Gericht zwang die Bank ausserdem, der Frau ein richtiges Arbeitszeugnis auszustellen. Weitere Prozesse stehen an. Die Bank selbst wird darin von einem externen Arbeitsrechtler vertreten.

Bei den weiteren Prozessen sollen auch die ehemals obersten operativen Chefs Rede und Antwort stehen müssen, weiss das Finanzportal. Wie die Bank auf Nachfrage bestätigt, sind darin nur die ehemaligen Mitglieder involviert: «Die heutigen Mitglieder der Geschäftsleitung oder des Verwaltungsrats der Bank Alpinum AG sind in dieser Funktion nicht Beschuldigte in Gerichtsverfahren.» (ags)

28. Okt 2019 / 08:54
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