• Coronavirus
    Zum Schutz der Mitarbeiter und Kunden wurden am Montag Plexiglasscheiben aufgebaut. Für alle Mitarbeiter gilt ein zweimonatiger Ferienstopp.  (Daniel Schwendener)

Supermärkte rekrutieren Notfall-Personal

Stefan Ospelt führt in der Region fünf Supermärkte. Er erklärt, wie er sich gerade vorbereitet.

Mit vollen Einkaufswagen verlassen Kunden die Märkte von Stefan Ospelt. Ob in Balzers, Ruggell, Schaan, Bad Ragaz oder Grabs: Auch besonnene Zeitgenossen lassen sich zu Hamsterkäufen hinreissen; sie nennen es «Notvorrat». Die Angst scheint ähnlich ansteckend wie das Coronavirus. Zwar betonte bereits die Regierung, dass Hamsterkäufe kontraproduktiv seien. Doch bei vielen Konsumenten überwiegt der Wunsch nach vermeintlicher Sicherheit, um für das Schlimmste gerüstet zu sein. «Hamsterkäufe sind nicht nötig, wir können die Nahversorgung garantieren», betont auch Stefan Ospelt.

Kein Grund für Hamsterkäufe und Krisenstimmung beim Einkaufen
Eigentlich würde es überhaupt keine Engpässe geben, diese entstehen nur durch die plötzlich hohe Nachfrage. «Wir standen in den vergangenen Tagen vor echten Problemen, weil wir regelrecht leergeräumt wurden», sagt der Unternehmer. Es gebe keinen Grund für diese Krisenstimmung. Gerade die Ankündigungen der vergangenen Tage hatten aber die Unsicherheit verstärkt. Kunden kauften im Schnitt zwischen 30 und 40 Prozent mehr Waren ein also sonst, sagt Stefan Ospelt. Inzwischen habe sich die Lage wieder etwas normalisiert und die Menschen beruhigen sich nach und nach wieder. Dennoch bleiben die logistischen Herausforderungen bestehen und seine Mitarbeiter sind gefordert wie selten zuvor. Sie müssen Sonderschichten leisten und Überstunden schieben. Sie haben selbst Angst. Um seine Mitarbeiter und Kunden zu schützen, hat Ospelt in allen Märkten an den Kassen Plexiglasscheiben anbringen lassen. «Wir tun alles, was in unserer Macht steht».

«Wir bitten alle, auf Hamsterkäufe zu verzichten»
Im Vordergrund steht nun, dass er den Betrieb der Supermärkte aufrechterhalten kann. Und dafür hat Ospelt in doppelter Hinsicht vorgesorgt. Er hat begonnen, Studenten zu rekrutieren, die im Notfall einspringen könnten. «Die Solidarität zu helfen, ist in diesen Tagen beeindruckend hoch. Täglich erreichen ihn Nachrichten von Studenten, Schülern oder Arbeitnehmern, die gerade keine Arbeit haben. Sie alle bieten an, zu helfen und einzuspringen». An Personal fehle es demnach in den kommenden Wochen nicht, um die Versorgung der Bürger auch weiterhin sicherzustellen. Zur Sicherheit führt Ospelt auch bereits Gespräche mit den Gemeinden, ob über den Zivildienst oder über Freiwillige die Versorgung zusätzlich sichergestellt werden kann. Für Nachschub ist auf jeden Fall gesorgt, auch weil die Migros gewisse Produkte in grossen Mengen lagert, dies auch in eigenen Industriebetrieben wie der Bischofszell Nahrungsmittel AG (Bina).

Die grossen Ketten kämpfen mit Sonderschichten in den Verteilzentren, Extrafahrten zur Belieferung der Filialen, Ausbau der Kapazität auf Strasse und Schiene. «Die Migros-Filialen werden alle mehrmals täglich beliefert und damit öfter als sonst und dies mit wesentlich höheren Mengen», wie Andreas Bühler, Sprecher der Migros Ostschweiz diese Woche betonte. Auch habe man eine Aufhebung des Nacht- und Sonntagsfahrverbots erwirken können.

Regionale Lieferanten springen kurzerhand ein
In den nächsten Wochen werden die Mitarbeiter der Detailhändler zu den Helden des Alltags. Sie arbeiten, wenn andere längst im Homeoffice sind. Stefan Ospelt hofft darauf, dass Kunden Verständnis haben, wenn ein Produkt einmal ausverkauft sein sollte. Seine Mitarbeiter versuchen zu helfen, wo es geht, stehen aber selbst unter Strom. Sie haben in den kommenden zwei Monaten sogar einen Ferienstopp, weil jede helfende Hand dringend benötigt wird. Gegenüber den grossen Supermarkt-Ketten habe Ospelt in seinen Märkten einen entscheidenden Vorteil. «Wir können uns auf über 40 regionale Betriebe verlassen, die uns direkt beliefern», erzählt der Unternehmer, der in allen Betrieben knapp 150 Mitarbeiter beschäftigt. Als zum Beispiel Weissmehl total ausverkauft war, hat ihn die Stricker Mühle in Grabs kurzfristig noch beliefern können. Er greift gerne auf Produkte der Metzger, Bäcker und Landwirte aus der Region zurück.

«Diese Krise zeigt einmal mehr, wie wichtig Regionalität ist, und dass wir massiv profitieren können». Er hofft auch, dass der Stellenwert der regionalen Produkte infolgedessen wieder steigen wird. «Der Vorteil an dieser Krise ist, dass sich die Gesellschaft vielleicht auf andere Werte besinnt». Und wenn die Krise dann überstanden ist, wird sich zeigen, ob sich die Lieferketten künftig tatsächlich verändern werden. Zuvor dürften sich die behördlichen Massnahmen aber weiter verschärfen. (dal)

20. Mär 2020 / 14:15
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