Schwedische Milliarden in Liechtenstein geparkt

Internationale Unternehmen aus Schweden parkieren seit Jahren ihr Kapital in Liechtensteiner Stiftungen zur «Steueroptimierung».

Mit Schweden assoziieren die meisten Zeitgenossen Volvo, den Stockholmer Schärengarten, wahrscheinlich auch das Möbelimperium IKEA. Doch wohl kaum den Staat Liechtenstein. Dabei liegt in Liechtensteiner Stiftungen ein wahrer Schatz verborgen: Milliarden aus schwedischen Unternehmen wie IKEA oder der Tetra Laval Group. 

Ein wichtiges Verwaltungsorgan des weltgrössten Möhelherstellers Ikea befindet sich in einem unscheinbaren Gebäude in der Vaduzer Kirchstrasse. Und zwar unter dem Decknamen einer Stiftung namens «Interogo». 

Intransparente Firmenstruktur

Am 27. Januar 2018 ist der Ikea- Gründer Ingvar Kamprad verstorben. Seither obliegt die Verwaltung des Firmenimperiums seinen Söhnen Peter, Jonas und allen voran seinem jüngsten, Mathias Kamprad. Er sitzt aktuell im Kommandozentrum von Ikea, der Inter Ikea Group. Die Unterfirma besitzt die Markenrechte und das Konzept für die Möbelhäuser. Das in Holland ansässige Unternehmen steuert damit die weltweit mehr als 420 Möbelhäuser in über 50 Ländern und knapp 40 Milliarden Euro Jahresumsatz.

«So ganz allein kann der jüngste Kamprad aber nicht steuern, denn die Inter Ikea Group gehört der in Liechtenstein ansässigen ‹Interogo›-Stiftung, über die Vater Ingvar bis zu seinem Tod die Fäden zog», berichtete erst kürzlich das «Handelsblatt». Die Firmenstruktur von Ikea ist gewollt undurchsichtig. Karl-Martin Hentschel von der globalisierungskritischen Institution Attac bringt es mit der Formulierung «Ein Dschungel namens Ikea» auf den Punkt. Hentschel hat monatelang für Attac Informationen gesammelt, wie das Ikea-System funktioniert. Ikea sei ein «Lehrbeispiel dafür, wie mit allen denkbaren Möglichkeiten Steuern gespart werden». Laut Hentschel hat «die Stiftung bereits bis 2011 ein Vermögen von elf Milliarden Euro angesammelt» Nach Recherchen des schwedischen Fernsehsenders STV habe Kamprad durch die Interogo Foundation in zwanzig Jahren insgesamt Steuern in der Höhe von 2,3 bis 3,2 Milliarden Euro gespart. Als Stiftung gehöre die Interogo Foundation niemandem. Sie werde aber nach Liechtensteiner Recht über den Stiftungsrat kontrolliert, der aus zwei Partnern der Vaduzer Firma Marxer & Partner bestehe, die die Stiftung nach aussen verträten. Auf diese Weise habe die Identität der Stiftung über zwei Jahrzehnte verschleiert werden können, da in der Gründungsurkunde weder der Name Kamprad noch Ikea auftauchen. 

Das passt zum Bild Kamprads. Längst legendär ist sein Hang zur Sparsamkeit: Gerüchten zufolge soll er bis ins hohe Alter einen alten Volvo oder demonstrativ mit der U-Bahn gefahren sein. Sein Interesse galt nicht nur Möbeln, er suchte eben auch ständig nach Möglichkeiten der «Steueroptimierung». Weshalb er denn sein verschachteltes Imperium über Stiftungen kontrolliere, wurde Kamprad einmal gefragt. «Auch, wenn ich heute meinen Söhnen vertraue, weiss ich nicht, ob ich ihnen auch künftig vertrauen kann», sagte er. 

Tetrapak und Liechtenstein

Auch die schwedische Familie Rausing ist über Jahrzehnte hinweg unerhört reich geworden, und zwar mit der Marke Tetrapak. Ruben Rausing zog mit der Gründung in den 50er-Jahren ein Milliardengeschäft auf. Das Vermögen beläuft sich auf einen zweistelligen Milliardenbereich. Und auch hier fliesst Geld in Liechtensteiner Stiftungen. Seit dem Zusammenschluss des Verpackungskonzerns mit dem Agroindustrie-Ausrüster Alfa Laval nennt sich das Unternehmen Tetra Laval Group. Und es wächst kontinuierlich weiter: In immer weiteren Firmen steigen die Rausings als Aktionäre ein – allerdings unter falschem Namen, berichtete jüngst die «NZZ». In der Regel agierten die Rausings über Zwischengesellschaften. Jüngstes Beispiel sei der New Yorker Aromen- und Duftstoffhersteller International Flavors & Fragrances (IFF). 

Hinter dem grössten Einzelaktionär steckten die drei Enkel des Tetra-Pak-Gründers, Kirsten, Finn und Jörn. Sie würden ihre 15,3-Prozent-Beteiligung über Winder Investment halten, einen in Singapur kotierten Fonds, der von der in Liechtenstein domizilierten Haldor-Stiftung kontrolliert wird. Profiteure seien aber die drei Enkel. Über die Liechtensteiner Stiftung kontrollierten die Rausings aber auch Tringle Investment, ein weiteres in Singapur domiziliertes Investment-Gefäss. Also gibt es viel schwedisches Kapital, das in Liechtenstein geparkt ist. (rpm)

09. Sep 2019 / 10:59
Geteilt: x
KOMMENTARE

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

KOMMENTAR HINZUFÜGEN

Überschrift (max. 70 Zeichen)
Meine Meinung (Noch  Zeichen verfügbar)
Lesertrend
Meistgelesen
17. September 2019 / 22:31
17. September 2019 / 22:41
17. September 2019 / 22:37
Meistkommentiert
02. September 2019 / 10:36
04. September 2019 / 08:04
19. August 2019 / 11:39
Aktuell
18. September 2019 / 11:06
18. September 2019 / 11:00
18. September 2019 / 10:46
18. September 2019 / 10:39
18. September 2019 / 10:37
UMFRAGE DER WOCHE
Lade TED
Ted wird geladen, bitte warten...

Wettbewerb
Fussball FC Vaduz Testspiel Austria Lustenau
Zu gewinnen 3 x 2 Karten für den Match gegen FC Lausanne Sport
16.07.2019
Facebook
Top