Sandra Copeland: Landesspital zurück in den schwarzen Zahlen

Sandra Copeland leitet seit rund einem Jahr das Liechtensteinische Landesspital in Vaduz. Noch vor rund einem halben Jahr stand das Landesspital vor dem finanziellen Kollaps. Für Copeland bedeutet dies ein schwieriges Umfeld mit wachsendem Kostendruck.

Frau Copeland, Sie leiten seit rund einem Jahr das Liechtensteinische Landesspital. Sie haben die Aufgabe in einem schwierigen Umfeld übernommen. Mögen Sie speziell schwierige Aufgaben?
Sandra Copeland: Es scheint so (lacht). Im Ernst, es ist ein äusserst spannendes Umfeld und für mich eine neue Herausforderung, im Rahmen der Akutsomatik tätig zu sein. Bis jetzt war ich in verschiedenen Branchen tätig wie im Versicherungs- und Finanzwesen, in der IT und bei Non-Profit-Organisationen und bin via Rehabilitation im Gesundheitswesen angekommen. Das Landesspital bietet mit dem Leistungsauftrag des Landes trotz der Kleinheit eine grosse Komplexität, denn es werden viele Fächer angeboten, die auch an grossen Häusern vorkommen. Mein vielfältiges Branchen-Know-how ist sicherlich ein Asset, welches mich in fordernden Situationen unterstützt.

Sie waren zuletzt Mitglied der Gruppenleitung der Kliniken Valens. Was hat Sie zum Wechsel ans Landesspital bewogen – das sich in einem weitaus schwierigen Umfeld aktuell befindet?
Das Gesundheitswesen ist derzeit einem wachsenden Kostendruck ausgesetzt. Dies war in Valens nicht anders. Mein Start bei den Kliniken Valens mit der Übernahme der Führung des Standortes in Walenstadtberg war von ähnlichen Herausforderungen begleitet, welche ich hier in Vaduz auch angetroffen habe. Das Image war angekratzt und die Wirtschaftlichkeit war in Frage gestellt. Diese Punkte hatten sich dort zum Positiven entwickelt – meine Zeit weiterzugehen war also gekommen. Zudem hat mich gereizt, die operative Gesamtführung eines Unternehmens im Gesundheitswesen übernehmen zu können – ein logischer und wohl letzter Karriereschritt in meinem Berufsleben.

Sie haben in ihrer beruflichen Karriere bereits in der Finanzbranche, im IT-Sektor und im Gesundheitswesen gearbeitet. Was reizt Sie an neuen Aufgaben? 
Mich reizen insbesondere die Menschen, die in diesen verschiedenen Branchen arbeiten, und die unterschiedlichen Denk- und Handlungsansätze, welche branchenüblich angewendet werden. Dort mein Bestes geben zu können und etwas zu bewirken, was nachhaltig Bestand hat, ist sehr erstrebenswert. Persönliche Weiterentwicklung und stetiges Lernen ist für mich auch sehr wichtig. Als Führungskraft ist es zudem mein Anspruch, mit verschiedenen Entwicklungen mithalten zu können und eine gute Gesprächspartnerin auf Augenhöhe zu sein. 

Das Spitalwesen ist ein hoch emotionales und politisches Thema in Liechtenstein. Wie schaffen Sie es, Ruhe im operativen Betrieb zu behalten?
Ich glaube Fokus ist hier die Antwort. Wir haben strategisch und operativ gemeinsam Ziele definiert und verfolgen diese konsequent. Damit geben wir die Richtung vor, und unsere Mitarbeitenden können sich daran orientieren. Diese Orientierung schafft Ruhe und Sicherheit. Persönlich bin ich eine Optimistin. Ich denke, dass wir durch eine gute Atmosphäre im Betrieb und eine positive Unternehmenskultur viel zur Entwicklung des Spitalplatzes beitragen können. Das Miteinander, das wir im Betrieb leben, wird erfreulicherweise auch immer mehr von aussen wahrgenommen. Aber natürlich haben wir – wie in allen Betrieben auch – unseren «alltäglichen Wahnsinn». Wenn da noch ein wenig positiver Zeitungsbericht über uns publiziert wird, irritiert das unsere Mitarbeitenden schon. Dann hilft ihnen die klare Fokussierung und das aktive Verströmen von Sicherheit von uns als Führungsstab. Helfen tut aber auch mal lachen und sich selber nicht so ernst nehmen.

Wie läuft es geschäftlich für das Landesspital? Zuletzt stand man vor dem finanziellen Kollaps. 
Wir haben für das laufende Jahr leicht konservativer als in Vorjahren budgetiert, aber dennoch aufgrund des Aufwärtstrends im zweiten Halbjahr 2018 ein gewisses Wachstum vorgesehen. Dieses ist ja auch nötig, um die angestrebte Wirtschaftlichkeit erreichen zu können. Ebenfalls ist in unseren Budgetvorgaben der Trend «ambulant vor stationär» abgebildet. Nach dem ersten Quartal 2019 dürfen wir sehr erfreuliche Ergebnisse präsentieren: Mit einem Plus von 15 Prozent gegenüber dem Budget bei den stationären Fallzahlen (knapp 25% über den Fallzahlen der Vorjahresperiode) und einer knappen Zielerreichung bei den ambulanten Behandlungen haben wir einen überaus geglückten Start ins neue Geschäftsjahr hingelegt. Dies bedeutet, dass wir auch ökonomisch ein Plus ausweisen können. 

Die Konkurrenz ist durch die Schliessung der Medicnova auch kleiner geworden. Konnten bisher neben Yildiz Yildiz noch mehr Ärzte der ehemaligen Privatklinik Medicnova für das Landesspital gewonnen werden?
Wir sind weiterhin aktiv im Gespräch mit den interessierten Ärzten. Sehr erfreut sind wir über die Erneuerung des Vertrags mit Dr. Edgar Gopp, plastische und rekonstruktive Chirurgie, der vor seinem Engagement im Projekt Medicnova viele Jahre erfolgreich am LLS als Belegarzt tätig war. Er hat bereits wieder erste Operationen in Vaduz vorgenommen. Wir sind zuversichtlich, dass wir weitere Verträge bald abschliessen dürfen.

Welche der fünf von der Regierung vorgeschlagenen Möglichkeiten wäre Ihnen am liebsten und warum?
Grundsätzlich wichtig erscheint uns, dass die Infrastruktur modern, angepasst und ökonomisch ist. Die liechtensteinische Bevölkerung hat unseres Erachtens Anrecht auf eine Spitalinfrastruktur nach heutigen Standards. Gleiches gilt auch für qualifiziertes Fachpersonal. Unser Ansatz ist der eines Baus, der von innen nach aussen entwickelt ist. Das heisst, dass alle Facheinheiten optimale Prozesse erarbeiten, diese dann in eine Verbindung bringen und auf die benötigten Flächen und Geschosse übersetzen. Vereinfacht gesagt, erhält man so das ideale Spital. Diese Grundlagenarbeit diente bereits als Vorgabe für die Variantenentwicklung für den ersten Bericht und Antrag, der im Landtag am 28. Februar 2019 behandelt worden ist. Wir vertiefen nun diese Arbeit für den 2. Bericht im Spätsommer. (wr)
 

 

05. Apr 2019 / 18:49
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