• Bahnschranke, Schaan
    Mit der S-Bahn wäre eine zusätzliche Wertschöpfung verbunden.  (Tatjana Schnalzger)

S-Bahn: Mit Wachstumsimpuls verbunden

Bereits im Jahr 2012 wurden Kosten und Nutzen einer S-Bahn gegenübergestellt. Damals galt wie heute: Der Nutzen würde die jährlichen Kosten deutlich übertreffen. Und es wäre auch mit zusätzlichen Einnahmen zu rechnen, wie dem aktuellen Bericht und Antrag der Regierung zur Realisierung der S-Bahn Liechtenstein zu entnehmen ist.

Kosten und Nutzen wurden bei der Wirtschaftlichkeitsrechnung aus zwei Blickwinkeln betrachtet. Einerseits wurden die regionalwirtschaftlichen Auswirkungen, also der Standortnutzen, untersucht: «Die S-Bahn würde die Erreichbarkeiten verbessern und die Standortattraktivität erhöhen. Damit entstünden bessere Wachstumsmöglichkeiten für bestehende Unternehmen oder es würde die Ansiedlung neuer Unternehmen begünstigt. Die Veränderung der Standortgunst wurde in der Untersuchung anhand der Veränderungen der Wertschöpfung und der Einnahmen der öffentlichen Hand dargestellt», heisst es im Bericht und Antrag. Andererseits würde aber auch ein verkehrswirtschaftlicher Nutzen entstehen: «Dies wären Reisezeit- und Komfortgewinne, welche zu wirtschaftlichen Nutzen führen würden, indem die Verkehrsteilnehmer schneller das gewünschte Ziel erreichen würden und dort wiederum zusätzliche Aktivitäten ausüben könnten.»

BIP würde sich um rund 20 Mio. Franken pro Jahr anheben
Mit den bereits erwähnten Vorteilen wäre aber auch eine zusätzliche Wertschöpfung verbunden. «Bzw. BIP-Effekte sowie Steuern und Sozialabgaben für Liechtenstein. Zudem würden zusätzliche Pendler dazu führen, dass diese Personen einen Teil ihrer Ausgaben für den täglichen Bedarf an den Zielort ihrer Fahrt verlagern würden. Auch daraus können weitere Wertschöpfungseffekte entstehen.»

Im Ergebnis kommt die Wirtschaftlichkeitsanalyse zum Schluss, dass mit der S-Bahn Liechtenstein ein Wachstumsimpuls verbunden wäre, welcher das BIP des Fürstentums Liechtenstein um ca. 20 Millionen Franken pro Jahr anheben würde. Dies würde einen jährlich wiederkehrenden Nutzen, der einem BIP-Wachstum von 0,4 Prozent entspricht, bringen. «Wie bereits erwähnt, würden durch die zusätzlichen Pendler zusätzliche Sozialabgaben und Steuereinnahmen generiert. Die zusätzlichen Ausgaben für den täglichen Bedarf sowie die neu verkauften Abonnemente und Billette für den öffentlichen Verkehr brächten auch zusätzliche Mehrwertsteuereinnahmen. Auf der anderen Seite würden aufgrund einer Verlagerung von der Strasse auf die Schiene die Einnahmen aus der Treibstoffsteuer sinken», heisst es in der Wirtschaftlichkeitsanalyse. Die Autoren kommen zum Schluss, dass in Summe jährlich mit zusätzlichen Einnahmen durch Steuern und Sozialabgaben für das Fürstentum Liechtenstein durch die S-Bahn in der Höhe von ca. 600 000 Franken gerechnet werden könnte. Ausserdem wird davon ausgegangen, dass die flankierenden Massnahmen zur S-Bahn Liechtenstein Aufträge in Höhe von bis 40 Millionen Franken für die heimische Wirtschaft generieren werden.

«Zusammengefasst würden die Liechtenstein zurechenbaren verkehrlichen Nutzen die jährlichen Kosten – bei den Kosten sind primär die Investitionen für die Infrastrukturausbauten sowie den Betrieb der S-Bahn eingeflossen – deutlich übertreffen. Dies stellt im Vergleich mit Bahnprojekten gemäss dem strategischen Entwicklungsprogramm Bahninfrastruktur (Step) des schweizerischen Bundes einen hohen Wert dar.» (dv)

Wie die Zahlen ermittelt wurden:

Die Grundlagen
Die verkehrswirtschaftlichen Kosten und Nutzen werden gemäss dem schweizerischen Verfahren zur Bewertung von Bahnprojekten (Niba) ermittelt. Niba dient der Projektbewertung und erfasst à priori alle verkehrswirtschaftlichen Auswirkungen durch das Projekt. Dabei wird vorderhand nicht betrachtet, wo oder bei wem die Kosten und Nutzen anfallen. So werden im System Niba sowohl die Nutzen der Verkehrsnachfrage wie auch die Kosten der Zuge zwischen Buchs und Feldkirch grenzuberschreitend erfasst. Fur eine alleinige Betrachtung der Kosten und Nutzen des Furstentums Liechtenstein (ohne Vorarlberg, ohne Schweiz) gemäss Niba sind deshalb die folgenden Anpassungen notwendig:

1. Monetär messbare Nutzen und Kosten
          Niba-Indikatoren, bei denen eine Zuscheidung von Kosten und Nutzen des Gesamtprojekts auf das Furstentum Liechtenstein notwendig ist.
          Anpassung von Indikatoren, damit die Kosten für das Furstentum Liechtenstein  entsprechend der vertraglichen Vereinbarungen ermittelt werden können.

2. Deskriptive Indikatoren:
Definition geeigneter Messgrössen: Die regionalwirtschaftliche Auswirkungsanalyse: Hier werden die Veränderungen der Wertschöpfung bzw. dem Bruttoinlandsprodukt sowie die Veränderung von Steuern und Sozialabgaben im Furstentum Liechtenstein aufgrund des Betriebs der S-Bahn ermittelt.

Quelle: Schlussbericht vom 5. April 2012 sowie Bericht und Antrag der Regierung zur S-Bahn 2020

31. Jul 2020 / 15:34
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6 KOMMENTARE
Investitionen von mindestens 81 Mio bis 2025 für 20 Mio. BIP (3 Promille) Super Deal
Wo sind den die S-bahn Fahrer die letzten 20 Jahre gewesen die sie jetzt umsteigen sollen? Das ganze Projekt ist und bleibt Schlagrahm mit zuviel Risiko für Land und Leute
lädt ... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet 01.08.2020 Antworten Melden
Super Deal
Wenn man mit einer Investition von rund 70 Mio CHF ein Erhöhung des BIP von 20 Mio pro Jahr erreicht, ist das in Tat ein super Deal! Rechnen ist scheinbar nicht die Stärke der S-Bahn-Kritiker und es ist demzufolge eigentlich verantwortungslos sich gegen ein solches Projekt zu stellen, zumindest wenn einem der Wohlstand und die Lebensqualität im Land wichtig sind.
lädt ... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet 01.08.2020 Antworten Melden
"Super Deal"
Es hat niemand bestritten, dass die Wirtschaftskonzerne und Wirtschaftsmagnaten vom Ausbau der S-Bahn profitieren würden. Aus diesem Grunde setzt sich ja alles was Rang und Namen hat, die gesamte liechtensteinische Industrie, für dieses Projekt ein. Für diese Leute ist es - wie Sie sich auszudrücken pflegen - sicherlich ein "super Deal".
Was aber hat der einfache Liechtensteiner, die einfache Liechtensteinerin davon? Nichts! Mehr Industrie. Mehr Lärm und Schmutz. Mehr Grenzgänger. Billiglohnkonkurrenz. Mehr Zuwanderung. Zerstörung des Lebens- und Naturraumes. Verlust der nationalen Identität, der Heimat.
Aber ja, ich weiss, für Leute wie Sie zählt nur "BIP" und "break even point" und "economic growth" und dass ein "super Deal" zustande kommt.
lädt ... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet 02.08.2020 Antworten Melden

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