• Roger Nuss hat das Restaurant Alte Eiche in Triesen vor 8 Jahren übernommen.  (Daniel Schwendener)

«Ohne Kredit droht schnell die Pleite»

Roger Nuss führt die «Alte Eiche» in Triesen. Der Koch und Unternehmer kennt die Schattenseiten des Lebens und bleibt dennoch Optimist.

Herr Nuss, wie erging es Ihnen in den vergangenen Wochen, nachdem Sie Ihr Restaurant aufgrund von Corona schliessen mussten? 
Es gibt gute Seiten und schlechte Seiten. Natürlich brechen die Einnahmen auf einen Schlag weg und ohne ein finanzielles Polster kann man diese Zeit als Gastronom nicht überstehen. Bis Geld vom Staat ausgezahlt wird, droht ohne Kredit schnell die Pleite. Liechtenstein hat mit dem Hilfspaket aber gut reagiert. 

Und was waren die guten Seiten?
Ich hatte auf einmal viel mehr Zeit für die Familie. Als Koch im eigenen Restaurant zu arbeiten, heisst 14 bis 16 Stunden am Tag in der Küche zu stehen. Mein Sohn Fabian, der in den Kindergarten geht, freute sich darüber, so viel Zeit mit uns zu verbringen, und ist jetzt fast schon traurig darüber, dass die Zeit schon wieder vorbei ist. 

Sie kommen ursprünglich aus dem Elsass. Wie sind Sie nach Liechtenstein gekommen?
Ich wollte meine Lehre als Koch im Ausland absolvieren und ich bin deshalb in die Schweiz gekommen. Zuletzt habe ich in einem Restaurant in Sevelen gearbeitet, bevor ich die «Alte Eiche» vor acht Jahren zusammen mit meiner Frau als Pächter übernommen habe. Ich hatte schon lange den Traum, mich selbstständig zu machen und die «Alte Eiche» als erstes Restaurant, das ich mir damals anschaute, war gleich ein Volltreffer. 

Vermissen Sie Ihre Heimat, Frankreich und das Elsass?
Nein, überhaupt nicht, weil Liechtenstein inzwischen zu meiner Heimat ­geworden ist. Ich komme aus Strass­burg – eine sehr hektische Stadt. Hier in den Bergen ist es viel schöner und die Leute sind auch offener. Seit 20 Jahren bin ich aus dem Elsass auch bereits schon weg. 

Sie führen das Restaurant in Triesen zusammen mit Ihrer Frau, die aus Österreich kommt. Wie haben Sie sich eigentlich kennengelernt?
Wir haben uns übers Internet kennengelernt (lacht), aber das geht heute ja vielen Paaren so. Meine Frau kommt aus Bregenz und wir wohnen mit unserem Sohn in Triesen. 

Das klingt, als wären Sie angekommen im Leben. Gibt es dennoch etwas, das Sie in Ihrem Leben im Nachhinein anders machen würden?
Nein, ich würde nichts anders machen, sondern ich bin im Nachhinein ganz zufrieden mit all meinen Entscheidungen. Was sich leider nicht ändern lässt, ist der Tod meiner Tochter vor einiger Zeit. Sie hatte eine Wirbelsäulenverkrümmung und ist nach einer achtstündigen Operation auf der Intensivstation nicht mehr aufgewacht. Sie hatte aufgehört zu atmen. Das war ein schwerer Schicksalsschlag für uns. 

Das tut mir sehr leid. Wie finden  Sie die Kraft, dennoch weiterzumachen und den Alltag im Restaurant zu meistern?
Ich habe eine Verantwortung gegenüber meiner Familie, meinem kleinen Sohn, aber auch gegenüber meinen acht Mitarbeitern. Ich will positiv bleiben und vorwärtskommen im Leben. Es gehört für mich dazu, auch nach schweren Rückschlägen und einschneidenden Erlebnissen im Leben positiv nach vorne zu blicken. Das ist meine Grundeinstellung. Ich will mich trotz allem weiterentwickeln. 

«Ich wusste schon als
kleines Kind, dass ich einmal
Koch werden will.»

Eine beeindruckende Lebenseinstellung. Wie spiegelt sich das bei Ihnen in der Küche wieder?
Ich möchte die nächsten 50 Jahre nicht immer das Gleiche kochen, sondern will mich auch hier weiterentwickeln. Ich experimentiere aus diesem Grund sehr gerne mit neuen Zutaten und mit neuen Gerichten, die teilweise von der französischen und mediterranen Küche inspiriert sind.

Wollten Sie immer schon Koch werden oder hatten Sie einmal einen anderen Traumberuf?
Ich wusste schon als kleines Kind, dass ich einmal Koch werden will. Wir haben zu Hause immer viel gekocht, mit meiner Mutter und Oma stand ich sehr oft gemeinsam in der Küche. 

Mit welchem Promi oder Star würden Sie gerne einmal zu Abend essen und wo?
Da gibt es eigentlich niemanden. Ich verbringe meine Zeit lieber mit der Familie oder mit guten Freunden. Dann weiss ich auch sicher, dass es ein toller Abend wird. 

Was ist Ihr Lieblingsessen und was trinken Sie am liebsten?
Ich esse alles gerne und bin unkompliziert, aber nur, wenn ich privat nicht kochen muss. Ich bin ein Weinliebhaber, wie sich an unserer Weinkarte erahnen lässt, aber ohne Kaffee könnte ich nicht überleben. Mein Kaffee-Umsatz ist wahrscheinlich höher als der meiner Gäste. (lacht) 

Viel Freizeit bleibt Ihnen nicht. Wie verbringen Sie diese am liebsten?
Ich verbringe meine freien Tage am liebsten in der Natur mit meiner Familie. Ich hätte gern wieder mehr Zeit, um Sport zu treiben und auch mal wieder ins Fitnessstudio zu gehen. Früher war ich noch regelmässig im Krafttraining. 

Nach der Corona-Zeit sind Sie seit 15. Mai wieder voll im Einsatz. Wie erging es Ihnen nach der Wiedereröffnung?
Das Mittagsgeschäft ist noch nicht wieder auf dem alten Stand, aber am Abend läuft es schon gut. Die Stammgäste halten uns die Treue und darüber sind wir natürlich sehr dankbar. (dal)

25. Mai 2020 / 13:35
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