Nachfolger gefunden: Kaspar Hilti übergibt das Zepter

Die Gebrüder Hilti AG ist die älteste im Handelsregister eingetragene, noch tätige Firma Liechtensteins. Nach über 50 Jahren übergibt Firmenpatron Kaspar Hilti die Geschäftsführung seiner Bauunternehmung an die nächste Generation.

Wer sein Bauunternehmen nach 55 Jahren in neue Hände gibt, könnte wehmütig werden. Doch Firmenpatron Kaspar Hilti freut sich, mehr Zeit mit seiner Frau verbringen zu können. Ob seine Frau Hannelore das auch so sieht, da ist er sich nicht sicher. Der Schritt fällt ihm leicht, weil er einen guten Nachfolger und ein gutes Team hat. Er weiss um die Verantwortung, die er abgibt: «Es ist kein einfacher Job, dem man viel unterordnen muss», sagt der Bauunternehmer. Zudem sind die Zeiten herausfordernd. «Leider wird immer öfter billig gebaut, aber mit Qualität hat das wenig zu tun», bemängelt Hilti. Sein Unternehmen hat in den 144 Jahren seines Bestehens schon viele Höhen und Tiefen erlebt. Nach dem Ersten Weltkrieg zum Beispiel, als die Firma den Bauauftrag für ein Krankenhaus in Schaan erhielt, mitten während der Arbeiten kam es zur Inflation. Die Gebrüder Hilti und der Staat waren auf einen Schlag mittellos. Infolge der Kronenabwertung kosteten ein Haus und ein Laib Brot plötzlich gleich viel. Doch der Betrieb hat auch diese schwierigen Zeiten umschiffen können und steht heute in vierter Generation gut da. 

«Es wird gerade sehr viel investiert in die Baubranche. Durch die Negativzinsen wissen finanzstarke Organisationen und Private nicht, wie sie ihr Geld anlegen sollen», sagt Kaspar Hilti. Es werde viel, aber leider auch schlecht gebaut. Das gibt Kaspar Hilti zu denken. «Alles dreht sich heutzutage nur noch um den Preis. Aber ist der Billigste  langfristig am günstigsten und ist er auch ein sozialer und verantwortungsvoller Arbeitgeber?», fragt sich der Unternehmer. Genau diese Attribute sind ihm aber wichtig. Deshalb stellt er auch keine Leiharbeiter ein, um sie nach einigen Monaten wieder auf die Strasse zu stellen. Soziale Verantwortung für seine rund 200 Mitarbeiter ist ihm wichtig, genauso wie ökologische Aspekte und hohe Qualität bei seinen Bauprojekten. Er investiert lieber in die Ausbildung von Lehrlingen und in die Pflege guter Mitarbeiter. Es ist ihm auch wichtig, dass die Wertschöpfung in der Region bleibt. 

Neues Firmengebäude geplant

Auch wenn Kaspar Hilti sich aus dem Unternehmen zurückzieht, so gibt er nebst seiner Bücher, Busse, Baukräne und LKWs insbesondere auch seine Prinzipien und Werte weiter. Er wünscht sich, dass diese Werte weiterhin im Familienbetrieb gelebt werden. In Zukunft sind seine beiden Töchter am Zug, die bereits seit 2007 operativ und im Verwaltungsrat tätig sind. Die Geschäftsführung übernimmt der Schwiegersohn Philipp Baumgartner. Er hat sein Bauingenieurstudium im Jahr 2000 in Rapperswil abgeschlossen und war danach mehrere Jahre als Ingenieur tätig. 2009 trat er in das Familienunternehmen ein, leitete die Tiefbauabteilung, ist seit 2016 Mitglied der Geschäftsleitung und konnte die Geschäftsführung im vergangenen Jahr übernehmen. «Der Entscheid, diese verantwortungsvolle Aufgabe ausüben zu dürfen, fiel mir letzten Endes leicht. Ich kann auf die volle Unterstützung meiner Familie und meiner Arbeitskollegen zählen. Das ist Ansporn und Motivation zugleich. Wir haben ein sensationelles Team mit vielen langjährigen Mitarbeitern, die tagtäglich ihr Bestes für die Firma geben, und wir alle haben Freude am Bauen. Für die Zukunft wünsche ich mir den Weitblick und denselben Mut wie Kaspar, Neues zu wagen», sagt der neue Geschäftsführer. 
Auf den Erfahrungsschatz von Kaspar werde er glücklicherweise noch zurückgreifen können. Dabei gibt es einiges, das man gemeinsam anpacken will. Themen wie Digitalisierung, Datenschutz, Umgang mit sozialen Medien und das Vereinen von Tradition und Moderne, aber auch die Bewältigung der zunehmenden Gesetzesflut bzw. Bürokratie und die Grenzüberschreitenden Dienstleistungen (GDL) werden ihn beschäftigten. Zudem sind in naher Zukunft konkret ein neues Betriebsgebäude und ein neuer Werkhof geplant. Das Unternehmen bleibt der Gemeinde Schaan aber auf jeden Fall erhalten, neu kommt ab Frühjahr 2019 eine zusätzliche Zweigniederlassung in Vaduz dazu. 

«Ich hatte viel Glück»

«Ich freue mich, dass meine Töchter Tina und Marion den Betrieb zusammen mit meinem Schwiegersohn weiterführen möchten», sagt Hilti. Planen könne man so etwas nicht, umso dankbarer ist er darüber. Mit der Nachfolge haben wir uns seit längerem in der Familie wie auch in der Firma beschäftigt. Vor allem vor dem Hintergrund, dass gerade Familienbetriebe oft ein Nachfolgeproblem haben. In der Schweiz trifft das auf 13,4 Prozent der Unternehmungen zu.  (dal)

12. Apr 2019 / 20:42
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