Milliardäre ziehen vor Gericht

Österreichs reichste Männer liegen im Streit: René Benko klagt gegen Dietrich Mateschitz wegen einer journalistischen Investigativ-Serie der Plattform «Addendum». Die Spur des Geldes führt auch nach Liechtenstein.

In Österreich tobt in diesen Tagen ein Machtkampf. Die Involvierten sind die wohlhabendsten Männer Österreichs, die nun vor Gericht ziehen: Milliardär und Krone-Investor René Benko und Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz. Hintergrund der Streitigkeiten ist eine Recherche der Online-Medien-Plattform «Addendum» zum vermeintlich undurchsichtigen Firmenimperium von Benko. «Addendum» wird von Mateschitz über die Quo-Vadis-Veritas-Stiftung mitfinanziert. Im erschienenen Hintergrundbericht «Das Benko-Reich» wird Benko vorgeworfen, dass die Strukturen der Signa-Gruppe vollkommen unübersichtlich seien und die Finanzflüsse unter anderem auch zu Briefkastenfirmen und Privatstiftungen führten – unter anderem nach Liechtenstein. 

Benko hat nun «Addendum» vor Gericht auf Unterlassung und Widerruf geklagt. Passagen über Bankverbindungen seien unwahr. Der Streitwert ist in dieser Causa wohl nur Nebensache. Der 
«Standard» berichtet, dass die Summe 19 620 Euro betrage, ein gesetzlich geregelter Wert bei Ehrenbeleidigung und Kreditschädigung. Es geht also vor allem um das Ansehen von Benko als Unternehmer, das durch die Berichterstattung in Mitleidenschaft gezogen wird.

Benkos Einfluss wächst

Benko scheute in den vergangenen Jahren stets die Medien. Der Unternehmer und Investor wurde dank Geschäften im Immobilien-, Medien- und Handelsbereich Milliardär. Ein Gesamtvermögen von 4,9 Milliarden Dollar wird ihm laut «Forbes» zugerechnet. 

Die von Benko gegründete Signa Holding ist Österreichs grösstes privates Immobilien­unternehmen und engagiert sich auch in Deutschland und Norditalien. Zusätzlich gehören dem Milliardär die Modeketten Kika und Leiner und sogar das berühmte New Yorker «Chrysler Building» in Manhattan. Die ewigen deutschen Rivalen Karstadt und Kaufhof schloss er unter einem Dach zur Deutschen Warenhaus AG zusammen. Und sogar ins Medienbusiness zog es den gebürtigen Tiroler zuletzt. Über die Signa Holding schaffte er den Sprung in den Medienbereich: Beteiligungen werden gehalten bei der «Kronen Zeitung» 
(24,5 Prozent) und «Kurier» (24,22 Prozent). Zusammen erreichen «Krone» und «Kurier» täglich über 2,6 Millionen Leser. Benkos Einfluss wächst somit kontinuierlich auf Wirtschaft, Politik und Medien.  

Spur führt nach Liechtenstein

«Addendum» ging der Frage nach, wofür René Benko ein riesiges Konstrukt an Privatstiftungen und Briefkastenfirmen benötigt und verfolgte die Finanzströme. Das Online-Portal behauptet, dass die Spur auch nach Liechtenstein führe. René Benko und seine Mutter Ingeborg hätten nicht nur in Österreich zwei Privatstiftungen eingerichtet, sondern verfügten im Fürstentum über eine weitere. Ihr Name: die «Ingbe»-Stiftung. Die Information kann tatsächlich durch einen Liechtensteiner Handelsregisterauszug bestätigt werden. Die Stiftung wurde 2014 gegründet. Die Stifter heissen Ingeborg und René Benko. 
Über eine Tochtergesellschaft in Luxemburg sei viel Geld in Benkos Liechtensteiner Stiftung geflossen. Mit Jahresende 2014 seien es 61 Millionen Euro gewesen. Das deutsche Magazin «Wirtschaftswoche» habe von der Signa erfahren, dass hinter der «Ingbe»-Stiftung «ein seriöser Investor» stehen soll. Mehr wollte man dazu aber nicht sagen. Mittlerweile sei das Vermögen der Luxemburger Tochtergesellschaft auf etwa 20 Millionen Euro zusammengeschrumpft. Denn 2016 sei eine «Vorabdividende» in Höhe von 76 Millionen Euro an den unbekannten Investor nach Liechtenstein ausgeschüttet worden. «Die Liquidität dafür dürfte aus dem österreichischen Teil der Signa stammen, denn dorthin wanderten auch die Gesellschaftsanteile – zumindest indirekt», mutmasst «Addendum».

Sonderregelung mit Österreich  

Obwohl die EU und Liechtenstein seit 2018 intensiv steuerrelevante Daten austauschen, hat Österreich mit Vaduz eine Ausnahme für Stiftungen vereinbart. Für sie gilt der Datenaustausch nicht wie für Privatpersonen. Bürger oder Organisationen aus Österreich, die in Liechtenstein eine Stiftung haben, können weiter anonym bleiben. Während andere EU-Länder die Stiftungsinformationen aus dem Fürstentum ab 2018 bekommen werden, erhält sie Österreich nicht. Damit bleibt auch der Investor aus Liechtenstein geschützt. Die «Ingbe»-Stiftung hält sich an geltendes Recht. (rpm)

12. Apr 2019 / 20:43
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