•  (GAETAN BALLY)

Liechtenstein hinkt Nachbarn hinterher

Liechtenstein hat europaweit einen der höchsten Atomstromwerte. 61,34 Prozent des Stroms stammt aktuell aus Kernenergie. Die Schweiz liegt bei 17 Prozent.
Atomstrom. 

Die Beschaffungsstrategie von Strom im Ausland hat einen wesentlichen Einfluss auf die Versorgungssicherheit, die Wirtschaftlichkeit und die Umweltverträglichkeit der Energieversorgung in Liechtenstein. Sie ist damit  ein wesentlicher Pfeiler der Energiepolitik. Aber während sich die Mehrheit der europäischen Staaten kontinuierlich von der Kernenergie distanziert, ist in Liechtenstein der Atomstromanteil noch überdurchschnittlich hoch.  


Liechtensteiner Strom ist derzeit eine Mischung aus erneuerbaren und nicht erneuerbaren Energien: Ein Drittel setzt sich aus Wasserkraft (26,56 Prozent) und Sonnenergie (4,99 Prozent) zusammen. Erdgas macht 0,59 Prozent aus. Der grosse Rest (61,34 Prozent des Stroms), der vor allem an Unternehmen geliefert wird, stammt gemäss Zahlen der LKW aber nach wie vor aus Kernenergie. 6,52 Prozent fallen in die Rubrik «nicht überprüfbare Energieträger». In Relation zur Einwohnerzahl betrachtet zählt Liechtenstein in Europa somit zu den Top-Kunden der Atommeiler. Die LKW bestätigen, dass Liechtenstein tatsächlich einen hohen Atomstrom-Wert aufweise. Das liege daran, dass in der Regel auf nicht überprüfbare Energieträger  - zum Beispiel Braunkohle - verzichtet werde und damit die CO2-Belastung niedrig gehalten werde.

LKW wollen Strom ein Gesicht zu geben
Aufgrund des hohen Atomstromimports belegt Liechtenstein also einen negativen Spitzenrang. Es kann davon ausgegangen werden, dass sich das Land mit Frankreich, das gegenwärtig 72 Prozent des Stroms mit Kernenergie produziert, und Schweden (38 Prozent) das Podest der Atom-Europameister teilt.
Regierungsrat Daniel Risch erklärt den hohen Anteil des Atomstroms: «Der in Liechtenstein verbrauchte Strom wird grösstenteils importiert, also in etwa 75 Prozent. Dieser Importstrom wird in der Regel an den Stromhandelsplätzen ohne Herkunftsnachweis beschafft, weshalb man oft mit dem Begriff Graustrom konfrontiert wird.» Die LKW hingegen seien schon seit langem darauf Bedacht, dass der Strom mittels Kernernergiezertifikaten in jedem Fall «ein Gesicht» erhalte, weil Graustrom eben oft mit Kohlekraft oder anderen fossilen Energieträgern gleichgesetzt werde. Ohne diese Aktivität der LKW läge der Anteil der nicht überprüfbaren Energieträger in Liechtenstein bei ungefähr 70 Prozent.
Im Vergleich zu Liechtenstein sind die Schweizer Eidgenossen bereits einen Schritt weiter. Der Strom aus Schweizer Steckdosen stammte 2017 zu rund 62 Prozent aus erneuerbaren Energien: zu 56 Prozent aus Grosswasserkraft und zu rund 6 Prozent aus Photovoltaik, Wind, Kleinwasserkraft und Biomasse. 17 Prozent hatten ihren Ursprung in der Kernenergie und weniger als 2 Prozent kamen aus Abfällen und fossilen Energieträgern. Für 19 Prozent des gelieferten Stroms waren Herkunft und Zusammensetzung nicht überprüfbar.

Nicht überprüfbare Energieträger ausmerzen
Der Anteil des sauberen Stroms hat sich zwischenzeitlich in der Schweiz noch erhöht. Seit dem 1. Januar 2018 gelten das neue Energiegesetz und die zugehörige Energieverordnung. Sie schreiben vor, dass die Angabe von nicht überprüfbaren Energieträgern ab dem Tarifjahr 2018 nicht mehr zulässig ist.    (rpm)

 

24. Mai 2019 / 22:17
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