• Priska Rösli, Ruggell
    FOTO©RIGHT: TATJANA SCHNALZGER  (Tatjana Schnalzger)

In der Region fehlen Gründer

Priska Rösli hat mit Red Leafs Venture und Equitypitcher einen Start-up-Fonds lanciert. Mehrere Millionen Franken stehen bereit, um Start-ups zu fördern. Es fehlt aber an Gründern in der Region.

Die Schweizer und Liechtensteiner Start-up-Szene ist lebendig. Konkret stieg das in Start-ups investierte Kapital im vergangenen Jahr um 3,2 Prozent auf rund 940 Millionen Franken. Noch nie haben Schweizer Start-ups so viel Risikokapital angezogen wie im Jahr 2017. Wachstumstreiber waren vor allem Biotech- und ICT-Start-ups. Auch in Liechtenstein strecken Business Angels ihre Fühler aus. Einer der Fonds aus Liechtenstein hat vergangenes Jahr seine Arbeit aufgenommen und in erste Start-ups investiert.

Dass das Beratungsunternehmen Red Leafs Venture aus Ruggell gemeinsam mit der Züricher Online-Plattform Equitypitcher einen Fonds für Start-ups auflegt, wurde bereits im Rahmen des Investor Summit Liechtenstein vorgestellt. Anleger können seit Sommer letzten Jahres in diesen Fonds investieren. «Wir sind im ersten Teilfonds mit einem Kapital von rund fünf Millionen Franken gestartet», erklärt Priska Rösli. Ein Teil davon wurde bereits in interessante Unternehmen investiert – wie zum Beispiel bei «Geld für Flug». Das junge Unternehmen ermöglicht Kunden ihr Geld im Stornierungsfall von Fluggesellschaften zurückzubekommen. Innerhalb von 24 Stunden erstatten sie einen grossen Teil der Flugkosten. «Es wächst rasant», erklärt Rösli.

Ziel ist ein 50-Millionen-Fonds
Jetzt im Zinstief sei die Zeit reif, noch stärker in Start-ups zu investieren, ist Rösli überzeugt. Die internationale Steuerexpertin ist eigentlich als Mitinhaberin mit ihrem Unternehmen Red Leafs Tax Advisory als Steuerberaterin in Ruggell tätig, das mit einem 8-köpfigen Beraterteam internationale und lokale Steuerberatung anbietet. Mit Red Leafs Venture investiert sie selbst in Start-ups und unterstützt diese im Aufbau. Die Zusammenarbeit mit Equitypitcher hat sich ergeben, als jene ein weiteres Verwaltungsratsmitglied suchten. Zusammen stellten sie später den Gründerfonds auf die Beine. Ein zweiter Teilfonds mit weiteren 10 bis 20 Millionen steht in den Startlöchern. Ziel ist es, den Fonds auf insgesamt 50 Millionen aufzustocken. Das Interesse der Investoren steigt, auch wenn sich viele anfangs zurückhaltend zeigten – aus gutem Grund. «Start-ups erzielen in den ersten Jahren ihrer Geschäftstätigkeit kaum Gewinn und benötigen teilweise viel Kapital, um ihre Produkte und Dienstleistungen zur Marktreife zu bringen», betont Rösli. Es ist damit ein Hochrisiko-Investment. Von zehn Startups fliegen nur ein oder zwei Unternehmen. «Viele Start-ups schaffen es überhaupt nicht», sagt Rösli. Zudem sei mitunter die Auswahl der Jungunternehmen komplex und zeitintensiv.

Totalverluste gezielt vermeiden
Wer sein Risiko streuen will, der müsse in eine grössere Anzahl von Start-ups investieren. Die Anleger des Fonds sind daher nicht nur in ein einziges Unternehmen investiert, sondern in zehn bis 15 verschiedenen Firmen. Durch diese Diversifikation sinkt das Risiko für die Geldgeber. Zudem durchleuchtet Equitypitcher regelmässig tausende von Start-ups, ein Expertengremium trifft eine Vorselektion und der Fondsmanager fällt letztlich die Entscheidung, wie viel in welche Firmen investiert wird. Nicht nur regelmässige Reportings beschrieben die Fortschritte, die Berater nähmen meistens auch Einsitz in den Verwaltungsrat des jungen Betriebes. Aus Liechtenstein und der Region waren erst wenige Start-ups vertreten.

Den Mutigen gehört das Geld
Das Kapital ist zwar vorhanden, in der Region sind Gründer aber Mangelware. «Ich würde mir wünschen, dass mehr den Schritt wagen und den Mut finden, ein Unternehmen aufzubauen», sagt Rösli. Als Grund, warum sich viele nicht getrauen, sieht die Steuerexpertin auch in der gut laufenden Wirtschaft. «Wenn es einem gut geht, dann muss man vielleicht nicht dermassen innovativ sein und man ist weniger dazu bereit, ein hohes Risiko in Kauf zu nehmen oder sich zu exponieren», sagt Rösli. Gerade in einem kleinen Land ist die Anonymität nicht gegeben – zumal es keine Trial-und-Error-Mentalität wie in den USA gibt. Dabei hätten Gründer grosse Chancen: Sie könnten vom Know-how verschiedener Business-Angels profitieren, die sie aktiv beim Wachsen unterstützen. Von allen Gründern, die sich bei ihnen melden, sind gerade einmal ein bis zwei Prozent Frauen. «Frauen versuchen es oft aus eigener Kraft und kommen dadurch meist nicht schnell genug voran». Ihrer Erfahrung nach seien sie risikoaverser und oft selbstkritischer als Männer. «Mehr Mut wäre schön», lautet der Appell. Allerdings steht und fällt dies auch mit weiblichen Business-Angels. Auch davon gebe es nur sehr wenige.
Die Hoffnung ist gross, dass sich beides ändert und dass sich Gründer aus der Region melden. Allerdings sind sie keine Seed-Finanzierer. Das heisst, sie steigen erst später ein, wenn es einen Proof-of-Concept gibt und es darum geht, das Geschäft gross aufzuziehen.

25. Aug 2018 / 07:10
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