• Hanffeld, Eschen
    Hanfernte in einem Feld in Eschen.  (Tatjana Schnalzger)

Hanf als Lebensmittel

Das Start-up Alpenpionier will Hanf wieder als Lebensmittel etablieren. Dazu wurde nun eine neue Maschine angeschafft, um selbstständig Hanfnüsse in der Region zu schälen.

Beim Wort Hanf denken viele an Joints und berauschende Wirkung, allenfalls an CBD-Produkte. Doch Hanf kann man auch als Lebensmittel verwenden. «Den älteren Generationen ist das auch durchaus noch bekannt, denn Hanf wurde in der Landwirtschaft früher oft angepflanzt», sagt Carlo Weber, Geschäftsführer der Alpenpionier in Zizers GR. Doch mit der zunehmenden Nutzung als Rauschmittel sei Hanf verteufelt worden und verschwand in der Folge mehrheitlich von den hiesigen Feldern.

Das wollte das Team der Alpenpionier ändern. Ihre ersten Pläne präsentierten sie beim Ideenkanal und konnten sich dort die Anschubfinanzierung sichern. Darauf folgte schliesslich Mitte 2017 ein Crowdfunding, welches den Aufbau des Start-ups ermöglichte. Bereits im Frühling 2018 waren die ersten Produkte des heimischen Superfoods auf dem Markt. Bis heute ist die Produktepalette stetig gewachsen. Mittlerweile sind neben Snacks auch Hanfpasta, Hanföl sowie Hanfbier und Tee im Sortiment. Bald soll auch ein Proteinprodukt hinzukommen, welches gerade auch Sportler als Zielgruppe avisiert.

Liechtenstein ist ein Hanfland

Der Rohstoff für die Produkte stammt aus der Schweiz und Liechtenstein. Fünf Landwirte im Land pflanzen auf total 12 Hektaren Hanf an. Das grösste Feld mit 5,5 Hektaren liegt ausgangs Schaan, Richtung Bendern. Es wird von Georg Frick bewirtschaftet. Andreas Näscher baut in Eschen an. Dieser Hanf wird beispielsweise für Hanföl made in Liechtenstein verwendet. Weiters bauen Gebhard Walser in Schaanwald und Martin Kaiser in Gamprin sowie Markus Büchel in Balzers Hanf an. Letzterer ist Preisträger der goldenen Hanfnuss 2019. «Diese bekommt der Bauer, der pro Hektar am meisten Ertrag produziert», sagt Emanuel Schutt von Alpenpionier. Ob der Föhn oder Boden dafür verantwortlich sind, sei nicht bekannt. Grundsätzlich sei Liechtenstein ein gutes Land für Hanf, man sei der Pflanze wohlgesinnter als in der Schweiz, jedenfalls in Politik und Verwaltung. So erhalten Hanfbauern in Liechtenstein Subventionen, wie für andere Getreide auch üblich. «In der Schweiz ist man noch nicht so weit.»

Wie zu hören ist, liege die für Bauern komfortablere Situation an den bekannten kurzen Wegen in Liechtenstein. Die Legende besagt, dass man an der Lihga darüber gesprochen habe, am Folgetag mit der zuständigen Person in der Verwaltung telefonierte und die Sache dann geritzt war.

Neue Maschine ist schweizweit die erste ihrer Art

Dass die Rohstoffe aus der Region stammen, liegt den Jungunternehmern am Herzen, ebenso Produktion in Bioqualität. Damit die ganze Wertschöpfungskette in der Region bleibt, wurde lange nach einer geeigneten Maschine zur Schälung der Hanfsamen, auch Hanfnüsse genannt, gesucht. «Wir haben uns in China und Europa umgeschaut, doch wir wurden nicht fündig», sagt Schütt. Doch aufgeben sei keine Option gewesen. «Hanfnüsse regional kultivieren, um sie dann im Ausland schälen zu lassen, das macht einfach keinen Sinn.» Schliesslich entschied man sich, eine eigene Schälanlage zu erstellten. Diese wurde von einem deutschen Ingenieur und einem tschechischen Maschinenkonstrukteur entwickelt. Zusammengebaut hat sie das Team der Alpenpioniere in Zizers selber. «Wir kennen nun jede Schraube der Maschine.» Die Maschine ist die erste ihrer Art in der Schweiz. «Das ist ein weiterer Meilenstein», sagt Geschäftsführer Carlo Weber. Das Start-up hat seit der Präsentation im Ideenkanal 2017 einiges erreicht, was die Beschaffung der Maschine unterstreicht. Mittlerweile werden rund ein Dutzend Mitarbeiter beschäftigt und im Onlineshop sind über zehn Produkte erhältlich. Mit der neuen Maschine sollen nun weitere folgen. Geplant seien neben neuen Snacks vor allem ein Proteinprodukt. Denn Hanfsamen oder eben Hanfnüsse enthalten zu einem Viertel Protein. Das wolle man nutzen, um ein Produkt für Sportler und Fitnessbegeisterte zu kreieren. «Wir wollen einen Proteinzusatz auf natürlicher Basis anbieten können», sagt Weber.

Die Maschine war für das Start-up eine grosse Investition. Noch ist das Unternehmen nicht profitabel, der Break-even werde in zwei Jahren angepeilt.

Hanf als Lebensmittel bekannt machen

Bis dahin gilt es, noch viel Aufklärungsarbeit zu leisten. Denn dass Hanfprodukte als Lebensmittel genutzt werden können, ist vielen noch nicht bekannt. Dass Hanf vielseitig einsetzbar ist, beweist Köchin Rebecca Clopath am Medienanlass zur Präsentation der neuen Maschine. Sie hat einen Hanfhummus, Dolmades mit Hanfnüssen und ein Dessert zubereitet. Lebensmitteltechnologe Marc Brüngger schwärmt für den Einsatz von Hanföl bei Vanilleglace.

Auch Gastronomen aus der Region kochen mit Hanfprodukten der Alpenpioniere. So setzen etwa Sven Wassmer und Sebastian Titz im Grand Resort Bad Ragaz Hanferzeugnisse in den Gerichten ein. Produkte von Alpenpionier sind im Land im Roxy und Rec erhältlich sowie beim Coffee-Truck von Roman Eggenberger, der jeweils am Tresner Dorfmarkt steht. Der Ruggeller arbeitet zugleich bei Alpenpionier, wo er sich um die Finanzen kümmert. In der Schweiz findet man sie bei Coop City und teilweise in den Läden von Volg, Spar und Landi. (jeb)

25. Jun 2020 / 22:18
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