• Altenbach Vaduz
    Alex Ritter bereitet sich nach dem Shutdown auf die Wiedereröffnung vor.  (Daniel Schwendener)

Gemischte Gefühle vor Wiedereröffnung

Die Öffnung der Gastronomie steht bevor. Die Betriebe wissen jedoch nicht genau, welche Massnahmen sie umzusetzen haben.

Auch Gastronomen widerspiegeln die Gesellschaft. Alle haben eine unterschiedliche Meinung zu den Entscheidungen der Regierung, selbstredend verschiedene Ausgangslagen – und eine Freude darüber, dass sie wieder ihrer Tätigkeit nachgehen dürfen. Doch den Wirten ist noch unklar, welche Massnahmen ab kommenden Freitag gelten sollen. Das sorgt für Verunsicherung. Ob ein Meter Abstand wie in Österreich oder zwei Meter Abstand wie in der Schweiz – jeder halber Meter wirkt sich auf den Gewinn beziehungsweise den Verlust aus. 

Gemischte Gefühle gegenüber der Öffnung
«Ja, ich habe Angst vor der Neuöffnung», sagt Pirun Pol offen und ehrlich. Er ist der Wirt der Sportbar Take 5 in Triesen. In der grossen Räum­lichkeit erwarten den Gast Fussball- und Billardtisch, Bartresen und Raucherraum. «Wenn der Gast stillsitzen muss, läuft naturgemäss in einer Sportbar nichts», sagt Pol. Nach dem momentanen Konzept des Gastronomieverbandes, über das noch die Regierung zu entscheiden hat, müsste Pol nicht die Namen und Adressen der Gäste aufschreiben, wie es in der Schweiz Pflicht ist. Für einen Einmannbetrieb wäre diese Massnahme auch kaum zu erfüllen, wie er ausführt, denn gleichzeitig soll er ja auch die anderen Gäste bedienen. Auch auf die Schweizer Regel des Zwei-Meter-Abstands blickt er mit Argwohn: «So könnte ich gerade drei Menschen am Bartresen sitzen lassen.» Die 1,5 Meter, wie das Konzept des Liechtensteinischen Gastronomieverbandes fordern, bedeute schon eine Erleichterung. Aber generell stellt er in Frage, ob eine «halbe Öffnung» für seinen Betrieb überhaupt rentiere. 

Andere Barbetreiber sehen das ähnlich. Hansi Suppan, Long Jon Bar in Schaan, fordert eine «bedingungslose Öffnung». Er befürchtet, dass ihm die Gäste wegbleiben, da viele von ihnen auch ein gewisses Alter überschritten hätten. Eine Öffnung mit Auflagen führe nur zur grösseren Verunsicherung in der Bevölkerung. Spricht man mit den Wirten, zeigt sich oft eine kleine bis grosse Unzufriedenheit mit der Regierung. Rolf Bleisch, Besitzer Restaurants Au und New Castle in Vaduz sowie Rössle in Schaan, wünscht sich, dass die Entscheidungsträger der Bevölkerung mehr Eigenverantwortung zugestehen würde: «Das Liechtensteiner Volk hat seit Beginn der Krise gezeigt, dass sie sehr diszipliniert die Massnahmen einhalten.» 

«Wir in der Gastronomie sind eben innovativ»
Persönlich habe er sich schon auf die Öffnung vorbereitet, auch wenn die letztendlich gültigen Massnahmen nicht bekannt seien. «Wir in der Gastronomie sind eben innovativ», so Bleisch. So stehen Trennwände in seinen verschiedenen Einrichtungen, welche die Gäste vor einer gegenseitigen Ansteckung schützen sollen. Auch habe er den Restaurantbetrieb im Rössle auf den Sonntag ausgeweitet, um einen Personalabbau entgegenzusteuern. «Meine Mitarbeiter lasse ich nicht hängen», so Bleisch, «das versprach ich ihnen auch.» Und er freue sich sehr darauf, mit ihnen wieder die Bar betreiben zu können. 

Mit der Unzufriedenheit mit der Regierungsarbeit schlägt Alex Ritter, Betreiber des Restaurant- und Barbetriebs Altenbach in Vaduz, in die gleiche Kerbe. Er lobt die anfänglichen Massnahmen, kritisiert jedoch, dass die Regierung nicht schnell genug die heimische Wirtschaft geöffnet hätte. «Die Regierung sollte sich ihrer Verantwortung bewusst werden.» Ritter bekräftigt wiederholt, das Liechtenstein eben die Kleinheit und Feinheit ausmache. Die kurzen Wege, die das mit sich führt, hätten einen eigenen Weg erlaubt. Zwar hat die Regierung Unterstützung gewährleistet, welche er schätze, doch als Unternehmer möchte er nicht abhängig sein und auf den eigenen Erfolg bauen. Er ist zufrieden, dass er nicht auf einen Personalabbau angewiesen war, aber die Möglichkeit hätte bestanden. Ritter sagt: «Nun bin ich glücklich, dass ich den eigenen Betrieb wieder schmeissen darf.» (db)

08. Mai 2020 / 10:06
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