• Tang, Ruggell
    Nan und seine Schwester Yunyun Ye sind bereit für die Wiedereröffnung des «Tang» in Ruggell.  (Tatjana Schnalzger)

Essen wie der Kaiser von China in Ruggell

Im Restaurant Tang trifft sich der Stammtisch und die Teerunde – Yunyun und Nan Ye bieten zwar keinen Riebel an, aber das stört keinen.

So ganz ohne etwas Beschnuppern ist das Geschwisterpaar Yunyun und Nan Ye nun doch nicht in Ruggell aufgenommen worden. Man hätte die Skepsis anfangs förmlich riechen können, schmunzelt Nan Ye heute gelassen. Eigentlich hätte er auch nichts anderes erwartet, fügt er an. Immerhin seien seine Schwester und er in die ehrwürdigen Räume des ehemaligen Café Oehri eingezogen. Und hätten dann auch noch alles umdekoriert – über die Fasnacht hinaus. Und so was nicht im Kaiserreich, sondern in Ruggell, im Fürstentum Liechtenstein. Ein kultureller Schock für beide Seiten? Nicht wirklich, denn Yunyun und Nan Ye sind lediglich aus dem Vorarlberg ins Unterland gewandert und kennen die Gastronomie von Kindesbeinen an. «Unsere Eltern hatten bereits ein Gasthaus geführt», erklärt Nan Ye. 

Chinesisch ist nicht gleich Chinesisch

Wie es der Zufall dann wollte, hätte seine Schwester von ihrem damaligen Arbeitgeber, bei dem sie als Dolmetscherin arbeitete, den Tipp vom leerstehenden Café Oehri bekommen, ein Glücksfall wie aus dem Keks gebrochen – für Ruggell und die Nans. In der Zwischenzeit isst man nicht nur gerne in der heimeligen Gaststube der Chinesen, sondern trifft sich auch zum Feierabendbier oder dem Schlummerbecher nach der Sportrunde.

Nan Ye kann sich gut erinnern, wie die ersten Vereine ganz schüchtern anfragten, ob man bei ihnen auch einfach auf einen kühlen Becher hausgemachten Eistee einkehren dürfe. «Mir war von Anfang an klar, dass wir die Einheimischen mit Sympathie und Gastfreundschaft abholen müssen», führt er aus. Wenn dann die Hemmschwelle  überwunden sei, würden sie sicher auch in die Speisekarte blicken, war er überzeugt. So war es dann auch: das Restaurant Tang ist weit über Ruggell hinaus für seine chinesischen Gerichte  bekannt.  Für den mit einem BWL-Studium in der Tasche eigentlichen Exoten in der Gastrobranche war gleich klar, dass das Angebot neben der Gastfreundschaft über Erfolg oder Misserfolg entscheiden würde: «Eine Ente ist für Europäer das chinesische Essen schlechthin», verrät Nan Ye. In seiner Heimat werde der Vogel aber vor allem in Peking gegessen und sonst eher selten. Wahrscheinlich sei die Pekingente bei Europäern so beliebt, weil man hier etwas grössere Stücke zum Beissen bekomme. «In unserer Küche werden alle Zutaten klein geschnitten, damit man sie einfach mit den Stäbchen essen kann», fährt er fort. Im Restaurant Tang gibt es aber noch ein anderes Gericht, das richtig Biss hat: das scharf-taube Rind, ein zartes Stück Entrecôte. Aber, warum denn bitteschön taub, was passiert denn mit dem armen Rind, bevor es geschlachtet wird, fragt die Journalistin etwas irritiert. Nan Ye lacht herzhaft und antwortet: «Keine Sorge, das Rind merkt nichts mehr ­davon. Der Gourmet wird allenfalls ­etwas wortkarg, denn das Gericht ist höllisch scharf und betäubt die Zunge.» Nur die eines Europäers, bestätigt er auf Nachfrage.

Der Geheimtipp: Palast-Poulet und Seiden-Tofu

Für alle Vegetarier hat der Küchenchef im Tang einen besonderen Leckerbissen, Seiden-Tofu. Die Seide bezieht sich dabei nicht auf die Verpackung, sondern auf die besonders zarte und schmelzende Konsistenz der Eiweissbombe. Der absolute Renner sei aber das Palast-Poulet, scharf gebraten, aromatisch abgeschmeckt und mit viel Gemüse zubereitet. Ein Gericht, das Nan Ye gerne auch mal den Landesfürsten kosten liesse. Mit den Schutzmassnahmen hätte er keine Mühe, alles sei präzise eingerichtet und umgesetzt worden, zumal die Chinesen sowieso an runden Tischen sitzen und die Speisen in der Mitte miteinander teilen. Der Abstand ist daher zwangsläufig etwas grösser.

Was nicht alle wissen: Das Geschwisterpaar verfügt über drei Sommelierausbildungen: Fleisch, Wein und Tee. Nan Ye ist es ein besonderes Anliegen, die traditionelle und alte Teezeremonie seiner Heimat den Liechtensteinern näherzubringen. «Wir verwenden nur offenen Tee und brühen ihn mehrmals auf», erklärt er die grundlegenden Unterschiede zur europäischen Teekultur.

Im Gegensatz zur indischen Teezeremonie, die den Aufguss mehrmals aus einem Glas ins andere umgiesst, verwenden die Chinesen filigrane Tässchen und kleine Teekannen von rund 260 Milliliter Fassungsvermögen. Wer sich in die chinesische Teekultur einführen lassen möchte, kann bei Nan Ye ein Seminar buchen, sich durch die 25 Sorten der hauseigenen Auswahl probieren und geht ganz bestimmt nüchtern heim. (nsb)

15. Mai 2020 / 00:07
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