• Clinicum Alpinum in Gaflei
    Interview mit Michaela Risch und Marc Risch, Bild aufgenommen bei der Clinicum Alpinum in Gaflei am 07.11.2019 FOTO & COPYRIGHT: DANIEL SCHWENDENER  (Daniel Schwendener)

Clinicum Alpinum: Warten auf Schweizer Patienten

Michaela und Marc Risch wollen einer «massiven» Unterversorgung in der spezialisierten Psychiatrie entgegensteuern. Doch Schweizer Patienten können das Angebot in Gaflei bisher nur eingeschränkt nutzen.

Michaela und Marc Risch hatten eine Vision: Der massiven Unterversorgung in der spezialisierten Psychiatrie in der Region entgegenzutreten. Die Wartezeiten der Fachkliniken auf einen Behandlungsplatz reichen bis zu acht Wochen. Zusätzliche zwei oder drei Wochen verstreichen, in denen Versicherungen eine Kostenübernahme prüfen müssen. «Was bei einer Tumorerkrankung undenkbar wäre, wird Patienten mit psychischen Erkrankungen zugemutet», betont Marc Risch.

Dabei bräuchten sie dringend eine Therapie und einen Ort, an dem sie wieder gesund werden können. «Werden psychische Erkrankungen wie eine Depression frühzeitig erkannt, können sie sehr gut behandelt werden», betont der Psychiater. Seit dem 1. April hilft das Clinicum Alpinum Menschen, die an schweren Depressionen leiden. Inzwischen wurden in der Privatklinik mehr als 50 Patienten behandelt, 70 Prozent von ihnen kommen aus Liechtenstein und der Region. Für Schweizer ist es hingegen vorerst schwieriger, sich in Gaflei behandeln zu lassen. 

«Es ist schwer auszuhalten»

Schweizer Versicherungen halten sich an das Territorialprinzip und übernehmen Kosten vor allem dann, wenn die Klinik in der Schweiz ist. «Es ist als Arzt schwer auszuhalten, dass sich ein schwer kranker Patient aus Buchs nicht in unserer Klinik behandeln lassen kann», sagt Marc Risch. Er erzählt von menschlichen Dramen, die sich abspielen, weil Betroffene den Aufpreis und den Eigenanteil finanziell nicht stemmen können. «Dabei sind wir nicht teurer als Referenzkliniken in der Schweiz». Der Referenztarif liege bei 673 Franken pro Tag. Doch Michaela und Marc Risch arbeiten daran, dass sich dies bald ändert und sie hoffen, dass dies auch gelingt. 

In Liechtenstein läuft es hingegen rund. Hier ist die Klinik  Vertragspartner der Swica und der Concordia. Dass sie vorerst auf Patienten aus der Schweiz warten müssen, das kann das Ehepaar nicht aus der Bahn werfen, vor allem, weil der Business-Plan eher konservativ angelegt war. Seit der Eröffnung im April haben die beiden wie geplant den ersten Stock mit 25 Zimmern in Betrieb genommen. «Das geschah nicht nur aus Gründen der Auslastung», sagt Michaela Risch. Nein, erstmal wollten sie das Gebäude und die Abläufe kennenlernen und sehen wie die Patientinnen und Patienten auf das Gebäude und die Innengestaltung reagieren, bevor sie die ganze Klinik voll ausstatten. Dieser Weg macht auch aus betriebswirtschaftlichen und Liquiditätsgründen Sinn, führt Michaela Risch aus. 

Klinik nimmt Fahrt auf

«Wir haben sehr konservativ kalkuliert und gingen im ersten Jahr von einer Auslastung von 25 Prozent aus», erzählt die Betriebswirtschaftlerin. Weil die Klinik erst zwei Monate nach dem geplanten Termin für Patientinnen und Patienten nutzbar war, fehlen diese acht Wochen, die nun inklusive der angefallenen Personalkosten aufzuholen sind. Im Moment liegt die Auslastung bei 15 bis 18 Patienten. Die Klinik ist damit auf Kurs, der Break Even ist aber noch nicht ganz erreicht. «Wir hatten einen guten Start, auch bei der Rekrutierung», betont Marc Risch. Wir konnten alle Mitarbeitenden aus Initiativbewerbungen rekrutieren.

Inzwischen ist der Betrieb von vier auf 60 Mitarbeiter angewachsen, die aber meist in Teilzeit arbeiten. Und schon nächstes Jahr soll die Auslastung auf 45 und nach fünf Jahren auf 85 Prozent steigen. «Im Moment beschäftigen uns klassische Start-up-Fragen», erzählt Michaela Risch, die auch für die Finanzen zuständig ist. «Bei jedem Patienten gehen wir in Vorleistung aufgrund der Behandlungsdauer von sechs bis acht Wochen», erklärt die gebürtige Tirolerin. Im Schnitt müssen sie Leistungen also drei Monate vorfinanzieren. Pro Jahr verfügt die Klinik über eine Kapazität, um 300 Patienten aufzunehmen. Insgesamt haben die beiden für ihre Vision zur besseren Versorgung der Bevölkerung beizutragen, viel investiert. Die involvierte Immobiliengesellschaft brachte 30 Millionen Franken alleine für das Gebäude auf. Die Betriebsgesellschaft weitere sieben Millionen für den Betrieb.

Eine grosse Vision

Doch ihre Vision endet damit nicht. In einigen Jahren möchten Michaela und Marc Risch weitere Projekte realisieren – eine Klinik für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene zum Beispiel. Auch hier fehlen Behandlungsplätze und spezialisierte Kliniken beispielsweise für stoffgebundene und stoffungebundene sog. Verhaltenssüchte. Einen Erweiterungsbau werde es aber in Gaflei nicht geben. 

Vorerst geht es aber in Gaflei weiter und hier versuchen die beiden eine Lanze zu brechen für eine stärkere Akzeptanz von psychischen Erkrankungen. Das Klischee herrsche vor, Depressionen seien nur eine Frage des Willens und Betroffene müssten sich einfach zusammenreissen. Dass ihre «Gaflei-Stuba» mit Ausblick auf das Rheintal auch für die Öffentlichkeit zugänglich ist, dürfte ein erster Schritt in diese Richtung sein. Das Angebot werde rege genutzt. Wichtig ist Michaela und Marc Risch auch Nachhaltigkeit. Der Alpenraum sei ein Gesundheitsfaktor, den sie erhalten wollen. Deshalb streben sie die Zertifizierung für das Label der Stiftung Natur und Wirtschaft an. Für beide ist zudem klar, dass eine kluge und gut vernetzte ambulante und stationäre medizinische Grundversorgung wichtig ist – auch im Hinblick auf das Landesspital in Vaduz, mit dem eine wichtige Kooperation besteht. (dal)

 

11. Nov 2019 / 08:38
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