•  (PETER KLAUNZER)

Endstation für Briefkastenfirmen

Liechtensteins Finanzplatz steht vor einer nächsten existenziellen Herausforderung. Die Liechtensteinische Landesbank stoppt per 1. Juli die Transaktionen für Sitzgesellschaften ohne Substanz im Land.

Eine neue Regelung trifft den Banken- und den Treuhandsektor. Dabei geht es um den Paragrafen 165 des Strafgesetzbuches, dessen Änderung per 1. Juli 2019 in Kraft tritt. Die Landesbank ist vorgeprescht. Im Prinzip geht es darum, dass sie ab 1. Juli 2019 die Transaktionen von Sitzgesellschaften ohne Substanz in Liechtenstein nicht mehr ausführen wird. Gesellschaften mit Firmensitz in Liechtenstein, die im Ausland tätig sind, haben damit künftig einen schweren Stand. 

Solche Gesellschaften gibt es viele im Land. Sie haben den Treuhändern in Liechtenstein jahrzehntelang ein florierendes Geschäft mit steil steigenden Umsätzen beschert. Der beste Indikator dafür ist die Gesellschaftssteuer. Waren es 1980 noch etwas mehr als 50 Millionen Franken an Einnahmen, explodierte diese Zahl auf über 200 Millionen Franken. 

Gesellschaften brauchen Substanz

Seitdem hat sich vieles verändert. Das Jahr 2000 markierte eine Trendwende, die sich an der Zahl der eingetragenen Gesellschaften insgesamt zeigt. So sank jene von 84 000 zur Jahrtausendwende auf 27 000 im vergangenen Jahr. Viele Briefkastenfirmen sind von der Bildfläche verschwunden. 
Diese Sitzgesellschaften mögen zwar völlig legale Geschäfte im Ausland ausüben. Doch die Landesbank verlangt eine Substanz in Liechtenstein. Diese wäre aber nur dann vorhanden, wenn zum Beispiel qualifiziertes Personal in Liechtenstein angestellt wird oder die Gesellschaft Büroräumlichkeiten hierzulande mietet. Eine Firma, die im Ausland Touristenreisen anbietet, müsste entsprechend Mitarbeiter mit Erfahrung in diesem Bereich anstellen. Eine KV-Lehre reicht nicht aus. Reicht die Substanz nicht aus, werden diese Transaktionen ab nächster Woche nicht mehr ausgeführt. 

Andere Banken prüfen einzeln

Die Treuhänder führen derzeit Gespräche mit den Banken, wie zu erfahren war. Jede Gesellschaft wird bei den anderen Banken einzeln betrachtet. Falls keine Lösung gefunden wird, so wird die Geschäftsbeziehung von der Bank per 31. Dezember 2019 aufgelöst. So handhabt es auch die VP Bank. Sie setzte die gesetzlichen Vorgaben konsequent um, wie sie auf Anfrage erklärt. «Jeder Einzelfall wird im Rahmen der definierten Risikomassnahmen einzeln analysiert und beurteilt», wie Mediensprecherin Cécile Bachmann erklärt. Potenziell betroffene Kunden, welche im Rahmen eines ersten Risikoassessments identifiziert wurden, sind bereits oder werden noch zeitnah durch ihren Kundenberater informiert, wie Brancheninsider berichten. 
Für die Treuhänder keine einfache Umstellung. «Es handelt sich um eine Anpassung der Dokumentationsprozesse, deren Timing – kurze Frist, kurz vor Ferienbeginn – sicherlich eine grosse Herausforderung ist», erklärt Roland Altmann als stellvertretender Geschäftsführer der Treuhandkammer. Auch die Banken dürften es selbst zu spüren bekommen. Die Gesellschaften sind künftig nämlich gezwungen, Bankkonten im Ausland zu eröffnen. Dies könnte zu hohen Geldabflüssen bei den  führen. (wr)

 

28. Jun 2019 / 21:23
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