• Umsetzung Finanzplatzstrategie
    Umsetzung Finanzplatzstrategie, Torkel Vaduz, 19 Nov. 2019  (Roland Rick)

Die guten Voraussetzungen nutzen

Gestern stellte Regierungschef Adrian Hasler den Umsetzungsstand der Finanzplatzstrategie vor. Fazit: Man sei auf dem richtigen Weg.

Im Februar dieses Jahres präsentierte Regierungschef Adrian Hasler die Finanzplatzstrategie. In dieser wurden die Weichenstellungen für die strategische Ausrichtung des Finanzplatzes getroffen und daraus die nötigen Massnahmen festgelegt. Gestern stellte er nochmals klar, dass der Finanzplatz einer der Grundpfeiler der liechtensteinischen Wirtschaft sei. «Dabei ist Stabilität der wichtigste Erfolgsfaktor, sowohl für unsere Volkswirtschaft als auch für unseren Finanzplatz.» An der Veranstaltung in der Hofkellerei konnte der Regierungschef der Öffentlichkeit nun den bisherigen Stand der Umsetzung präsentieren. 

Es wird nicht die letzte Veranstaltung dieser Art gewesen, sondern sollen künftig regelmässig stattfinden –«als wichtiger Teil der Finanzplatzkommunikation». Letztere gehört zu den zentralen Aspekten für eine erfolgreiche Umsetzung der Finanzplatzstrategie. Hier soll vor allem die positive Aussenwahrnehmung gestärkt werden. Dabei spielt wird vor allem der Verein «Finance Liechtenstein» –  ein Public-Private-Partnership aus Treuhandkammer, Bankenverband, Land und weiteren Finanzplatzverbänden – eine wichtige Rolle. Wie Gabriel Brenna, Vorstandsmitglied von Finance Liechtenstein, dazu in seinem kurzen Vortrag erklärte, brauche es weitere Anstrengungen in Sachen Kommunikation. Der Bekanntheitsgrad des Finanzplatzes sei noch nicht ausreichend entwickelt, teilweise hafte auch das Image der Steueroase noch an. Sein Verein will deshalb die Positionierung und Wahrnehmung des Finanzplatzes kontinuierlich verbessern. Doch das werde Zeit brauchen, so Brenna. «Das wird kein Sprint, sondern ein Marathon».

Markzugang langfristig sicherstellen
«Der Marktzugang wird uns nicht geschenkt, er ist keine Selbstverständlichkeit», mahnte Regierungschef Hasler in seinen Ausführungen. Deshalb ist ein weiterer gewichtiger Teil der Strategie die Sicherung des Marktzuganges. Das erfordere ein hohes Mass an Konformität mit internationalen Standards und eine funktionierende Missbrauchsbekämpfung. «Ja, es kann sein, dass man manchmal getrieben von den Grossen ist», gab Patrick Brunhart vom Ministerium für Präsidiales und Finanzen zu. Das ändere für Liechtenstein allerdings wenig, schliesslich sei man auf ausländische Kunden angewiesen, wie der Regierungschef bekräftigte. Es sei deshalb überaus wichtig, internationale Entwicklungen frühzeitig zu erkennen, um sich optimal darauf vorzubereiten. Brunhart zeigte auf, in welchen Gremien das Land bereits heute international mitarbeite, um die eigenen Positionen besser zu verteidigen.

«Es besteht dringender Handlungsbedarf»
Einen weiteren Teil der Strategie beleuchte Ursula Finsterwald von der LGT: Das Thema Nachhaltigkeit. Wie Finsterwald ausführte, habe der liechtensteinische Finanzplatz bereits viel gemacht – was auch international anerkannt werde –, aber weitere Massnahmen müssten folgen. Es müsse das Ziel sei, dass man den Kindern ein intaktes gesellschaftliches, ökologisches und wirtschaftliches System hinterlasse. Deshalb fordert Finsterwald eine höhere Bedeutung für die Nachhaltigkeit in der Strategie. «Erstens besteht dringender Handlungsbedarf. Zweitens sind wir in Liechtenstein in einer privilegierten Situation. Und drittens dürfen wir den Anschluss nicht verlieren.»

Regulierungslabor hatte schon über 700 Anfragen
Einen Überblick zur Weiterentwicklung des Stiftungsrechts bot Albert Kaufmann vom Amt für Justiz. Hier gehe es vor allem zum eine «zielgerichtete Verbesserung», um die Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten und zu verbessern. Dazu läuft derzeit eine Analysephase mit den Stakeholdern, bevor dann im zweiten Halbjahr 2020 die Evaluationsphase und anschliessend die Umsetzung beginnt. 

Ein zentraler Treiber in der Finanzbranche sei die Digitalisierung, hielt der Regierungschef fest. Mit dem Token-Gesetz habe man ein wesentliches Element der Finanzplatzstrategie bereits umgesetzt. Wie Patrick Bont von der Finanzmarktaufsicht ausserdem festhalten konnte, laufen auch die Anfragen beim Regulierungslabor weiter auf Hochtouren. In den vergangenen fünf Jahren seinen bereits 700 Anfragen eingegangen. «Wir haben damit einen Kommunikationskanal mit dem Markt etabliert.» 

Herausforderungen werden nicht kleiner 
Ebenfalls zur Sprache als Teil der Finanzplatzstrategie kam die Revision des Treuhandgesetzes, welches derzeit die Vernehmlassung durchläuft. Hier soll weitere Pflichten, wie in der Vermeidung von Interessenkonflikten, der Governance, der Rechnungslegung und Berichterstattung, eingeführt werden. «Insgesamt kann ich festhalten, dass die Ziele der Vorlage von allen Verbänden unterstützt werden. Differenzen gibt es jedoch über die Zuständigkeiten», so Hasler.  

Am Ende gab der Regierungschef seinen Gästen einen Ausblick mit. Dabei wurde klar, dass die Herausforderungen nicht kleiner werden: Prüfungen durch internationale Organisationen wie die bevorstehende Moneywall-Überprüfung oder die Pläne der OECD zur Besteuerung multinationaler Unternehmen sind nur zwei Grossprojekte, die auf Liechtenstein zukommen. Nichtsdestotrotz zeigte sich Hasler vor den dreissig Gästen optimistisch: «Liechtenstein hat alle Voraussetzungen, um in herausfordernden Zeiten zu bestehen. Ich bin sogar davon überzeugt, dass wir die besten Voraussetzungen dafür haben.» (ags)

19. Nov 2019 / 22:16
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