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Das Goldfieber grassiert

Die Nachfrage nach Gold ist in den vergangenen Monaten bei den Liechtensteiner Banken bis zu 70 Prozent gestiegen.
Goldbarren
Gold ist enorm gefragt.

Erstmals überhaupt ist der Preis pro Feinunze Gold vergangene Woche auf über 2000 US-Dollar gestiegen. Nach dem jüngsten Höhenflug durchläuft der Goldpreis gerade eine Korrektur, weil Anleger womöglich ihre Gewinne mitnehmen. Auch Liechtensteiner und Schweizer kauften in den vergangenen Monaten deutlich mehr physisches Gold in Form von Goldbarren und -münzen, wie eine Umfrage bei vier Instituten im Land zeigt. Bei der Liechtensteinischen Landesbank (LLB) ist die Nachfrage nach Edelmetallen während der Coronakrise sehr stark um 50 bis 70 Prozent angestiegen, vor allem nach physischem Gold und Silber. 

Edelmetalle gelten in Krisenzeiten immer noch als sicherer Hafen. «Die erste Anfragewelle haben wir bereits im März und April verzeichnet. Auffällig ist, dass in den letzten Wochen, seit die Anzahl Corona-Fälle wieder steigt, auch die Edelmetallanfragen wieder zunehmen», erklärt Cyrill Sele als Mediensprecher auf Anfrage. Es kam sogar zu Lieferengpässen. «Kurzfristig konnten wir im Frühjahr den Kunden 100-Gramm-Gold nicht mehr anbieten, da die Raffinerien aufgrund von Corona geschlossen hatten», heisst es bei der LLB weiter. Diese nahmen ihren Betrieb schnell auf, und so sind inzwischen wieder alle Stückelungen verfügbar.

Furcht vor Inflation oder vor schwachem US-Dollar
Die Metallbestände in Gold haben seit Anfang des Jahres auch bei den Kunden der VP Bank um 30 Prozent  zugelegt. Wertschriften mit Bezug auf Gold sind ebenfalls gefragt und werden von Anlegern seit Anfang Jahr um 25 Prozent mehr gekauft. Inzwischen decken sich auch Kleinanleger mit Gold ein. Chief Investment Officer ­Felix Brill sieht erneut die Rekordzuflüsse in börsengehandelte Gold-Fonds als Preistreiber. Anleger kaufen Gold, weil der Dollar schwächelt oder sie Inflation befürchten. Die Nachfrage aus der Schmuckindustrie hingegen fiel im zweiten Quartal im Jahresvergleich um 53 Prozent, und auch die Nachfrage von Zentralbanken war im Vergleich zum Rekordjahr 2019 schwächer. Insgesamt sank sie gemäss dem World Gold Council um 11 Prozent. 

«Gold legte diese Woche nur eine Verschnaufpause ein»
Dass der Preis in den letzten Tagen nachgegeben hat, ist nach dem schnellen und starken Anstieg zuvor nicht untypisch. «Aus unserer Sicht ist das lediglich eine Verschnaufpause, aber noch kein Trendwechsel», sagt Brill. Nur kurzfristig auf einen weiteren Preisanstieg zu spekulieren, scheint aber keine gute Option zu sein. «Während wir im Portfoliokontext eine Goldallokation als attraktiv erachten, besteht kurzfristig die Gefahr von Rücksetzern», betont er.  

Nicht nur bei der VP Bank und LLB ist Gold gefragt. Auch die Bank Frick kann bestätigen, dass die Nachfrage nach Gold stark gestiegen ist. Sie habe in der Coronakrise um rund die Hälfte zugenommen. Das gleiche Bild bei der LGT: «Die Nachfrage unserer Kunden nach physischen Metallen ist gruppenweit signifikant gestiegen. In den ersten sieben Monaten dieses Jahres haben wir im Edelmetallhandel ­– verglichen zur Vorjahresperiode – bereits ein 50 Prozent höheres Volumen erzielt», betont Karin Brigl als Medienverantwortliche der LGT. 

Die grosse Frage bleibt, wie sich der Goldpreis nun entwickeln wird. Die jüngsten Entwicklungen veranlassten Goldman Sachs dazu, ihre bisherige Goldpreis-Prognose von 2000 US-Dollar aufzugeben. Die Experten rechnen sogar damit, dass der Goldpreis innerhalb der nächsten 12 Monate bis auf 2300 US-Dollar steigen könnte. (dal)

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