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    Bereits gebuchte Ferien dürfen nur aus schwerwiegenden Gründen verschoben werden.  (NicoElNino)

Corona: Darf der Chef die Ferien verbieten?

Die wichtigsten Fragen und Antworten rund um das Thema Arbeiten und Coronavirus.

Was geht, und was geht nicht? Viele Angestellte in Liechtenstein sind wegen des Coronavirus verunsichert. Bekomme ich trotzdem Lohn, wenn ich in Quarantäne bin? Und was ist, wenn ich aus Angst vor einer Ansteckung nicht mehr arbeiten gehen will?

Das «Vaterland» beantwortet die wichtigsten Fragen aus Arbeitnehmersicht, gestützt auf die Merkblätter der Regierung und der Wirtschaftskammer Liechtenstein. 

Darf mir der Chef wegen der Ausbreitung des Coronavirus die Ferien verbieten?
Ja, grundsätzlich darf das ein Arbeitgeber. Wenn bereits vereinbarte Ferien verschoben werden müssen, ist aber nur «aus schwerwiegenden Gründen» gerechtfertigt, so die Wirtschaftskammer.

Aber wer zahlt, wenn ich schon gebucht habe?
Wenn ein Mitarbeiter im Zuge einer Buchung schon Ausgaben gemacht hat, die Ferien vom Chef aber verschoben wurden, dann wird der Arbeitgeber schadenersatzpflichtig.

Kann mich mein Arbeitgeber dazu zwingen, wegen des Coronavirus unbezahlte Ferien zu nehmen oder Überstunden zu kompensieren?
Nein. «Es ist nicht zulässig, Arbeitnehmer zu einem unbezahlten Urlaub zu zwingen», heisst es im Merkblatt der Regierung. Grundsätzlich kann ein Arbeitgeber einen Mitarbeiter auch nicht zwingen, Überstunden zu kompensieren. Ausnahme ist, wenn vertraglich abgemacht wurde, dass der Arbeitgeber diese Massnahmen einseitig anordnen darf.

Wer zahlt, wenn ich das Coronavirus tatsächlich erwische?
Dann läuft es wie bei anderen Erkrankungen auch: Der Arbeitgeber ist in der Pflicht, den Lohn fortzuzahlen. Dauert eine Erkrankung länger, haben die meisten Firmen eine Krankentaggeldversicherung, die nach einer gewissen Wartefrist zahlt. 

Wer muss meinen Lohn zahlen, wenn ich vom Chef in die Quarantäne geschickt wurde, aber gar nicht krank bin?
«Eine angeordnete Selbstquarantäne kann nicht über die Versicherung abgerechnet werden, wenn kein Krankheitsfall vorliegt», hält die Wirtschaftskammer fest. Dasselbe gilt, wenn eine Quarantäne gemäss Epidemiegesetz von der zuständigen Behörde verfügt wurde. «Bei diesen Personengruppen soll gemäss Amt für Volkswirtschaft die gesetzliche Lohnfortzahlungspflicht des Arbeitgebers zur Anwendung gelangen.»

Ich habe Angst, mich bei der Arbeit anzustecken. Darf ich zu Hause bleiben?
Der Arbeitgeber kann niemanden zwingen, zur Arbeit zu erscheinen. Allerdings muss er jemandem, der aus eigenem Antrieb nicht zur Arbeit kommt, auch keinen Lohn für die Fehlzeit zahlen – denn dann handelt es sich um unbegründete Arbeitsverweigerung.

Kann mich mein Arbeitgeber dazu verdonnern, im Homeoffice zu arbeiten?
Ja, gestützt auf das Weisungsrecht aus dem Allgemeinen bürgerlichen Gesetzbuch (ABGB) ist es dem Arbeitgeber erlaubt, Homeoffice anzuordnen. «Die Arbeitnehmenden haben in diesem Fall eine solche Weisung zu befolgen», schreibt die Wirtschaftskammer. Eine Voraussetzung gibt es aber: Bei Anordnung von Homeoffice ist erforderlich, dass dem Angestellten geeignete Räumlichkeiten zur Verfügung stehen. Ausserdem muss die Arbeit zumutbar sein und die Infrastruktur muss vom Arbeitgeber gestellt werden.

Bekomme ich den Lohn, wenn mein Kind am Coronavirus erkrankt ist und ich zu Hause bleiben muss?
Ja. Wer aber ein gesundes Kind aus Angst nicht mehr in die Kita, den Kindergarten oder die Schule schickt und darum zu Hause bleibt, bekommt keinen Lohn. 

Bekomme ich den Lohn, wenn ich im Ausland feststecke, weil die Behörden wegen des Coronavirus die Ausreise verboten haben?
Nein. Das fällt in die Kategorie höhere Gewalt. In einem solchen Fall ist der Lohn nicht geschuldet.

Wie muss mich mein Arbeitgeber schützen?
Der Arbeitgeber unterliegt der Fürsorgepflicht gemäss dem ABGB. Darum muss er «zumutbare Massnahmen zum Schutz der Gesundheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter» treffen. In der aktuellen Situation fällt auch die Selbstquarantäne in diese Kategorie. Die Fürsorgepflicht kann auch beinhalten, dass der Arbeitgeber Masken und ähnliche Schutzmaterialien zur Verfügung stellt.

Welche Pflichten habe ich als Angestellter?
Das Gegenstück zur gesetzlichen Fürsorgepflicht ist die Treuepflicht. Das heisst in Bezug auf das Coronavirus, dass der Arbeitnehmer den Chef über allfällige Krankheiten informieren muss.

(vb)

10. Mär 2020 / 15:46
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