• Sigma Bank, Schaan
    Die Sigma Bank hat Strafanzeige gegen ihren entlassenen CEO erstattet.  (Tatjana Schnalzger)

Banken geraten in Bedrängnis 

Gleich mehrere Liechtensteiner Banken sind in unruhiges Fahrwasser oder sogar ins Visier der Finanzmarktaufsicht geraten. 

Als sich die Sigma Bank AG in Schaan Mitte Juli von ihrem Geschäftsführer Stefan Wolf per sofort trennte, war klar: Es musste einiges im Argen liegen, wenn eine liechtensteinische Bank einen Geschäftsführer fristlos entlässt. Erhebliche Mängel in der Compliance seien aufgedeckt worden. Mehr will das Institut bis heute nicht sagen, stattdessen geht der Akt ohne Umschweife an die hiesige Staatsanwaltschaft. «Die Sigma Bank AG hat am 14. Juli eine Sachverhaltsdarstellung eingebracht», wie Staatsanwalt Robert Wallner auf Anfrage diese Woche bestätigte. Die Anzeige werde nun in Abstimmung mit der Finanzmarktaufsicht in Liechtenstein (FMA) geprüft. «Bei Gericht haben wir noch keine Anträge gestellt», sagt Wallner. Unbestätigte Informationen, es könnte sich um den Verdacht der Geldwäsche im grösseren Stil und mit System handeln, wollte der Leitende Staatsanwalt auf Anfrage nicht kommentieren. 

FMA hat erste Massnahmen bei Sigma Bank ergriffen
Neben CEO Stefan Wolf musste inzwischen auch der Leiter Private Banking und gleichzeitig Mitglied der Geschäftsleitung, Marco Nigsch, seinen Hut nehmen. Das bestätigen Mitarbeiter innerhalb der Bank, das geht aber auch aus dem Handelsregister hervor. Weitere Köpfe sollen noch rollen, befürchtet ein Mitarbeiter. Noch nächste Woche rechnet er damit, dass die FMA die Bank auf Herz und Nieren prüfen wird. Die Aufsicht bestätigt, dass sie in dieser Angelegenheit mit der Sigma Bank AG in Kontakt steht. «Die FMA führt Abklärungen durch und hat erste Massnahmen getroffen. Aufgrund der Erkenntnisse und Ergebnisse der Abklärungen werden die weiteren Schritte definiert», sagt Mediensprecher Beat Krieger auf Anfrage. Es ist nicht die einzige Bank, die ins Visier der Aufseher geraten ist.

Noch immer kein Käufer für die Union Bank gefunden
Gegen zwei andere Banken hatte die Finanzmarktaufsicht ein Bewilligungsentzugsverfahren eingeleitet. Dazu zählt die Bank Alpinum und die Union Bank. Während sich Alpinum auf einem guten Weg befindet, steht die Bewilligung der Union Bank weiterhin auf dem Spiel und ein Strafverfahren läuft, während das Institut in die roten Zahlen rutscht. Ein potenzieller Käufer steht zwar in den Startlöchern, doch die FMA prüft diesen bereits seit Mo­naten. Solange frisches Geld durch einen Käufer fehlt, sieht es düster aus. Die Bank macht derzeit monatlich einen Verlust von einer halben Million Franken, wie sie selbst im Geschäftsbericht schreibt. Die FMA hatte im Frühjahr verfügt, dass Union seit März keine neuen Kundeneinlagen mehr entgegennehmen darf, die nicht ausschliesslich zur Erbringung von Zahlungsdienstleistungen bestimmt sind. Über Monate hinweg war die Bank somit nicht in der Lage, einen Gewinn aus eigener Kraft zu realisieren. Ob die Bank noch immer solche strengen Auflagen erfüllen muss, hat Medien­sprecher Reto Giudicetti auf Anfrage nicht bestätigt. Zu laufenden Gesprächen mit potenziellen Ankeraktio­nären wollte er ebenfalls keine Auskunft geben.

Turbulente Zeiten für Mason Privatbank
Die Mason Privatbank in Vaduz erlebt derzeit in vielerlei Hinsicht keine einfache Zeit. Die Muttergesellschaft mit Sitz in Hongkong musste im Juli eine Gewinnwarnung herausgeben. Die Mason Group erwartet einen Verlust von 30 Millionen Hongkong Dollar in den ersten sechs Monaten des laufenden Geschäftsjahres, wie sie Mitte Juli mitteilte. Einer der Gründe, den das asiatische Unternehmen aufführt, ist das Private-Banking-Geschäft. Dieses führe zu operativen Kosten aufgrund einer «internen Umstrukturierung» nach dem Kauf der Bank. Auch die Coronakrise wird als einer der Gründe für die schwierige Situation benannt. Die Bank selbst hat im vergangenen Geschäftsjahr einen Verlust von fast drei Millionen Franken geschrieben, wie ein Blick in den Geschäftsbericht des Jahres 2019 zeigt. Auffallend ist der hohe Abfluss von fast 300 Millionen Franken an Kundengeldern innerhalb eines Jahres. Verwaltete die Bank im Jahr 2018 noch fast 924 Millionen Franken, so sind die Assets under Management (AuM) im vergangenen Jahr deutlich gesunken. Sie reduzierten sich laut Geschäftsbericht per Ende 2019 auf 565 Millionen Franken. Inzwi­schen sollen die Kundengelder unter die 500-Millionen-Marke gesunken sein. Zum Vergleich dazu: Im Jahr 2008 waren es 1,5 Milliarden Franken, welche die Bank damals noch verwaltet hatte. Dass die Eigentümerin aus Hongkong Verkaufsgespräche führt, hat die Bank auf Anfrage weder dementiert noch bestätigt. Die Mason Group Holdings Limited hatte die Raiffeisen Privatbank Liechtenstein AG vor zwei Jahren übernommen. (dal)

30. Jul 2020 / 22:25
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