• Es findet ein Umbruch im Finanzplatz Liechtenstein statt.  (Peter Klaunzer)

Als Treuhänder unter Zugzwang standen

Der Gesetzesparagraph 165 machte den Finanzplatz sauberer. Quellen berichten, wie manch Treuhänder versuchte, ihn zu umgehen.

Ein Szenario: Der Treuhänder gibt bei der Bank an, dass sein Kunde ein Geschäft in Liechtenstein habe und Haarkämme verkaufe. Konsequenterweise sollte dieses Geschäft daraufhin in Liechtenstein bestehen – doch das ist nicht der Fall. Und bei vielen weiteren Unternehmen auch nicht. Nicht ohne Grund lastet die internationale Berichterstattung Liechtenstein an, Briefkastenfirmen zu beherbergen.

Mit der Weissgeld-Strategie versucht Liechtenstein sich von diesem Image zu lösen. Und die Gesetzgebung machte in den vergangenen Jahren wegweisende Schritte. So beim Paragraphen 165, der am 1. Juli 2019 in Kraft trat. Das Gesetz zwang den ­Banken auf, den Treuhändern die Substanz der Betriebe ihrer Kunden nachzuweisen. «Bei Verwendung von substanz- und funktionslosen Gesellschaften und bei Zahlungen von Provisionen ohne jeglichen wirtschaftlichen Hintergrund bestehen hohe Risiken bezüglich einer Vortat zur Geldwäscherei», wie Simon Triblhorn vom Bankenverband ausführt. Deswegen muss der Treuhänder unter anderem die Namensliste der Mitarbeiter, die Arbeits- und Mietverträge und die Gewerbebewilligung beziehungsweise einen gleichbedeutenden Nachweis des Haarkamm-Unternehmens vorweisen. Nach dem Inkrafttreten des Gesetzes löschten die Banken die Kundenkonten, welche die entsprechenden Nachweise nicht vorbrachten. Das habe viele Konten betroffen, wie mehrere Quellen berichteten. Es gebe Treuhänder, die daraufhin versuchten beziehungsweise auch jetzt versuchen, das Gesetz zu umgehen. Viele seien erfolgreich. Ergo sei der Finanzplatz Liechtenstein seit dem Sommer im vergangenen Jahr um einiges sauberer, dennoch existiere Steuerbetrug und Geldwäscherei in nicht unerheblichem Masse. Zu letzterem Punkt bemerkte Ivo Elkuch, Geschäftsführer der Treuhandkammer: «Es ist müssig, haltlose Gerüchte zu kommentieren.»

Die verschiedenen Mittel, die Gesetzgebung zu umgehen
Viele Treuhänder, besonders von den grossen Treuhandbüros, kamen den Aufforderungen nach. Nur weil sie zuvor die Dokumente nicht vorwiesen, heisst es nicht, dass diese nicht existierten. Einige Treuhänder hingegen folgten beziehungsweise konnten der Aufforderung nicht folgen. Die Banken reagierten daraufhin mit der Löschung des entsprechenden Kontos.

Zurück zum Beispiel: Der Treuhänder des Haarkamm-Unternehmens kam beim Eintreten des Gesetzes ins Straucheln. Denn er wurde kurz zuvor von der Bank informiert, dass seine Konten gesperrt und nur noch Zahlungen, die nicht in den Geschäftsbereich fielen, wie die Stromrechnung, getätigt werden konnten. Für die späte Benachrichtigung der Banken sei die Treuhandkammer verantwortlich. Diese habe es versäumt, die Banken frühzeitig zu unterrichten.

Wie Brancheninsider berichten, suchten Treuhänder nach dem 1. Juli vermehrt um Konteneröffnungen bei Banken an. Für die Kundenberater war es nach dem Einblick in die Dokumente ersichtlich, dass die Treuhänder lediglich versuchten, die Bank zu wechseln. Die Frage nach dem Grund des Bankenwechsels sei mit fadenscheinigen Ausreden beantwortet worden, wie: «Wir waren mit dem Kundenberater nicht zufrieden.» Es lässt daraus schliessen, dass die entsprechenden Treuhänder nicht nach freiem Willen, sondern aus Zwang nach der Kontolöschung versuchten, Kunden einer anderen Bank zu werden. So auch jener, der das Haarkamm-Unternehmen betreut. Er hatte mit diesem Versuch keinen Erfolg, denn die Banken befolgten die neue Gesetzeslage. Deswegen habe dieses Phänomen laut Quellenberichten zwischenzeitlich auch abgenommen.

Die Quellen sagen jedoch auch, dass die Treuhänder, die illegal agieren, mit anderen Mitteln das Gesetz umgehen wollen. Ob sie damit erfolgreich sind, hängt wiederum vom rechten Handeln der jeweiligen Bank ab. Der Treuhänder des Haarkamm-Unternehmens mietet beispielsweise ein Büro für seinen Kunden. Somit kann er den Mietvertrag vorweisen. Es kommt vor, dass sich der Treuhänder selbst auf die Mitarbeiterliste einträgt, um den Schein zu wahren. Die Bank prüft auch die entsprechenden Lebensläufe. Es ist nicht plausibel, dass ein Arzt Produktionsleiter in einer Haarkamm-Firma ist. Doch diese Lebensläufe können am ehesten gefälscht werden. Es ist ebenso wenig plausibel, dass das Lager für die Haarkämme in einem steuerlosen Land wie Panama oder den British Virgin Islands liegt. Falls der Treuhänder durchkommt, gibt es zwei Möglichkeiten, wie er das Büro einrichtet. Entweder wird es leer gelassen. Ein riskantes Unterfangen, denn es kann vorkommen, dass der Kundenberater die Geschäftstätigkeit überprüft, indem er möglicherweise nach drei Monaten bei einem Büro anruft oder direkt vorbeigeht. Oder der Treuhänder der Haarkamm-Firma begibt sich auf folgenden Weg: Er stellt jemanden an, dessen Aufgabe es ist, im Büro zu sitzen – und auf einen Anruf oder Besuch zu warten.  Viele Treuhänder kämen damit durch, wie eine Insiderin vom Finanzplatz Liechtenstein berichtet. Aus offizieller Quelle wird dies nicht bestätigt. (dab)

04. Jul 2020 / 15:00
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