• Hochwasser Rhein in Vaduz
    Bei der alten Holzbrücke stand der Uferweg auf der Seveler Seite unter Wasser. Einen so hohen Pegel hatte der Rhein zuletzt beim Hochwasser im Juni 2016.  (Daniel Schwendener)

Wenn sich die Wetterfrösche irren, dann ...

Gestern erlebte der Rhein in Liechtenstein den höchsten Pegelstand seit drei Jahren. Mit so starken Niederschlägen hatte Kenny Vogt von der Privaten Wetterstation Balzers nicht gerechnet. Eine Luftmassengrenze habe die Prognosen erschwert, erklärt er.
Wetter. 

An einen Spaziergang entlang des Rheinufers war gestern nicht zu denken, wie Absperrungen markierten.Die braune Strömung transportierte zahlreiche Holzstämme, Gestein und reichlich Schlamm von Landquart bis zum Bodensee. In Vaduz knallte das Material öfters gegen die alte Holzbrücke. An derselben Stelle bemühten sich Rheinholzer darum, das Holz aus dem Wasser zu bergen. Die Naturgefahrenstelle des Schweizer Bundes rief beim Hochwasser eine «erhebliche Gefahr» (Stufe 3) für Liechtenstein aus. Die Warnung bleibt noch bis heute um 18 Uhr gültig. 

Während die Behörden in Graubünden von Dienstagabend auf Mittwochmorgen über 15 Einsätze wegen Starkniederschlägen hatten, blieb die Situation hier im Land – abgesehen von den Bewegungen am Rhein – relativ ruhig. Unglücklich war der starke Niederschlag vor allem für über 500 Schüler aus Liechtenstein, die an der Rheinwiese in Schaan den Olympic Day bestritten. Nach drei Stunden wurde der Anlass gegen 11 Uhr aus Sicherheitsgründen abgebrochen, als der Wind dazukam. Laut Beat Wachter, Geschäftsführer des Liechtenstein Olympic Comittees, werde er an einem neuen Termin nachgeholt. 

Fotostrecke: Hochwasser Rhein
Hochwasser Rhein in Vaduz
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Luftmassengrenze erschwerte Prognose

«Mir tut es für die Kinder sehr leid. Sie haben sich auf den Olympic Day sicher gefreut», entschuldigt sich Kenny Vogt von der Privaten Wetterstation. Mit seiner Fehlprognose gab er sozusagen grünes Licht für die Veranstaltung. Er habe die Niederschläge unterschätzt, gesteht Vogt. Sein Wunsch: «Ich möchte nicht, dass man meine Leistung jetzt an diesem einzelnen Ereignis aufhängt.» In den vergangenen sechs Jahren seit er die Wetterstation betreibt habe der Hobby-Meteorologe überwiegend zuverlässige Prognosen aufgestellt. Eine solche Abweichung habe er bislang noch nicht erlebt. 

Aber welche Umstände haben Vogt zu der Fehlprognose geführt? Eine sogenannte Luftmassengrenze hätte ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht. Diese ist vor einigen Tagen entstanden, weil kalte Luftströme aus dem Westen über Graubünden und der näheren Region auf warme Luftströme aus dem Osten getroffen sind. «Sie werden quasi wie eine Zitrone gepresst. Ihre Niederschläge kommen irgendwann runter und es ist nicht klar, in welchen Mengen sie wo fallen», beschreibt Vogt. Diese kurzfristige Willkür der starken Schauer hätte dazu geführt, dass sich zahlreiche Wettermodelle irrten.

In den sozialen Medien berichtete Kenny Vogt zuerst vom Hinterwasser in Balzers, später von der alten Holzbrücke in Sevelen über das Hochwasser. Während in Sevelen der Uferweg unter Wasser stand, fehlten in Vaduz noch etwa 20 Zentimeter.  Schätzungsweise wurde ein Durchfluss zwischen 2000 und 2300 Kubikmetern pro Sekunde erreicht, was seit dem Hochwasser im Juni 2016 (ca. 2500 Kubikmeter) die grösste Wassermenge darstellt. Im Hinterrhein wurde sogar ein Rekordwert in der 40-jährigen Messung erreicht. 

Prognosen für die nächsten Tage sind zuversichtlich

Wie Vogt ankündigte, erreichte der Rhein im Oberland etwas vor 15 Uhr und im Unterland vor 17 Uhr den höchsten Pegelstand, wonach sich die Sitation beruhigt hat. Seither baut der Rhein das Wasser  ieder ab. Bereits am morgen erklärte Emanuel Banzer, Leiter des Amts für Bevölkerungsschutz auf Anfrage, dass gewisse Abschnitte am Vordergrundweg des Rheins im Verlauf des Nachmittages überflutet werden. Beim Binnenkanal und anderen Gewässern bestanden ihm zufolge keine Gefahr. Auch Kenny Vogt von der Privaten Wetterstation Balzers gibt Entwarnung: «In Liechtenstein ist die Situation nie gefährlich gewesen, da wir über einen exzellenten Hochwasserschutz verfügen.  Unsere Vorfahren haben mit dem Bau des Rheindamms und der Binnenkanäle gute Vorarbeit geleistet.» Zudem sei ein Grossteil der Wassermenge vom Bündner Schnee gekommen. Da der Rhein jetzt schon an seine Grenzen gestossen ist, könne man froh sein, dass es in Liechtenstein nicht auch so stark geregnet hat. 

Trotz der Fehlprognose bleibt Vogt von seinen Fähigkeiten  überzeugt und wagt einen Blick auf die kommenden Tage. Ihm zufolge werden heute viele sonnige Momente bei 25 Grad folgen. Morgen könnten die Temperaturen durch den Föhn sogar auf bis zu 30 Grad ansteigen. Für den LGT Marathon am Samstag stellt er folgende Prognose auf: «Ich rechne mit gutem Wetter. Ab Mittag kann es Regen und Gewitter geben, aber für die Läufer dürfte das durchaus eine willkommene Abkühlung sein.» (gk)

12. Jun 2019 / 22:27
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