• Holocaust Gedenktag in Vaduz
    Beim Holocaust-Gedenktag fanden sich ein: Yael Teitler und Evelyne Bermann, Verein der Liechtensteiner Freunde von Yad Vashem, Hanno Loewy, Hanna Matt, Albert Frick, Katrin Eggenberger, Anika Reichwald, Peter Geiger und die Moderatorin Nuscha Wieczorek.  (Daniel Schwendener)

Wenn die Zeitzeugen verschwinden...

Die Regierung veranstaltete am Donnerstag anlässlich des Holocaust-Gedenktages eine Podiumsdiskussion mit vier Historikern.

Zu Beginn des Holocaust-Gedanktags zeigen die Veranstalter im Kunstmuseum ein Video: Eine amerikanische Fernsehsendung aus dem Jahr 1953, in der die Mauthausen-Überlebende Hanna Kohner auf die Bühne gebeten wurde, um ihr – unvorbereitet – ein Wiedersehen mit Personen, welche sie zuletzt im Konzentrationslager gesehen hatte, zu ermöglichen. Das unverhoffte Zusammentreffen mit ihrer Freundin und Bruder berührte sie und alle Anwesenden. Doch die zeitlich getaktete und die ästhetische Aufbereitung der Fernsehsendung offenbart ein Problem solcher Zeitzeugendokumente, wie der restliche Donnerstagabend offenbarte.

Ausstellung «Ende der Zeitzeugenschaft?»
Der 75. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau am 27. Januar 1945 durch sowjetische Truppen erhielt in den letzten Tagen durch europa- sowie weltweiten Gedenkfeierlichkeiten die mediale Aufmerksamkeit, welche er mindestens verdient. Liechtenstein widmete sich im Rahmen einer eigenen Gedenkfeierlichkeit, die gestern zum 15. Mal stattfand, mit einer Podiumsdiskussion von vier Historikern diesem Ereignis.
«Wir erleben eine Zäsur», stellt Aussenministerin Katrin Eggenberger in ihrer Eröffnungsrede fest. Sie bezieht sich auf das künftige Ableben der letzten Zeitzeugen des Holocausts und stellt die Frage in den Raum, wie mit deren Erbe umgegangen werden soll. «Wir, die all dies nicht selbst erfahren haben, haben eine wichtige Eigenverantwortung für das Nachvollziehen der Geschichte des Holocausts». 

Die Zeitzeugen verschwinden, und für kommende Generationen wird womöglich das Verbrechen der Nationalsozialisten so weit in die Vergangenheit gerückt sein, wie für uns die napoleonischen Kriege. Forschungsliteratur wie Raul Hilbergs Standardwerk «Die Vernichtung der europäischen Juden» oder Romane wie «Weiter leben» von der Auschwitz-Überlebenden Ruth Klüger werden die Zeit überdauern.
Die kritische Quellenforschung der Geschichtswissenschaft sowie der Normalbürger sind jedoch vor dem Herausforderung gestellt, Zeitzeugen-Interviews adäquat zu verwerten. 

Hier kommt die oben erwähnte Fernsehsendung ins Spiel. Sie ist berührend, aber in einem gewissen Sinne gestellt, weil der Moderator die Geschichte der Überlebenden in eigenen Worten erzählt anstatt ihr das Wort zu überlassen, die Sendung auf Emotionalisierung baut und ein bestimmtes Weltbild ausdrücklich vermittelt wird: «Amerika hat euch befreit und bei uns fandet ihr Heimat». Das im Hintergrund des ideologisch-moralischen Kalten Krieges mit der Sowjetunion. Oftmals sind solche Zeitzeugen-Interviews in den Medien von einer bestimmten Intention geleitet und müssen daher vom Betrachter kritisch hinterfragt werden, lautete daher der Tenor des Abends. Dies bedeute, die eigenen Sinne beim Betrachten solcher Berichte und Interviews zu schärfen, wie Annika Reichwald, Kuratorin des Jüdischen Museums in Hohenems, im Laufe der Podiumsdiskussion betont. «Gerade auch, weil wir durch das Ableben der Zeitzeugen nicht mehr die Möglichkeit haben, diese weiterhin zu befragen.» 

Die restlichen Diskussionsteilnehmer Hanno Loewy, Direktor des Jüdischen Museums, und die Historiker Hanna Matt sowie Peter Geiger vertraten grundsätzlich die selbe Meinung. Peter Geiger beispielsweise wies auf die Unterschiede von Zeitzeugeninterviews in den Medien und Geschichtswissenschaften hin. Während die Medien häufig auf Emotionen setzen, seien geschicht­liche Betrachtungen viel objektiver. Die Vertreter des Jüdischen Museums gingen auch auf die Rolle der Holocaust-Überlebenden ein, denn diese hat sich im Laufe der Zeit verändert. Zuerst waren sie Augenzeugen, später Tatzeugen vor Gericht und ab den 80er-Jahren galten sie als Zeit­zeugen. Wie diese Veränderungen vonstatten gingen, werden in der aktuellen Ausstellung «Ende der Zeitzeugenschaft?» im Jüdischen Museum in Hohenems thematisiert. (dab)

30. Jan 2020 / 23:15
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