• Christoph Stöckel in Vaduz
    Christoph Stöckel von der Flüchtlingshilfe Liechtenstein.  (Daniel Schwendener)

Weniger Flüchtlinge - auch in Liechtenstein

Mit einem bunten Multi-Kulti-Anlass begeht Liechtenstein am 19. Juni den diesjährigen Weltflüchtlingstag. Der fröhliche Charakter soll den Blick auf den ernsten Hintergrund aber nicht verstellen. Zuvorderst steht die Sensibilisierung.

Das Erreichen des Spitzenwerts  liegt noch gar nicht so weit zurück. Im März 2018, vor 15 Monaten, betreute die Flüchtlingshilfe Liechtenstein 158 Asylsuchende. Nie seit den Anfängen der Flüchtlingskrise in Europa im Jahr 2015 waren es mehr gewesen. «Seither», berichtet Christoph Stöckel von der Flüchtlingshilfe, «ging die Zahl kontinuierlich zurück.» Aktuell befinden sich noch 64 Personen aus 20 Ländern in der Obhut des Vereins – so wenige wie zuletzt 2014. Dieser Trend sei überall in Europa festzustellen, sagt er. Daran ändern auch die rechts der Mitte angesiedelten Bemühungen nichts, das Themenfeld mit unvermindertem Eifer politisch zu beackern.

Doch was sagen die rückläufigen Zahlen auf dem alten Kontinent letztlich aus? Gibt es tatsächlich weniger Flüchtlinge? Stöckel schüttelt den Kopf. In erster Linie zeige sich darin wohl nur, wie schwierig es mittlerweile geworden sei, nach Europa zu gelangen. Der Blick über den (europäischen) Tellerrand hinaus offenbart konträre Tendenzen. «Global sind die Flüchtlingszahlen in den zurückliegenden Jahren immer weiter gestiegen.» 2017, als das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) letztmals aktuelle Zahlen lieferte, befanden sich weltweit 68,5 Millionen Menschen auf der Flucht. Auf die Karte Europa setzte lediglich ein kleiner Bruchteil davon. «Was wir hier spüren, sind nur die Ausläufer der Flüchtlingsbewegung», sagt Stöckel. Da sei es dann auch nicht verwunderlich, dass das Bewusstsein für die realen Dimensionen der Problematik bisweilen fehle.

Genau hier liegt einer der zentralen Ansatzpunkte des Weltflüchtlingstags, der seit 2001 jeweils am 20. Juni rund um den Globus begangen wird. «Es geht darum, zu sensibilisieren, auf die Not von Flüchtlingen aufmerksam zu machen, Solidarität mit ihnen zu zeigen», so Stöckel, der sich mit seinen Kolleginnen und Kollegen von der Flüchtlingshilfe um die Durchführung des Anlasses in Liechtenstein kümmert. Auch in diesem Jahr.

Mehr Aufmerksamkeit generieren

Die diesjährige Ausgabe kommt im Vergleich zu ihren Vorgängerinnen in einem veränderten Format daher. Weil die Resonanz zuletzt abgenommen habe, versuche man, das Programm attraktiver zu gestalten, erklärt Stöckel. Statt wie bisher am Mittag findet die Veranstaltung neu am Abend (17 bis 23 Uhr) statt und weist verstärkt Charakterzüge eines Festes auf. Das wird allein schon durch die gewählte Lokalität, den Vaduzer Rathausplatz, betont, der dank des «Summerträffs» gegenwärtig ohnehin entspannte Wohlfühlatmosphäre satt vermittelt. Hinzu kommt ein Programm, das neben Ansprachen von Exponenten der Flüchtlingshilfe und Anja Klug (Vertreterin der Schweiz und Liechtensteins im UNHCR) mit kulinarischen Genüssen aus aller Welt, einem Wettbewerb und Musik von Aka Zizi & Cera sowie DJ Heinz aufwartet. Um dem friedlich-fröhlichen Multi-Kulti-Ambiente genügend Raum zur Entfaltung zu lassen, findet der Anlass – auch das eine Änderung gegenüber den Vorjahren – bereits am Vorabend des offiziellen Weltflüchtlingstags statt. Der Umstand, dass dieser auf einen kirchlichen Feiertag statt einen normalen Arbeitstag fällt, dürfte den Besuchern ein längeres Verweilen definitiv leichterfallen lassen.

Der eigenen humanitären Tradition entsprechen

Das Mehr an Unterhaltung soll freilich nicht dazu führen, dass der Grund für das Zusammenkommen in den Hintergrund rückt. «Die Kernaussage», betont Stöckel, «darf nicht überdeckt werden.» Und die ist klipp und klar: Nur weil Liechtenstein klein ist, entbindet das nicht von der Verantwortung, die es gegenüber der Weltgemeinschaft hat. Gerade vor dem Hintergrund des ausgeprägten Wohlstands, dessen es sich erfreuen darf. «Wir können beweisen, wie es um unsere so oft zitierte humanitäre Tradition steht», sagt Stöckel, «und wie wir christliche Nächstenliebe leben.»

In der Vergangenheit hat das Fürstentum diesen Beweis schon oft angetreten. «Im Rahmen unserer Möglichkeiten versuchen wir zu helfen.Liechtenstein bemüht sich  sehr», hält der stellvertretende Geschäftsführer der Flüchtlingshilfe fest und verweist auf die Teilnahme am Resettlement-Programm der UNHCR und am Relocation-Programm der EU, die fairen Asylverfahren und diverse Projekte des Amts für Auswärtige Angelegenheiten, die darauf abzielen, den Menschen direkt in ihren Herkunftsländern Hilfe zukommen zu lassen.

Diese Pfade müssen nun konsequent weiter beschritten werden. Nachlassen ist keine Option. Selbst wenn die Entwicklungen im eigenen Gesichtsfeld ein anderes (Trug-)Bild vermitteln mögen. (bo)

 

Weltflüchtlingstag in Liechtenstein

Datum: Mittwoch, 19. Juni, 17 bis 23 Uhr

Ort: Rathausplatz Vaduz

 

19. Jun 2019 / 11:00
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