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    Fürstin Gina von und zu Liechtenstein liegt mit ihrem erstgeborenen Kind, Erbprinz Hans-Adam II. im Wochenbett. Aufgenommen im Februar 1945.  (Keystone)

Was die Leute beschäftigte, als der Fürst zur Welt kam

Kriegerische Unsicherheiten und die Wende hin zum wirtschaftlichen Aufschwung: Fürst Hans-Adam II. erblickte am 14. Februar 1945, in einem turbulenten Jahr, das Licht der Welt. Auf den Kinoleinwänden flimmerte die musikalische Komödie «Der Weg zum Glück», in den US-Charts wurde über Rum und Coca-Cola gesungen.
Magazin. 

Während Fürstin Gina in Zürich dem Land einen Erbprinzen gebar, kämpften die Alliierten an den Fronten noch gegen die Nationalsozialisten. Einen Tag vorher sind bei ihrem Luftangriff in Dresden rund 25 000 Menschen ums Leben gekommen. Erst durch die bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht am 8. Mai, eine Woche nachdem sich Adolf Hitler das Leben nahm, kehrte in Europa allmählich Frieden ein. Doch die globale Unruhe hielt an: Im August gab US-Präsident Harry S. Truman den Befehl für die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki.   

1945 wurde Alexander Fleming als Entdecker des Penicillins für den Nobelpreis ausgezeichnet. Es ist allerdings auch das Jahr, in dem das Liechtensteinische Rote Kreuz (LRK) auf Initiative von Fürstin Gina gegründet (30. April) und der Bahnverkehr zwischen Buchs und Feldkirch wiederaufgenommen (19. September) wurde. Für Aufsehen sorgte eine Volksabstimmung betreffend eine Erhöhung der Landtagsmandate von 15 auf 21 Abgeordnete. Diese wurde mit 1899 Nein- gegenüber 498 Ja-Stimmen deutlich abgelehnt. Heute ist das Parlament mit 25 Abgeordneten besetzt.      

Mehr Flüchtlinge als Fahrräder im Land
Obwohl Liechtenstein von militärischen Auseinandersetzungen verschont blieb, veränderte der Zweite Weltkrieg das Leben in Liechtenstein. Die Bevölkerung lebte in ständiger Angst, dass plötzlich Soldaten über die gesperrten und zum Teil mit Stacheldrahtzäunen versehenen Grenzen einmarschieren. Zehn Tage nachdem Hans-Adam II. auf die Welt kam, landete ein amerikanischer Pilot mit seinem Jagdflugzeug im Rhein und kam bei einer Schaaner Kiesbank zum Stillstand. Mittels einer Karte wurde ihm gezeigt, dass er sich ausserhalb des Kriegsgebiets befand. «Erst nach einiger Aufklärung zeigte sich der Pilot beruhigt», berichtete damals das «Volksblatt».

Am dritten Mai, wenige Tage vor der NS-Kapitulation, publizierte die Regierung ein Informationsschreiben, wie sich die Bevölkerung bei «kriegerischen Ereignissen» zu verhalten habe. So solle es sich mit dem Vieh, den Siebensachen und Lebensmittel für bis zu drei Tage in den nächstliegenden Wald begeben. Eine weitere Anweisung: «Die Häuser sind offen stehen zu lassen und weisse Tücher am Hause auszuhängen.» Speziell in Mauren und Schaanwald brauchte man laut einem «Vaterland»-Bericht «wirklich Sorge» zu haben, dass ein «schwerer Kampf um Feldkirch» auch über der Grenze für Verluste sorgt. «Durch die Gnade des Allmächtigen sind wir unversehrt aus dem schrecklichsten aller Kriege herausgekommen», meinte der damalige Regierungschef Alexander Frick fünf Monate später im Landtag.  

Nichtsdestotrotz war das Fürstentum vom Krieg betroffen. In der Woche vom 25. April bis 2. Mai 1945 wurden an der Grenzstelle Schaanwald insgesamt 7369 Flüchtlinge registriert – mehr als die 4178 Fahrräder, welche es damals in Liechtenstein gab. Vorwiegend kamen sie aus Frankreich (3424 Personen), Russland (1254 Personen) und Polen (759 Personen). Die Wehrmachts-Armee von Arthur Holmston blieb nach ihrer freiwilligen Entwaffnung in Schellenberg rund zweieinhalb Jahre im Land. «Sie haben uns verstanden, dass wir keine politischen Verbrecher sind – sondern nur arme politische Emigranten und uns deswegen nicht ausgeliefert und dadurch ca. 1000 Mann das Leben gerettet», bedankte sich der russische Generalmajor in einem offenen Brief.

Geburt des Erbprinzen eine der wenigen «Good News»
Zwischen all den Kriegsmeldungen von ausserhalb der Landesgrenzen bot das fürstliche Valentinstagskind einen Grund zur Freude. Der Tag nach seiner Geburt wurde schulfrei erklärt und die Liechtensteinische Landesbank schenkte anlässlich des Ereignisses allen Kinder, die 1945 geboren sind, ein Sparbuch mit einer Einlage von vier Franken. Um die Summe in Relation zu setzen: Ein «Vaterland»-Jahresabonnement kostete damals elf Franken. «Der Jubel der Bevölkerung war begreiflich», heisst es im Rechenschaftsbericht 1945 der Regierung an den Landtag und begründete dies damit, dass zum ersten Mal ein zukünftiges Staatsoberhaupt im eigenen Land aufwächst. 

Die Nachkriegszeit gilt in der einheimischen Geschichtsschreibung als Wendepunkt, an dem sich Liechtenstein vom Agrar- zum Industrie- und Dienstleistungsstaat wandelte. Diese Entwicklung wurde vom einem «ungebrochenen Wirtschaftswachstum» begleitet, schreibt Veronika Marxer im Historischen Lexikon des Fürstentums Liechtenstein. Eine tragende Rolle für die jahrelange Hochkonjunktur ab 1945 nahmen unter anderem Hilti und Presta ein, welche beide 1941 als Zulieferer für die deutsche Rüstungsindustrie gegründet wurden und sich daraufhin durch eine Hinwendung zu anderen Geschäftsfeldern zu internationalen Grossunternehmen entwickelt haben. Es waren die einfachen Dinge, an denen sich die Leute in Liechtenstein nach dem Krieg erheiterten. Im Rechenschaftsbericht der Regierung heisst es: «Ein besonders freudiges Ereignis löste die Aufhebung der Rationierung von Kaffee, Tee und Kakao aus.»

Hans beliebtester Jungenname im Jahr 1945 
Das kulturelle Schaffen wurde von den historischen Ereignissen überschattet, doch stillgestanden ist es nicht. So veröffentlichte der britische Schriftsteller George Orwell die Fabel «Farm der Tiere». Auf den Kinoleinwänden überzeugte die musikalische Komödie  «Der Weg zum Glück», welche 1945 sieben Oscars abräumte, unter anderem für den besten Film. Weitere Werke, die von Experten heute noch im gleichen Atemzug genannt werden, sind «Kinder des Olymp» und «Rom, offene Stadt». Bing Crosby, der in jenem Jahr den Oscar als bester Hauptdarsteller gewann, sang zusammen mit den Andrew Sisters das Lied «Rum & Coca-Cola». In der Woche, als Hans-Adam II. zur Welt kam, war ihre Aufnahme auf dem ersten Platz der Billboard-Charts. Zu diesem Zeitpunkt existieren weder in der Schweiz noch in Deutschland solche Auszeichnungen. Ebenfalls 1945 wurden die Lieder «You’ll never walk alone» und «Let it Snow» veröffentlicht, die von Fans des FC Liverpools respektive Weihnachtsfreunden heute noch gesungen werden. 

Über Crosby lässt sich eine Brücke zu Liechtensteins Geburtstagskind schlagen. Nach dem Weltkrieg bot dieser Papst Pius XII. im Vatikan eine Privatvorführung seines Films «Der Weg zum Glück». Beim Geistlichen handelt es sich um den Taufpaten von Johann Adam Pius, der heute seinen 75. Geburtstag feiert. Bei der Namenswahl sind seine Eltern mit dem Trend der Zeit gegangen. Gemäss einer Stichprobenauswertung der Website «beliebte-vornamen.de» war 1945 sein Rufname Hans der beliebteste Jungenname im deutschsprachigen Raum. (gk)

14. Feb 2020 / 08:43
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