• Via Alpina Startetappe Vaduz
    Manuel Beck, Renate Bachmann, Fredy Gstöhl und Olivier Künzler enthüllten die Startlinie der Schweizer Etappe.  (Daniel Schwendener)

Via Alpina startet in Vaduz

Auf 390 Kilometern führt die Schweizer Etappe der Via Alpina von Vaduz nach Montreux. Am Donnerstag wurde die Startlinie im Städtle enthüllt.

14 Alpenpässe, 19 Etappen, über 24 000 Höhenmeter, sechs Kantone, zwei Länder und eine Länge von 390 Kilometern – das ist der Schweizer  Abschnitt des Fernwanderwegs Via Alpina, der von Liechtenstein über die Zentralschweiz ins Berner Oberland bis nach Wallis führt. Die Ziellinie, die sich in Montreux (Wallis) befindet, wurde vergangenen Monat bereits enthüllt. Gestern folgte die feierliche Eröffnung der Via Alpina in Vaduz, an der ein identischer Stein mit der Aufschrift «Vaduz-Montreux» und dem Logo der Schweizer Via Alpina Etappe der Öffentlichkeit präsentiert wurde. 

Der Fernwanderweg ist sowohl für die Schweiz wie auch für Liechtenstein mehr als nur eine Wanderroute für begeisterte Berggänger. Er stellt vielmehr ein alpines Bindeglied zwischen zwei Staaten dar, die ohnehin schon enge Beziehungen pflegen. So wurde auch der 1. August nicht zufällig als Eröffnungsdatum gewählt. Wie Olivier Künzler, Präsident des Schweizer Vereins in Liechtenstein, sagte, sei der Weg ein Symbol für die Verbundenheit der beiden Staaten. Vaduz als Startpunkt drücke zudem die Wertschätzung der Schweiz gegenüber ihrem Nachbarland aus. Der Tourismus in Liechtenstein könnte von diesem Wanderweg auch wesentlich profitieren, verdeutlicht Renate Bachmann, Bereichsleiterin Tourismus bei Liechtenstein Marketing: «Wir erhoffen uns unter anderem, Liechtenstein verstärkt in den Fokus als Wanderregion rücken zu können. Denn Wandern hat Hochkonjunktur.»  

Den Bekanntheitsgrad erweitern
Viele Wanderer könnten vor dem Start der Via Alpina in Liechtenstein einen etwas längeren Halt mit Übernachtung einlegen und im gleichen Zuge beispielsweise durch das Städtle flanieren oder das Berggebiet Malbun besichtigen. Denn auf einer Fläche von 160 Quadratkilometern erstrecken sich über 400 Kilometer ausgebauter und beschilderter Wander­wege. Liechtenstein hat somit das dichteste Wanderwegnetz Europas. Und so könnten ausländische Gäste durch die Via Alpina erst auf Liechtenstein aufmerksam werden. «Sie könnte Liechtenstein auf der Weltkarte präsenter werden lassen», ist sich auch Manuel Beck, Produktentwickler Berggebiet bei Liechtenstein Marketing, sicher. Beck hatte gestern seinen ersten Arbeitstag – ein gelungener und passender Einstieg, meinte er. 

Liechtenstein Marketing pflegt schon seit gut 20 Jahren engen Kontakt zu Schweiz Tourismus und ist in diesem Rahmen auch an die Region Ostschweiz angeschlossen. Dass der Startpunkt der Via Alpina in Liechtenstein liegt, sei sogar die Idee von Schweiz Touris­mus gewesen. «Nur wollten sie die Startlinie in Gaflei ansiedeln. Wir haben jedoch gefunden, dass diese in Vaduz besser aufgehoben wäre», so Bachmann. Der Vorteil: Sie befindet sich gleich gegenüber des Liechtenstein Centers, wo auch die persönlichen Wanderpässe bezogen werden können. Ausserdem wurden die Mitarbeitenden des Liechtenstein Centers bezüglich des Fernwanderwegs eigens geschult und können so jedem Interessierten oder Wanderer an Ort und Stelle Auskunft erteilen und Wanderkarten mit auf den Weg geben. Zugleich befindet sich im Eingangsbereich des Liechtenstein Centers die erste Stempelstation. Die gesamte Schweizer Via Alpina-Route umfasst über 38 Etappen-, Alpenpass- und Sonderstempel, die an den jeweiligen Orten eingetragen werden können. Jenen in Vaduz ziert das Motiv von Schloss Vaduz. Bei vollständigen Stempelbüchlein wird ein persönliches Wanderzertifikat von Schweiz Tourismus ausgestellt. 

«Ein einziges grosses Abenteuer»
Wie es der Zufall so wollte, kamen kurz nach der offiziellen Eröffnung des Via Alpina-Starts in Vaduz zwei junge Amerikaner daher, die sich nach dem Stempelposten erkundeten. Aus dem Gespräch ergab sich, dass die beiden exakt zu diesem Zeitpunkt die gesamten 390 Kilometer von Montreux herkommend absolviert hatten. Somit sind sie die ersten Wanderer, welche nach der Eröffnung im «Ziel» eintrafen. Gestartet sind Mitchell Cutts und sein Freund Danny Fuhr aus Colorado am 14. Juli. «Es war einfach unglaublich und ganz klar die beste Art, die Schweiz und Liechtenstein zu erkunden», sagte Mitchell Cutts. Danny Fuhr ergänzte, dass es zwar ein langer und harter Weg gewesen, Wandern aber seine grösste Leidenschaft sei. «Momentan habe ich eine ganze Schuhgrösse grösser, da meine Füsse so geschwollen sind», meinte er scherzend. 
Einen Höhepunkt allein konnten die beiden nicht nennen. Der gesamte Weg sei ein einziges grosses und wunderbares Abenteuer gewesen. «Wir hatten unsere Zelte mit im Gepäck und haben meistens auch in ihnen geschlafen. Einmal hat uns ein Bauer einen Schlafplatz im Stall bei den Kühen angeboten – und das obwohl ich zuvor Angst vor den Tieren hatte», sagte Mitchell Cutts. 

Via Alpina Startetappe Vaduz

Die ersten im Ziel: Mitchell Cutts (links) und Danny Fuhr.

Und wie von Liechtenstein Marketing erhofft, verweilen die beiden Amerikaner nun für weitere zwei Tage im Fürstentum, um Land und Leute näher kennenzulernen. «Wir freuen uns schon sehr darauf. Auf der gesamten Etappe war es toll, mit vielen Einheimischen in Kontakt zu treten», sagte Fuhr. 

Einer, der sich ebenfalls vorstellen könnte, die Schweizer Etappe der Via Alpina zu bewältigen ist Fredy Gstöhl, beim Liechtensteiner Alpenverein (LAV) für das Ressort Hütten und Wege zuständig. Gstöhl ist erst vergangenes Jahr die Via Francigena abgelaufen. «Deshalb lege ich vorerst eine Pause ein. Jedoch ist ein Fernwanderweg faszinierend», so das LAV-Mitglied. Man treffe Gleichgesinnte, tausche sich aus und habe mit den gleichen Problemen zu kämpfen, was ebenfalls zusammenschweisse. «Ich kann es nur empfehlen. Zudem ist der Liechtensteiner-Abschnitt des Weges für jeden gut machbar.» (jka)

02. Aug 2019 / 10:26
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