• Sprayer on the field
    In Liechtenstein darf der Unkrautvernichter Glyphosat für die Restverunkrautung verwendet werden.  (i-Stockr)

Unkrautvernichter sorgt für Gesprächsstoff

Das Pflanzenschutzmittel Glyphosat ist umstritten. Zahlreiche Studien belegen, dass das Herbizid krebserregend ist. Auch in Liechtenstein wird es verwendet und wurde bereits im Binnenkanal nachgewiesen. Ein Verbot kann das Land aber nicht aussprechen.
Liechtenstein. 

Die EU-Mitgliedstaaten beraten derzeit über die Wiederzulassung des Unkrautvernichters Glyphosat, sind sich aber bislang uneinig. Bis Mitte Dezember haben sie noch Zeit, dann läuft die Lizenz für das Herbizid aus. Dabei gilt das Pflanzenschutzmittel als äusserst umstritten. Trotz der Tatsache, dass den Einsatz des Herbizids nur gentechnisch veränderte Pflanzen überleben, galt es lange Zeit als unbedenklich. In diesem Jahr gab aber ein Bericht der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC), ein Gremium unter dem Dach der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Grund zur Sorge. Darin wird behauptet, was schon viele Experten lange erklärten: Glyphosat soll krebserregend sein. In den USA fordern unterdessen tausende Kläger Schadenersatz vom Hauptproduzenten Monsato. Denn die Chemikalie habe bei ihnen eine Form von Lymphdrüsenkrebs erzeugt. Auch in Argentinien, wo das Herbizid bereits seit Jahren für den Sojaanbau verwendet wird, werden Vermutungen laut, dass das Pflanzenschutzmittel für den Anstieg der Krebsrate um ein Dreifaches verantwortlich ist.

In Liechtenstein wurde der Binnenkanal an der Messstelle in Ruggell einmalig zwischen April und Oktober 2015 auf Pestizide untersucht. «Dabei wurde auch Glyphosat festgestellt», erklärt Helmut Kindle, Amtsleiter des Amts für Umwelt. Der Grenzwert war bei einer Sammelprobe überschritten. Einen festgelegten Grenzwert für das Pflanzenschutzmittel in Abwassern gibt es hierzulande laut Kindle nicht. «Für Oberflächengewässer beträgt der Grenzwert für Pflanzenschutzmittel generell aber 0,1 Mikrogramm pro Liter», führt er aus. Glyphosat wird in Liechtenstein sowohl in der Landwirtschaft, in Gärtnereien wie auch im Hausgartenbereich eingesetzt. Auch auf den Bahngleisen erfolgt der Einsatz des Pflanzenschutzmittels.

Hierzulande ist die Ackerchemikalie wegen des Zollvertrags mit der Schweiz erlaubt. «Dort wurde Glyphosat aufgrund einer Beurteilung im Jahre 2015 als Pflanzenschutzmittel zugelassen», so Kindle. Für diese Zulassung ist das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) in der Schweiz verantwortlich. «Aufgrund der im Jahre 2015 erfolgten Überprüfung ist Glyphosat in der Schweiz als nicht karzinogen eingestuft», erklärt Kindle.

Auch die Vereinigung bäuerlicher Organisationen in Liechtenstein (VBO) befasse sich mit der Thematik und nehme die öffentliche Diskussion mit Sorge zur Kenntnis, so deren Geschäftsführer Klaus Büchel. «Die negativen Auswirkungen von Glyphosat für die Umwelt sind bekannt», sagt Büchel. Die VBO habe aber keinerlei Möglichkeiten, den Einsatz des Pflanzenschutzmittels zu verbieten oder einzuschränken. Denn wegen der offenen Grenzen und den gemeinsamen Agrarbestimmungen sei Liechtenstein abhängig von den Entscheidungen, die in der Schweiz getroffen werden. «Dennoch wird die Entwicklung in der Schweiz aufmerksam verfolgt. Ein allfälliges Verbot würde dann auch für Liechtenstein gelten», erklärt er.

Weshalb wird von der Anwendung des umstrittenen Pflanzenschutzmittels nicht einfach abgelassen? Diese Frage ist nicht schnell zu beantworten und hat, wie so vieles, finanzielle Gründe.

Fokussiert man sich nur auf den Sektor «Landwirtschaft», stellt man fest, dass es hierzulande zur Bekämpfung der Restverunkrautung verwendet werden darf. Dabei handelt es sich um Unkraut, das sich während des Wachstums der angepflanzten Kultur entwickelt und auch nach dem Ernten vorhanden sein kann. «Eine Bekämpfung von Hand wäre viel zu aufwendig, und das tiefe Wurzelwerk gewisser Pflanzen macht eine maschinelle Bekämpfung sehr schwierig», so Helmut Kindle. Dieser Meinung schliesst sich auch die VBO an. «Die mechanische Unkrautbekämpfung bedeutet im Acker- und Gemüseanbau einen erheblichen Mehraufwand», erklärt Büchel. Oft brauche es ergänzend auch Handarbeit. All dies führe in Summe zu wesentlich höheren Kosten. Gemäss dem Bundesamt für Landwirtschaft, Bern werde durch den Einsatz von Glyphosat indirekt zudem die Bodenfruchtbarkeit gefördert. Denn dadurch werde die physikalische Belastung durch Überfahrten von Traktoren usw. reduziert, somit werde die Bodenstruktur geschont und das Risiko von Bodenverdichtung minimiert. (qus)

Mehr in der Print- und ePaper-Ausgabe des «Liechtensteiner Vaterlands» vom Samstag, 11. November 2017.

11. Nov 2017 / 15:27
Geteilt: x
KOMMENTARE

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

KOMMENTAR HINZUFÜGEN

Überschrift (max. 70 Zeichen)
Meine Meinung (Noch  Zeichen verfügbar)
Lesertrend
Meistgelesen
02. August 2020 / 16:01
02. August 2020 / 16:05
Aktuell
03. August 2020 / 13:39
03. August 2020 / 12:37
03. August 2020 / 12:36
03. August 2020 / 12:28
UMFRAGE DER WOCHE
Lade TED
Ted wird geladen, bitte warten...

Wettbewerb
elefant
Zu gewinnen 3 x 2 Karten für den Film The Elephant Man, Donnerstag, 6. August, 21:30
16.07.2020
Facebook
Top