• Mac Miller
    «Mac Miller» starb 2018 an einer kombinierten Überdosis von Alkohol, Fentanyl, Kokain und weiteren Substanzen.  (Owen Sweeney)

Und es heisst: «Sex, Drugs & ‹Cloud-Rap›»

Die Stilrichtigungen «Trap» und «Cloud-Rap» bilden einen kulturellen Hintergrund des Drogenkonsums von Jugendlichen.

Der 8. Dezember vergangenen Jahres war ein Trauertag für die Rapszene: Der 19-jährige Rapper «Juice Wrld» verstarb aufgrund einer Überdosis von Codein-Hustensaft und des Schmerzmittels Oxycodon. 2017 fand «Lil Peep» durch eine Überdosis derselben und ähnlicher Mittel den Tod, 2018 der Rapper «Mac Miller». Im Jahrestakt sterben Grössen der Rap-Musik, deren Lieder auf der Musikplattform Youtube die 100-Millionen-Marke knack-ten, an Substanzen, die auch in Liechtenstein rege konsumiert werden. «In unserem Kreis ist der Gebrauch von Makatussin, Xanax, Oxycodon, Prometh Codeine und Ritalin gang und gäbe», sagte ein Jugendlicher im vergangenen November gegenüber dem «Vaterland». Es gibt manche Erklärungsansätze des Drogenkonsums und Medikamentenmissbrauchs. Der Psychiater Marc Risch sprach in einem Interview über den Drang heutiger Jugendlicher, sich vor der Welt durch «Sinnesdämpfung» zu schützen. In der «Vaterland»-Ausgabe vom Dienstag betonten Jugendliche hingegen vor allem den Gruppenzwang, den sie und ihre Mitschüler erleben. Jedoch muss das eine das andere nicht ausschliessen. Das offenbart ein gesellschaftlich komplexes Problem. Ein kultureller Hintergrund des Drogenkonsums und ein weiterer Erklärungsansatz bildet, wie in früheren Zeiten, die populäre Musik, welche gegenwärtige gesellschaftliche Tatsachen künstlerisch verarbeitet und somit auch fördern. Die beiden Rap-Stilrichtungen «Cloud-Rap» und «Trap» zeugen davon. 

Rap zwischen Prahlerei und Selbstreflexion 
Es ist ein altes Lied: Jugendliche entwachsen dem Elternhaus, um ihren Platz in der Welt zu finden. Für die Orientierung suchen sie Halt in der Gruppe. Oft, doch nicht ausschliesslich, bildet eine musikgeprägte Subkultur jenes geistige Zuhause, in denen Jugendliche die ihnen mitgegebene, biedere Kultur zu überwinden meinen.

Als textliche Inhalte und Stilmittel von «Trap» und «Cloud-Rap» gelten Drogen- sowie Medikamentenkonsum, bewusste Ignoranz, Übertreibung und gelebter Materialismus. Bezeichnenderweise bedeutet «Trap» in der amerikanischen Mundart «Drogenumschlagplatz». Das Rap-Duo «Eh luagen uf eu» aus Liechtenstein lässt sich in diese musikalische Nischen einordnen: «12 Milliona Makas – und i suf si/ Ka numa richtig reda, wäll i druf bi / Sunnabrella: Rey Ben, Slippers sind vo Gucci/ Luag du witer Seria, mis Läba isch an Movie.» (Anm: d. Red: «Maka» = Makatussin, codeinhaltiger Hustensaft) Daneben wird die Lebenswelt in Liechtenstein angesprochen: Schmuck von Huber, eine Busse der LBA oder der Triesner McDonald’s. Dies widerspiegelt die wahrgenommene Lebenswelt in Liechtenstein und findet dahingehend Anklang. Auch in musikalischer Hinsicht stimmt es: Sie rappen gut. Nicht ohne Grund erzielen die einzelnen Lieder auf ihrer Seite der Musikplattform «Soundcloud», wovon im Übrigen der Begriff «Cloud-Rap» stammt, von zehn- bis über vierzigtausend Aufrufe.

Neben der üblichen Prahlerei schlagen sie auf einem Lied ihrer EP nachdenkliche Töne an: «Medikament heilen di, abr was, wenn i diar säg/ Droga gehnd diar Spass, abr was nehnd si diar wäg?» Ein tiefgründiges Lied pro Album oder EP ist im Rap beinahe obligatorisch, doch unterstreichen diese Textzeilen, dass eine kritische Sicht auf den Konsum durchaus vorhanden ist. Das ist auch in der internationalen Musik der Fall. «Xans don’t make you, Xans gonnna take you, Xans gonna fake you, Xans gonna betray you», sang Rapper «Lil Xan» mit 21 Jahren im Refrain von «Betrayed» und thematisierte damit seinen eigenen Xanax-Entzug. Die 17-jährige Sängerin und Grammy-Gewinnerin Billie Eilish warnt vor den negativen Aspekten des Xanax-Konsums in ihrem Lied «Xanny». Während Erwachsene hierzulande auf das Problem aufmerksam werden und sich Fachleute seit ungefähr zwei Jahren diesem bewusst sind, entstand bereits – neben der Glorifizierung – eine musikalische Selbstreflexion und Diskussion unter Jugendlichen. Es scheint: Auch wenn ein Jugendlicher nicht selbst konsumiert, sind Medikamente und Drogen fester Bestandteil ihrer Lebenswelt.

Ursprünge von «Trap» liegen in den Südstaaten
Was früher das Rauchen eines Joints im Bandstudio oder im Keller der Eltern war, erweiterte sich in den vergangenen Jahren mit dem Konsum verschreibungspflichtiger Medikamente wie Xanax, Hustensaftpräparate für Reizhusten und Party-Drogen wie Ecstasy, Kokain oder Amphetamine. Der Drogenkonsum wandelt sich. Dies ist eine gängige gesellschaftliche Entwicklung: Hippies kifften und konsumierten LSD, das Heroin dominierte die 1980er-Jahre und Ecstasy beziehungsweise MDMA die darauffolgende Technoszene. Das momentane Konsumverhalten Jugendlicher wurzelt in den Südstaaten der USA. Bereits im Jahr 2000 gab es in der Rap-Szene das erste Todesopfer von durch Codein angereicherte Limonade: «DJ Screw», welcher die Trap-Musik massgeblich mitprägte. Auch der texanische Rapper «Pimp C» von der Gruppe «UGK», welche in der Rapszene Kultstatus genoss, verstarb 2007 an einer Überdosis Codein. Im darauffolgenden Jahr wurde das Rap-Trio «Migos» gegründet, welche den «Trap» über die Grenzen der amerikanischen Südstaaten hinaus in den USA, dann weltweit populär machten. Der damalige Südstaaten-Rap zeichnete sich durch langsame und verzerrte Musik aus, welche den Codein-Rausch imitieren sollte. Dies ist im «Trap» mit Variationen grundsätzlich gleichgeblieben. 

Jede Generation hat ihre eigenen musikalischen Vorbilder. Es scheint jedoch, dass die heutigen Vorbilder der Jugendlichen in einer Häufigkeit sterben, wie es zuletzt um das Jahr 1970 der Fall war. Damals unterlagen unter anderem Jim Morrison, Leadsänger der Band «The Doors», Jimi Hendrix und Janis Joplin mit 27 Jahren ihrem exzessiven Lebenswandel. Deswegen werden sie dem «Klub 27» zugeordnet. Zwischenzeitlich wandelte es sich von «Sex, Drugs & Rock`n`Roll» zu «Sex, Drugs & ‹Cloud-Rap›». (dab)

07. Feb 2020 / 20:28
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