• Ferien in Steg
    Margrit und Hansjörg Gulde freuen sich, wenn sich Steger spontan zu ihnen setzen, um einen Schwatz zu halten  (manu)

Traumdestination Steg: Seit über 60 Jahren

Hansjörg und Margrit Gulde verbringen seit über 60 Jahren jeden Sommerurlaub in Steg. Sie haben sich einst sogar dort kennen gelernt.

Gemütlich sitzen Hansjörg und Margrit Gulde vor ihrem Ferienhaus Nr. 16 beim Kleinsteg. Freundlich grüssen sie eine vorbeigehende Familie und geben ihnen Tipps, wo sie grillieren können. Ein angeregtes Gespräch entsteht. Sofort ist spürbar: Die Guldes aus St. Gallen sind gesellige Menschen. Kein Wunder also, dass sie in Steg bei Einheimischen wie auch Feriengästen beliebt sind. Und das schon seit Jahren.

Hansjörg Gulde verbringt seit 1951, also seit 68 Jahren, seine Ferien in der Maiensässsiedlung – und das jedes Jahr. «Seit ich drei Jahre alt bin, komme ich hierher. Ich habe kein Jahr ausgelassen», erzählt er. Zuerst mit seinen Eltern, später mit seiner Frau und den drei Kindern und jetzt kommen bereits die sieben Enkel zu Besuch nach Steg.

Auch Margrit Gulde kennt den Steg seit ihrer Kindheit. Die Familie aus Rorschach verbrachte ebenfalls jährlich den Sommer in der Maiensässsiedlung. Als Margrit und Hansjörg sieben Jahre alt waren, lern-
ten sie sich kennen und verbrachten jeden Sommer zu-sammen im Ferienort. «Für Kinder ist der Steg mit dem Bach, dem Treibholz und dem See einfach traumhaft», sagt Margrit Gulde. Ihre Ferienstatistik in Steg ist nicht ganz so lückenlos wie jene von Hansjörg. Sie absolvierte ein Haushaltsjahr und liess so einen Sommer aus. «Als ich ein Jahr später, da waren wir 17 Jahre alt, auf Hansjörg traf, war alles anders», erzählt sie. Es sei wie beim Schlager von der Klaus Lage Band «Tausendmal berührt, tausendmal is nix passiert- Tausend und eine Nacht und es hat Zoom gemacht.» Seit jenem Sommer sind die beiden ein Paar. «Wie Hänsel und Gretl», lacht Margrit mit einem Augenzwinkern und verdeutlicht: Hänsel von Hansjörg und Gretl von Margrit. «Und das Beste ist: Unsere Zweitnamen sind Maria und Josef», fügt Hansjörg Gulde lachend an. Die beiden sind überzeugt: Es war Schicksal, dass sie in Steg aufeinandergetroffen sind und ihren Seelenverwandten getroffen haben.

Kinder lernten beim Lift in Steg Ski fahren

«Die Ferien hier sind unser Highlight», erzählt das Ehepaar, weshalb sie auch heute noch bis zu dreimal dort eine Auszeit nehmen. An Pfingsten, im Sommer und im Winter ist für sie Steg-Zeit. Sie erinnern sich noch gut, als der Steg noch einen eigenen Skilift hatte. «Unsere Kinder lernten dort Ski fahren. Eigentlich schade, dass es den Lift nicht mehr gibt. Unsere Enkel hätten auch Freude daran.» Diesen Sommer verbringen Hansjörg und Margrit Gulde sechs Wochen in Steg. Früher gingen sie oft wandern, aber heute trifft man die über 70-Jährigen hauptsächlich vor oder in der Hütte an. «Ich bin schon gerne am Bach. Aber eigentlich geniessen wir es hier beim Haus», sagt Margrit Gulde lächelnd. Trotzdem begibt sie sich jeden Tag auf einen Spaziergang und holt ihre umgeleitete Post bei den Postfächern ab.

Bastelstunde und Funken am 1. August

Das Ehepaar reist jeweils mit dem Auto voll Esswaren, Bastelmaterial und dem Lieblingswein aus dem Wallis an. «Man muss es sich auch gut gehen lassen», lacht Hansjörg Gulde. So wird bei schlechtem Wetter viel gebastelt und am Abend ein Glas Wein getrunken – dies natürlich bei jedem Wetter. Margrit Gulde ist ehemalige Handarbeits- und Werklehrerin und versteht ihr Handwerk. Davon zeugen kleine Kunstwerke im und ums Haus. Die 72-Jährige hat auch schon Bastelnachmittage in Steg veranstaltet. «Die waren sehr beliebt und viele Triesenberger kamen zu uns zum Basteln», erzählt sie. Doch nicht nur die Bastelnachmittage haben die Guldes auf die Beine gestellt. Eine Zeit lang bauten sie am 1. August zum Schweizer Nationalfeiertag einen Funken und zusammen mit weiteren Feriengästen aus der Schweiz organisierten sie einen Lampionumzug.

Engen Kontakt zu Ferien-Nachbarn

Die Guldes kennen sich aus in Steg. Sie wissen, wer zu welchem Häuschen gehört und kennen viele Leute. «Auch wenn wir früher noch mehr persönlich gekannt haben», gibt Hansjörg Gulde zu. Wenn möglich bleiben sie ihrem Ferienhaus treu. Im Nr. 16 sind sie seit 2006 untergebracht. Vorher mieteten sie 20 Jahre lang ein Häuschen weiter unten. «Das lag uns sehr am Herzen. Wir hatten es sogar selbst umgebaut», erzählt der 71-Jährige. Als das Haus allerdings verkauft wurde, mussten sie sich ein neues suchen. «Vor allem unsere Kinder waren traurig darüber.» Aber im Nr. 16 mit zwölf Betten haben sie jetzt ein neues Ferien-Zuhause gefunden, in dem sie sich sehr wohl fühlen.

Mit den Nachbarn pflegen die Guldes engen Kontakt. Sie sprechen sich ab, um gleichzeitig die Ferien in Steg zu verbringen. «Ich sage immer: Die Nachbarn direkt neben uns haben uns adoptiert», lächelt Margrit Gulde. Auch die Bewohner nebenan kommen seit Jahren nach Steg. Einer hat sich sogar einbürgern lassen. «Das Schöne hier in Steg ist, dass sich jeder hinsetzt, plaudert und einen Kaffee trinkt. Das haben wir in der Stadt natürlich nicht. Es ist sehr familiär», sagen sie. Auch wenn die beiden «Städter» zugeben müssen, dass sie sich zu Beginn mit der Triesenberger Mentalität anfreunden mussten. «Dass ich damals als Mädchen einem älteren Herrn Du sagen sollte, war eine Überwindung für mich», lacht Margrit Gulde bei dieser Erinnerung. 

Keine Langeweile beim Schicksalsort

Eine Nachbarin winkt und fragt, wie es geht. «Gut, wie immer», antworten die Guldes fröhlich. Margrit und Hansjörg Gulde freuen sich nun auf den Besuch ihrer Kinder und Enkel. Sie geniessen die Zeit mit der Familie, aber auch jene, wo sie alleine sind und Kraft tanken können. «Langweilig wird uns nie. Es ist auch schön, wenn man einfach mal sein kann», sagt der pensionierte Informatiker, der zu Hause in verschiedenen Vereinen aktiv ist. «Die Auszeit in Steg lieben wir», sagen beide. Denn für sie ist er mehr als ein Ferienort – für die Guldes ist der Steg ein Schicksalsort ihrer Liebe. (manu)

23. Jul 2019 / 11:37
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