• Die zenrale Frage am Workshop war, wie könnte sich unsere Berglandschaft weiterentwickeln und was hätte das für Konsequenzen?

Spektrum für Entwicklung des Alpengebietes ausloten

Workshop Vergangenen Samstag luden der Verein Elf und die CIPRA zum Workshop „Wohin mit den Alpen?“ ins Berggasthaus Sücka. Die zenrale Frage dabei: Wie könnte sich unsere Berglandschaft weiterentwickeln und was hätte das für Konsequenzen?
Triesenberg. 

Beim Blick auf die Landeskarte fällt schnell auf, dass ein beträchtlicher Teil Liechtenstein aus Bergen besteht. Im Vergleich zur mittlerweile dicht besiedelten Talfläche mag sie auf den ersten Blick wild und unberührt scheinen – doch auch sie ist heute stark von Infrastruktur durchzogen und Gegenstand unterschiedlicher Interessen zwischen Tourismus, Landwirtschaft, Naherholung und Ökologie.

Eingangs führte Luis Hilti vom Verein Elf vor Augen, wie stark sich Liechtenstein hinter dem Tunnel in den vergangenen gut 100 Jahren gewandelt hat. Lange Zeit blieb es ab Weihnachten den Geistern vorenthalten. Dies änderte sich im Winter 1910: Der damals 18-jährige Schaaner Malerlehrling Friedrich Kaufmann, wagte sich mit seinen Skiern ins unberührte Tal der Geister. Als Basislager für seine winterlichen Erkundungstouren konnte er die Jagdhütte des Fürsten für sich gewinnen. Von dort aus machte er seine Skitouren und frönte seinem Entdeckungsdrang in dem Drittel Liechtenstein, den er gerade ganz für sich allein hatte.

Touristische Erschliessung und Verkehrsanbindung

Dass sich seit Kaufmanns Ausflug ins Malbun von 1910 einiges getan hat, steht ausser Frage. Nachdem 1947 das neue Tunell Gnalp-Steg gebaut worden war, kam 1950 der Skilift in Steg. Die Strasse nach Malbun war dann ab 1959 ganzjährig geräumt und für Postautos offen. Drei Jahre später standen drei Skilifte. Von nun an ging es rasant bergauf und das Tal wandelte sich grundlegend – Heuhüttchen und Ställe wurden umfunktioniert, verkauft oder abgerissen und grösser wiederaufgebaut und das Antlitz der Talsohle damit neu geprägt. Der Tourismus bestimmt es seither zunehmend.

Soweit zur Vorgeschichte. Nun ging es ans Weiterdenken: Im Spannungsfeld zwischen maximaler Erschliessung und Ausschlachtung der Landschaft als touristisch vermarktbare Ressource und ihrer radikalen Rückentwicklung zur ökologisch vielfältigen Naturlandschaft wurden munter Szenarien geschmiedet. Neue Bahnen und Drehrestaurants wurden ohne Rücksicht auf Verluste auf Gräte und Bergkuppen gesetzt. Vielleicht noch eine Luxus-Chalet-Siedlung in einen unberührten Hang? Ein ordentlicher Strand am Steger See, wahlweise mit Luxus-Wellnesshotel? Das Tal wurde umgestaltet und im Stile gnadenlos überinszenierter Alpentourismusorte neu erschlossen.

Kontrastprogramm: Zurück zur Natur

Dann das Gegenszenario: Radikaler Rückbau, Naturparks oder zumindest kein Unterhalt mehr. Was, wenn die teure Infrastruktur wie etwa Alpstrassen oder Tunelle nicht weiter unterhalten würden? Wer käme noch ins Malbun, wenn es keine Anbindung mehr für Autos oder Busse gäbe? Wie würde sich die Alpwirtschaft verändern? Es durfte frei gedacht werden – vom Naturreservat Saminatal-Valüna bis zum Autofreien Alpengebiet kam auch dabei einiges zusammen.

Am Nachmittag stiess der Triesenberger Vorsteher Christoph Beck zur Gruppe. Die Tendenz hin zu mehr Touristischer Infrastruktur sehe er nicht, so Beck. Eher wolle man das, was man habe, optimaler Nutzen. Ein Beispiel dafür wären Seminare, die man im Malbun in der Nebensaison anbieten könne, um die Infrastruktur möglichst 365 Tage im Jahr nutzen zu können.

Viele der am Morgen aus dem hohlen Bauch heraus kreierten Szenarien muteten nach den Gesprächen mit Beck so utopisch nicht mehr an: entsprechende Studien zu autofreien Konzepten und Bahnen ins Malbun habe es durchaus schon gegeben. Und auch Gespräche rund um den Naturpark Rätikon hätten über die Berge hinweg wieder Beziehungen entstehen lassen, die man in Zukunft weiterpflegen möchte. Das wäre auf alle Fälle schonmal ein Gewinn. Das Spektrum der Möglichkeiten bleibt damit breit – man darf gespannt bleiben, wohin die Reise geht. (tb)

18. Aug 2019 / 14:23
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