• Horizont, Schaan
    Petra Bublitz erklärt den Besuchern, wie sie sich selbst Kleidung nähen können.  (Tatjana Schnalzger)

Sich auf Augenhöhe begegnen

Das Begegnungszentrum «Horizont» hat am 7. Januar seine Türen geöffnet. Es ist ein Treffpunkt für Menschen mit Migrationshintergrund.

Nicht nur Asylsuchende oder Flüchtlinge haben es schwierig, sich in einem neuen Land zurechtzufinden. Auch Menschen mit Migrationshintergrund, die teilweise schon Jahre in ihrer neuen Heimat leben, ziehen sich aufgrund von Sprachproblemen oder aus Angst, nicht in die Gesellschaft integriert zu werden, oft zurück. Dem möchte das Begegnungszentrum «Horizont» Abhilfe schaffen. Hier sollen sich diese Menschen, die das Leben aus unterschiedlichen Gründen nach Liechtenstein geführt hat, mindestens einmal wöchentlich völlig unbeschwert begegnen. Sie sollen miteinander kochen und essen. Erfahrungen aus dem Alltag besprechen. Hier sollen sie aber auch alltagstaugliche Beratung, Hilfe zur Selbsthilfe und Kontakte zu Fachstellen oder Ämtern erhalten.

Neues Projekt, das auf Vorgängerprojekt aufbaut
Ganz bei Null beginnen müssen der Verein für Menschenrechte und der Verein Flüchtlingshilfe Liechtenstein bei diesem Projekt nicht. Es ist sozusagen die Fortführung des bereits seit vier Jahren bestehenden Begegnungs- und Gesprächsangebots der privaten «Initiative praktische Hilfe». Nach vier Jahren grossen ehrenamtlichen Einsatzes konnten die Mitglieder den Aufwand alleine aber nicht mehr stemmen – der Verein für Menschenrechte hakte ein. «Dieses tolle Angebot musste es auch weiterhin geben. Und für mich war klar, dass wir es in anderer Form weiterführen und auf neue Beine stellen müssen. Quasi ein neues Projekt, das auf dem alten Projekt aufbaut», so Alicia Längle, Geschäftsführerin des Vereins für Menschenrechte (VMR). Mit dem Verein Flüchtlingshilfe Liechtenstein hat sie einen weiteren Träger gefunden, der Hilfestellung leistet. Und in Monica Bortolotti-Hug hat sie eine engagierte Projektleiterin gefunden, die viel Herzblut in das Projekt investiert. Sie verfügt zudem über ein grosses soziales und kulturelles Netzwerk in Liechtenstein und der Region und unterrichtet als Mitglied des Vereins Solidaritätsgruppe Sevelen für die Integration von Flüchtlingen in die Schweizer Gesellschaft Deutsch.

Der Name ist Programm
Für die Involvierten des Projekts ist es ganz wichtig, dass sich nicht nur Asylsuchende und Flüchtlinge vom Begegnungszentrum angesprochen fühlen, sondern eben alle Menschen mit Migrationshintergrund. «Wir möchten diese Menschen vernetzen, Anknüpfungspunkte schaffen und auch Hilfestellung in diversen Fragen bieten, ohne belehrend zu sein», so Monica Bortolotti-Hug. «Wir begegnen uns hier alle auf Augenhöhe.» Vorrangiges Ziel sei es, Potenzial und Eigeninitiative der Menschen zu fördern. «Oft haben diese Menschen das Gefühl, nichts zu können. Nichts wert zu sein. Im Begegnungszentrum können sie ihre Fähigkeiten neu entdecken. Dem Leben den oft fehlenden Sinn und wieder Perspektive geben. Und ihr Selbstbewusstsein stärken», so Alicia Längle. Dafür stehe auch der Name des Treffpunkts, fügt Monica Bortolotti-Hug hinzu. «Hier wird der Horizont erweitert.»

Noch auf der Suche nach Drittmitteln
«Horizont» wird nun in einer zweijährigen Pilotphase «getestet». Im Verlauf dieser Phase sollen weitere Aktivitäten und spezifische Beratungsangebote identifiziert werden – das Projekt soll wachsen, ausgebaut und an die Bedürfnisse der Besucher des Zentrums angepasst werden. Eine langfristige Vision ist es, ein multikulturelles Café zu errichten, das durch die Besucher des Zentrums selbst betrieben wird.
Für das zweijährige Pilotprojekt ist ein Budget von insgesamt 127 700 Franken vorgesehen, das auf den Erfahrungswerten des Vorgängerprojekts basiert. Für Alicia Längle ist es sehr wichtig, dass «Horizont» von der Zivilgesellschaft getragen wird und es sich nicht um ein staatliches Projekt handelt. «Das erleichtert vielen Menschen den Zugang, Schwellenängste werden abgebaut.» 
Der VMR beteiligt sich mit 30 000 Franken, der Verein für Flüchtlingshilfe mit 10 000 Franken und stellt weitere 10 000 Franken an Spenden zur Verfügung, sofern die Finanzierung aufgrund ungenügender Drittmittel nicht gesichert werden kann. «Für Beiträge werden alle Gemeinden sowie private Stiftungen mit entsprechenden Stiftungszwecken angefragt», so Alicia Längle. Rund 12 000 Franken wurden bereits zugesichert, ca. 60 000 Franken fehlen noch. «Und das ist ein schlankes Budget», fügt Thomas Lendi, Geschäftsführer des Vereins für Flüchtlingshilfe gleich hinzu. «Sehr vieles wird durch ehrenamtliches Engagement abgedeckt.

Angebot im GZ Resch und im «Haus am Gleis»
Lernen. Austauschen. Verstehen. Unterstützen. Probieren. Das alles ist im neuen Begegnungszentrum «Horizont» möglich, das jeden Dienstag geöffnet hat. Von 10 bis 14 Uhr können sich die Besucher im «Haus am Gleis» in der Egerta 3 in Schaan treffen. «Hier ist die Infrastruktur für ein gemeinsames Mittagessen vorhanden. Allerdings ist der Platz beschränkt.» Deshalb treffen sich die Besucher anschliessend von 14 bis 18 Uhr im GZ Resch an der Duxgasse 28 in Schaan. Für Berufstätige wird dann wieder im «Haus am Gleis» ein Abendprogramm angeboten. Das soll für berufstätige, alleinstehende Personen eine Freizeit- und Begegnungsmöglichkeit bieten. In den beiden Räumlichkeiten wird je nach Nachfrage und Bedürfnissen unter anderem Hausaufgabenhilfe angeboten oder die Deutschkenntnisse werden praktisch und alltagstauglich verbessert. Ausserdem finden Sprechstunden für konkrete Anliegen statt oder es werden Informationsveranstaltungen durchgeführt.
So oder so. Die Begegnungen im «Horizont» für und mit den Menschen tun gut, wie ein Besuch vor Ort zeigt. Denn nicht selten wird auch herzhaft darüber gelacht, wenn sich in Gesprächen Wortspielereien mit deutschen Wörtern oder Dialektwörtern ergeben. Das bereichert auch die Verantwortlichen des «Horizont», die sich oft mit ihrer eigenen Sprache auseinandersetzen und feststellen müssen: Deutsche Sprache, schwere Sprache. (dv)

17. Jan 2020 / 17:47
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