• Isa Hammer in Schaanwald
    Lisa Hammer näht die Schutzmasken von Hand. Da sie zu den Risikopatienten gehört, musste das Foto aus Sicherheitsgründen draussen aufgenommen werden.  (Daniel Schwendener)

Schutzmasken made in Liechtenstein

Freiwillige Helferinnen nähen bunte Schutzmasken für die liechtensteinische Bevölkerung. Die Initiative besteht seit einer Woche.

Schutzmasken für Mund und Nase sind ein rares Gut. Privatpersonen bekommen praktisch keine mehr. Aber auch im medizinischen Bereich sind sie knapp. Trotzdem verhängen immer mehr Länder eine Maskenpflicht.

Ab Mittwoch darf die österreichische Bevölkerung nur noch mit Schutzmasken einkaufen gehen. Tschechien hat bereits Mitte März eine generelle Mundschutzpflicht eingeführt, denn Schutzmasken sind eine zusätzliche Massnahme, sich und vor allem andere vor dem Coronavirus zu schützen. Es  gilt jedoch zu betonen, dass nicht jeder, der eine Maske trägt, zu 100 Prozent sicher ist. Abstand halten und Handhygiene sind weiterhin wichtig – Masken können als Puzzleteil der Schutzmassnahmen angesehen werden. Wie in so vielen Bereichen in Zeiten der Corona-Pandemie haben sich in einigen Ländern Initiativen gebildet, um Schutzmasken selbst zu nähen. Auch in Liechtenstein. Das «Vaterland» hat sich mit der Initiantin Isa Hammer aus Schaanwald unterhalten.

Sie haben das Projekt in Liechtenstein gestartet, Schutzmasken selbst zu nähen. Wie kam es dazu? 
Isa Hammer: Ich bin selbst Risikopatientin und war auf der Suche nach Schutzmasken, als ich im Facebook auf einen Beitrag von Barbara Backer stiess. Sie ist Vorsitzende der Organtransplantierten Ostfriesland in Deutschland und versucht mit Helfern, Risikopatienten, Transplantierte und Pflegekräfte mit selbst genähten Masken einzudecken. Daraufhin habe ich mit ihr Kontakt aufgenommen und mir die notwendigen Informationen verschafft, um in Liechtenstein so eine Aktion aufbauen zu können. Das war vor einer Woche.

Sie setzen auf freiwillige Näherinnen. Wie viele haben sich bereits gemeldet?
Die vielen Rückmeldungen haben mich sehr gefreut. Momentan sind in der «Schutzmasken-Brigade», so nenne ich unser WhatsApp-Gruppe, neben mir noch vier weitere Frauen tätig. Drei davon nähen bereits fleissig. Meine Tochter betreut zurzeit das Materialdepot, da ihr noch eine Nähmaschine fehlt. Wir sind aber immer noch auf der Suche nach weiteren Helfern.

Wer kann bei der Aktion  mitmachen?
Jeder – entweder als Näherin, als Betreuer eines Materialdepots oder als Spender von Material. Übrigens benötigt man nicht unbedingt eine Nähmaschine. Die Masken können auch von Hand genäht werden. Ich mache es so.

Wie lange benötigen Sie für eine Maske?
Ich produziere von Hand zwei bis vier Masken pro Tag.

Woraus werden die Masken genäht?
Jede Maske ist ein individuell genähtes Stück. Das richtige Material ist wichtig, wobei das Muster des Stoffs keine Rolle spielt. Die Masken bestehen auf der Rückseite aus einem Mikrofasertuch – im Prinzip Reinigungstücher von Migros, Coop und Co. –, auf der Vorderseite aus 100 Prozent kochechter Baumwolle. An der Seite haben sie entweder ein Gummiband oder Stoffbänder. Die Materialien nehmen wir momentan aus unserem Fundus – deshalb sind die Masken auch sehr bunt. Unsere Helferinnen hatten zu Hause noch Baumwoll- und Mikrofaserstoff und konnten somit gleich loslegen. Bald werden unsere Bestände aber aufgebraucht sein. Dann sind wir auf Materialspenden angewiesen, um weitermachen zu können.

Was ist beim Nähen der Schutzmaske zu beachten? 
Mir ist wichtig, dass sauber gearbeitet wird. Ich empfehle, beim Nähen Maske und Handschuhe zu tragen, um eine möglichst kleine Vorbelastung  durch Keime auf den Schutzmasken zu haben. Ausserdem halten wir uns an die Materialspezifikationen, die der Verein Organtransplantierter Ostfriesland mit einem Notfallmediziner entwickelt hat. 

Für wen sind die Schutzmasken gedacht? 
Die Masken sind für Risikopatienten, Betreuende von Risikopatienten und Menschen aus dem Sektor Soziales, die auch in dieser Krise täglich zu verschiedensten Leuten Kontakt haben.

Worauf muss beim Tragen geachtet werden? 
Die Masken müssen selbst sterilisiert werden. Deshalb muss der Träger als Erstes die Maske bei mindestens 60 Grad waschen und anschliessend heiss bügeln. Ausserdem sind die Masken nur für etwa 60 Minuten im Dauergebrauch geeignet. Danach müssen sie wieder sterilisiert werden. Zu beachten ist auch, dass die Masken nur ein Teil der Schutzmassnahmen sind.

Wie hoch ist bisher die Nachfrage nach den Schutzmasken? 
Bis jetzt gingen zwei Bestellungen raus. Eine junge Frau hat für sich und ihren Mann eine Maske erhalten. Weiters hat uns ein Mann um Masken gebeten, da er zu Hause seine betagte Mutter pflegt und sie schützen möchte. 


Weitere Informationen

Personen, die gerne mithelfen oder spenden möchten, und solche, die Masken benötigen, können sich bei Isa Hammer melden: Telefonisch unter +423 793 93 01 oder per E-Mail an isa.hammer.ih@gmail.com. Aktuell benötigt die Gruppe leihweise eine Nähmaschine. Weiters wird darauf hingewiesen, dass im Internet Masken angeboten werden, die nur aus Baumwolle bestehen. Diese bieten allerdings keinen Schutz und sollten nicht verwendet werden.  

30. Mär 2020 / 20:15
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