• Chilis
    Chilischoten können höllisch scharf sein.  (Marcus Millo)

Schmerzhafte kulinarische Erfahrung

Es gibt zahlreiche Liebhaber des scharfen Essens. Von der schärfsten Chilischote der Welt sollte man aber doch lieber die Finger lassen.

Patrik war vor rund zehn Jahren zu Besuch bei einem Freund in Vaduz. Dieser hatte zum Abendessen eingeladen und seinen Gästen Chili con Carne aufgetischt – sowie diverse Saucen mit verschiedenen, sich steigernden Schärfegraden. Pikante Zutat in der letzten Sauce: die Carolina Reaper. Die schärfste Chilischote der Welt. Mit zwei Teelöffeln langte Patrik mutig zu – was er wenige Sekunden später bitter bereute. «Es war, als würde mir jemand mit dem Flammenwerfer den Mund ausbrennen. Brot essen und Milch trinken half da auch kaum noch was. Erst nach rund einer Stunde wurde es langsam besser und der Puls bewegte sich wieder im normalen Bereich.»

Chilli

Felix Real und der Verlust des Geschmackssinnes
Patrik ist einer von drei Liechtensteinern, der sich auf die Umfrage auf Facebook, wer schon einmal von einer Carolina Reaper gekostet hat, gemeldet hat. Und allen drei Perso-nen ist es gleich ergangen: Sie gingen für kurze Zeit durch die Hölle. «Man kann es nur schwer beschreiben», so Yildirim, der zwar keine frische Chili gegessen hat, die getrocknete Carolina Reaper aber über das Essen gestreut hat. «Sobald du nur einen Bruchteil davon im Mund hast, breitet sich die Schärfe überall aus. Es ist einfach unfassbar scharf. Und du kannst nichts dagegen tun, ausser abzuwarten, bis es aufhört.» Er warnt deshalb: Diese Chili ist absolut nichts für Menschen, die ab und zu einfach gerne scharf essen.

Auch der ehemalige Spitzenkoch Felix Real soll einst von einer sehr scharfen Chilichote, verarbeitet in einer Paste, gekostet haben. Kurz darauf hat er seinen Geschmackssin verloren, wie sein Sohn Martin Real von der Weinlaube in Schellenberg bestätigt. Unklar ist, ob es sich dabei um die berüchtigte Carolina Reaper handelte. Und auch, ob diese scharfe Paste tatsächlich schuld daran war.  «Wir wissen nur, dass die Verkostung der Paste und sein Verlust des Geschmackssinnes zeitgleich waren», erinnert sich Real.

Capsaicin als Reinsubstanz nicht als Zusatz erlaubt
Ob die Carolina Reaper in Liechtenstein erhältlich ist, kann Wolfgang Burtscher, stv. Amtsleiter des Amtes für Lebensmittelkontrolle und Veterinärwesen (ALKVW) nicht sagen, da keine Marktbeobachtungen angestellt werden, um festzustellen, welche Lebensmittel in Liechtenstein angeboten werden und welche nicht. Das Lebensmittelrecht gelte aber grundsätzlich für alle Lebensmittel und somit auch für diese Chilisorte. «Besondere Bestimmungen, die speziell auf diese Chilisorte als Lebensmittel Bezug nehmen, sind im Lebensmittelrecht nicht formuliert. Allerdings ist der Hauptwirkstoff der Chili, das Capsaicin in der Aromenverordnung dahingehend geregelt, dass es als Reinsubstanz keinem Lebensmittel zugegeben werden darf», erklärt Burtscher. Die stark reizende Wirkung dieses Stoffes erkläre auch, weshalb mit dieser Chilisorte bedingt durch den hohen Capsaicin-Gehalt bei der Verarbeitung besondere Vorsicht geboten sei.

Sicher ist: Die schärfste Chili der Welt kann im Internet bestellt werden. Zum Beispiel bei pepperworldhotshop.com – und zwar frisch, getrocknet oder als Sauce. Importbeschränkungen aus lebensmittelrechtlicher Sicht sind dem Amt keine bekannt. «Hier gilt es allerdings darauf hinzuweisen, dass es bezüglich des Imports von pflanzlichen Lebensmitteln aus Drittländern gegebenenfalls phytosanitäre Importvorschriften zu beachten gilt, die in die Verantwortung der Landwirtschaftsbehörden fallen», so Burtscher. Grundsätzlich kann die schärfste Chili der Welt aber auch in Restaurants als Lebensmittel verwendet und angeboten werden. «Ich gehe jedoch nicht davon aus, dass diese Chilisorte in unseren Restaurants verarbeitet wird oder gar in naturbelassenem Zustand zum Konsum angeboten wird», so Burtscher. Und da hat er sicher recht. «Natürlich kochen wir gerne auch scharf, bleiben aber im pikanten Bereich. Man soll das Essen und den Wein schliess-lich auch noch schmecken», sagt beispielsweise Martin Real von der Weinlaube in Schellenberg.

«Als würde Lava im Mund explodieren»
Scharf essen ist grundsätzlich gesund: Denn in Chilischoten sind jede Menge Vitamine, Mineralien und Antioxidantien enthalten. Einige Wissenschaftler sind sogar von einer heilsamen Wirkung der Chili und dessen Capsaicin überzeugt. Capsaicin wird eine antibakterielle und entzündungshemmende Eigenschaft zugesprochen.

Ob dies auch auf die Carolina Reaper zutrifft, muss bezweifelt werden. Nicht umsonst bedeutete der Name übersetzt «Sensenmann aus Carolina» und ist rund 600 mal stärker als Tabasco. Mit 1,5 Mio. Scoville auf der Schärfeskala ist sie die unangefochtene Nummer eins im Guinness-Buch der Rekorde und nicht wenige sind nach dem Verzehr im Krankenhaus gelandet. Im Mund und an empfindlichen Stellen reizt das in der Chili befindliche Capsaicin Rezeptoren. Diese melden dem Gehirn Schmerzen und Verbrennungen. Dem Körper wird suggeriert, er hätte etwas Heisses im Mund. Darauf reagiert er mit den gewöhnlichen Abkühlreflexen wie starkem Schwitzen, Tränen und laufender Nase. Der Körper wehrt sich. Mit Schluckauf und Husten. Und der Puls steigt. «Als würde Lava im Mund explodieren», beschreibt es ein junger Mann im Internet, der eine komplette Carolina Reaper gegessen hat. «Man kann sich genauso gut Pfefferspray in den Mund sprühen. Eine Chilischote aus der Hölle», so sein Fazit, nachdem er wieder sprechen konnte. Sein Ratschlag an alle, die die Schote mal probieren wollen: «Lasst es bleiben!» (dv)

31. Jul 2019 / 21:56
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