• Infoabend Rheindammsanierung, Schaan
    Landtagsabgeordneter Herbert Elkuch nahm eine kritische Perspektive ein.  (Tatjana Schnalzger)

Rheinaufweitung in der Diskussion

Gestern lud der Verein Elf im Gamanderstall zu Vorträgen über die mögliche Zukunft des Rheins ein.

Der Gamanderstall in Schaan war gut besucht. Der öffent­liche Informations- und Diskus­sionsabend zum Projekt Rheindammsanierung und Rheinaufweitung zogen so viele Interessenten an, dass man während des Anlasses den Raum zusätzlich bestuhlen musste. Das überrascht nicht, denn an der Frage, wie die Zukunft des Rheins aussehen soll, scheiden sich die Geister. Befürworter verweisen auf die attraktiven Lebensräume für Mensch und Natur, die eine Rheinaufweitung böte. Gegner warnen in Erinnerung an historische Ereignisse vor Gefahren, welche die Rheinaufweitung mit sich brächten, nach dem Motto: «Das, was gut ist, soll bewahrt werden.» Darüber hinaus machen sie auf den Verlust von Landwirtschaftsboden aufmerksam. Das Thema ist komplex, schneidet Ökologie, Naherholung, fruchtbare Böden, nutzbare Wasserkraft oder Sicherheit. Im Gamanderstall referierten Andi Götz, Werkstatt Faire Zukunft, und der Hydrologie-Student Mathias Seykora über die Vorteile einer Rheinaufweitung. Der Landtagsabgeordnete Herbert Elkuch nahm eine kritische Haltung ein.


Geschichtsschreibung, Pro und Kontra

Den Anlass eröffneten Toni Büchel und Luis Hilti vom Verein Elf. Anhand der histori­schen Karten, die im Gamanderstall aufgehängt waren, boten sie den Zuhörern einen kurzen Abriss über die Geschichte des Rheins und darüber, wie die Einwohner Liechtensteins von Beginn an versuchten, ihn einzudämmen. Zunächst mithilfe von Wehrwällen, die das strömende Wasser auf das andere Rheinufer drängten – zum Leidwesen der Schweizer Nach­barn. Daraufhin wurden vor über 100 Jahren der Rheindamm erbaut. Die Rheinkatastrophe von 1927, die zur Überschwemmung des Unterlands und Schaans führte, bewies, dass dieser nicht hoch und stark genug war. Es dauerte mehrere Jahrzehnte, bis die Schäden behoben waren.


Aufgrund dieser Historie wird die Debatte um die Rheinausführung emotional geführt. Dank des neuen Fachwissens sei aber die Angst um eine vermeintliche Sicherheitsgefährdung bei einer Rheinausweitung unbegründet, sind sich Götz und Seykora sicher. Eher werde die Sicherheit und die Biodiversität gefördert sowie der Grundwasserspiegel angehoben. Es hängen dabei mehrere komplexe Faktoren zusammen, wie ein von Seykora vorgetragenes Beispiel zeigen soll: «Im Flussbett befinden sich Blockrampen, die für die meisten Fische nicht passierbar sind. Darum gibt es bestimmte Fischarten nur bis zu einer gewissen Blockrampe. Bei einer Aufweitung wird folgerichtig der Fluss breiter, woraufhin der Wasserspiegel sinkt und das Geschiebe, das hierher ­geschwemmt wird, liegen bleibt. Natürliche Blockrampen entstehen dadurch. Der Niedrigwasserspiegel wird höher.» Das liesse den Grund­was­ser­spie­gel steigen, weil dieser mit dem Rhein korrespondiert. Gleichzeitig werde aufgrund des erweiterten Flussbetts der Hochwasserspiegel tiefer, so Seykora. Götz unterstreicht, dass oberhalb und unterhalb Liechtensteins Rheinaufweitungen realisiert werden und Liechtenstein mitziehen müs­se, um die Vernetzung der Lebensräume sicherzustellen.


Herbert Elkuch gibt zu bedenken, dass die Rheinaufweitung zu einem Verlust von Landwirtschaftsböden führe: «Man kann nicht den Rappen und das Weggli haben.» Die ­damaligen Flussbauingenieure hätten nicht ohne Grund den Rhein in diesem Ausmass errichtet: «Ein hoher Damm dient der Sicherheit und der Platzersparnis.»


Elkuch widerspricht dem Vorredner. Laut dem Landtagsabgeordneten sind die langfristigen Auswirkungen einer Aufweitung bezüglich Geschiebetransport, Hochwasserspiegel und Grundwasserspiegel nicht bekannt. Des Weiteren habe man genügend Freizeitanlagen, und diese seien auch – mit Verweis auf den Badesee in Gamprin – Gemeindesache.


Am Anschluss der Referats hatten die Zuhörer die Möglichkeit, ihre Meinungen kundzutun. Diese waren der Pro-Seite zuzuschlagen. (dab)

14. Aug 2019 / 14:45
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