• Anders als die herkömmliche physische Identitätskarte (Foto) wird die «eID» nicht im Kartenformat, sondern als Mobilgerät-basierte  Lösung daherkommen. 	Bild: Daniel Schwendener
    Anders als die herkömmliche physische Identitätskarte (Foto) wird die «eID» nicht im Kartenformat, sondern als Mobilgerät-basierte Lösung daherkommen. Bild: Daniel Schwendener

Projekt «eID» ist auf Kurs

Die neue elektronische Identifizierung für Liechtenstein kommt «im ersten Halbjahr 2020».

Die ihn unmittelbar umgeben-de, physisch greifbare Welt ist schon lange nicht mehr die einzige Sphäre, in der sich ein Mensch bewegt. Auch der ­virtuelle Parallelkosmos, der sich online eröffnet, ist zu einem festen Stück Alltag geworden. Einem Ort, an dem ­Menschen, Behörden, Unternehmen, Organisationen miteinander in Verbindung treten und Geschäfte abwickeln. Umso wichtiger ist es, dass der wohlvertraute, instutionalisierte Rahmen geschäftlicher Beziehungen  – zuvorderst die zweifelsfreie Iden­tifikation der involvierten Akteure – auch in dieser neuen Umgebung gewahrt bleibt.

Etwas mehr als ein halbes Jahr ist es her, dass die Regierung vor diesem Hintergrund in einer Presseaussendung über die geplante Einführung eines neuen elektronischen Identitätsnachweises, der sogenannten «eID», informierte. Den Zuschlag für die Beschaffung eines entsprechenden Systems, das bequem über das eigene Mobilgerät angewendet werden können soll, erhielt damals – nach einer europaweit duchgeführten Ausschreibung – die Firma European Trust Services GmbH. Deren Lösung, schrieb die Regierung im Mai, habe sich nicht nur als wirtschaftlich günstigstes Angebot herausgestellt, sondern auch mit weiteren qualitativen und technischen Kriterien gepunktet.

Gesamtkosten liegen bei gut 700 000 Franken

Wie das zuständige Ministerium für Präsidiales und Finanzen nun auf Anfrage erklärt, ist das Umsetzungsprojekt nach wie vor im Gange. Die Arbeiten liefen nach Plan, heisst es. «Wir gehen davon aus, dass wir im ersten Halbjahr 2020 die ‹eID› in Liechtenstein einführen können.» Auch zu den anfallenden Gesamtkosten nimmt das Ministerium Stellung. Sie sollen sich auf rund 700 000 Franken belaufen.

Welche verschiedenen Möglichkeiten sich für die Nutzer durch die «eID» ergeben werden, will die Regierung dagegen noch nicht näher erläutern. «Das werden wir im Rahmen der Lancierung kommunizieren können», ist lediglich zu erfahren. Allerdings machte die Exekutive bereits im Mai ganz grundsätzlich deutlich, dass die neue Lösung, – anders als die gegenwärtig verfügbaren Identifikationssysteme «lilog» und «lisign», die sie ablösen wird – nicht nur im Zuge des Geschäftsverkehrs mit Liechtensteiner Behörden Anwendung finden soll: «Als Voraussetzung für die Bereitstellung künftiger benutzerfreundlicher E-Govern-ment-Anwendungen zeigte sich der Bedarf nach einer modernen, über die Landesverwal-tung hinaus anwendbaren und europaweit konformen Identifikationslösung.» Als Betreiber und Herausgeber derselbigen wird «ausschliesslich das Land Liechtenstein respektive die Landesverwaltung» fungieren, wie das Ministerium für Präsidiales und Finanzen gegenüber dem «Vaterland» betont. «Aufgrund der Effizienz, Ausbreitung und Handhabung haben wir für Liechtenstein diesen Weg gewählt.»

Konträr zum Schweizer Vorgehen

Mit seiner staatlichen Lösung setzt das Fürstentum interessanterweise genau auf jenes Pferd, das der Schweizer Nachbar sich zu satteln scheut. Dort wollen Bundesrat und Parlament die Herausgabe und den Betrieb der elektronischen Identitätskarte privaten Unternehmen überlassen – und sehen sich dafür vehementer Kritik ausgesetzt. Gegen das Ende September verabschiedete E-ID-Gesetz wurde bereits das Referendum ergriffen. «Der Bundesrat und das Parlament wollen einen historischen Systemwechsel: Private Unternehmen sollen in Zukunft den digitalen Schweizer Pass (E-ID) ausstellen und sensible private Daten verwalten. An die Stelle des staatlichen Passbüros treten Grossbanken, Versicherungsgesellschaften und staatsnahe Konzerne», schreiben die Gegner auf ihrer Webseite. Damit das Referndum zustande kommt, müssen sie bis zum 16. Januar des kommenden Jahres 50 000 Unterschriften sammeln. (bo)

12. Dez 2019 / 07:00
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