• Eröffnung Casino Admiral in Ruggell
    Die Spielsucht ist eine Abhängigkeitssucht und kann beispielsweise mit der Drogensucht verglichen werden.  (Daniel Schwendener)

«Mehrangebot führt zu mehr Süchtigen»

Wie viele Spielsüchtige es in Liechtenstein gibt, ist nicht erhoben. Christine Köhlmeier, Leiterin der Beratungsstelle «clean» in Feldkirch, erklärt, dass schätzungsweise 0,5 bis ein Prozent der Bevölkerung betroffen sind. Die Sucht kann fatale Auswirkungen haben.
Vaduz. 

Wenn das Casino zum zweiten Zuhause wird oder Tag und Nacht im Internet gezockt wird, dann ist Vorsicht geboten. Denn bei der Spielsucht sind oft keine körperlichen Veränderungen zu erkennen. Um der Spielsucht vorzubeugen, sind die Liechtensteiner Spielbanken einem Sozialkonzept verpflichtet. Das dient hauptsächlich dazu, gefährdete Besucher frühzeitig darüber zu informieren und sie allenfalls zu sperren. So sprachen die Verantwortlichen der beiden Casinos bis Mitte März dieses Jahres 1100 Spielsperren aus, per Ende Dezember 2018 waren es 940 Personen, ein Jahr zuvor waren es 293. Wie viele Spielsüchtige es in Liechtenstein gibt, kann nicht erhoben werden. Christine Köhlmeier, Leiterin der Beratungsstelle «clean» in Feldkirch, erklärt, dass schätzungsweise 0,5 bis ein Prozent der Bevölkerung unter Glücksspielsucht leidet. Die Beratungsstelle «clean» gehört zur Stiftung Maria Ebene, mit der Liechtenstein einen entsprechenden Leistungsvertrag abgeschlossen hat. Betroffene aus Liechtenstein können sich an die Stelle wenden, die Krankenkasse übernimmt in der Folge die Kosten dafür. Zusätzlich können laut Hugo Risch, Leiter des Amtes für Soziale Dienste (ASD), auch verschiedene ambulante Stellen im Land, welche für eine Beratung bei einer Spielsucht zur Verfügung stehen, kontaktiert werden. Sei dies der Hausarzt, die psychiatrischen Fachärzte, die Psychotherapeuten oder aber auch der Psychiatrisch-Psychologische Dienst des ASD.

Angehörige sollen kein Geld mehr leihen
Klar ist laut Köhlmeier, dass es durch steigendes Spielangebot, mehr Spielsüchtige geben wird.  Das steigende Spielangebot bezieht sich auch auf Online-Geldspiele. Sie bedaure zudem, dass staatlicherseits oder auch international keine Bestrebungen erkennbar sind, dem Mehrangebot ein Ende zu setzen.
Die Spielsucht ist eine Abhängigkeitssucht. Die Wissenschaft zieht für die Bestimmung der Sucht dieselben Kriterien heran, wie bei einer Abhängigkeit von psychoaktiven Substanzen, sprich Drogen. Nach aussen ist die Glücksspielsucht aber oft nicht erkennbar. Der Spielsüchtige hat keine sichtbaren Narben, sondern leidet unter einem hohen Schuldenberg – er ist psychisch zudem vollkommen abhängig vom Spielen. «Die Sucht beherrscht die Lebensführung der Betroffenen», erklärt Monique Portner-Helfer, Mediensprecherin Sucht Schweiz. Vermuten Angehörige aufgrund der Kriterien, dass jemand Geldspielprobleme hat, sollten sie nicht wegschauen. «Denn viele Betroffene suchen keine Hilfe auf, weil sie sich schämen, oder ihre Probleme verleugnen», führt Portner-Helfer aus. Wichtig sei, dass die Angehörigen das Problem ansprechen und den Süchtigen kein Geld mehr leihen. Um möglicherweise besser mit der Situation klarzukommen, empfehlen beide Beratungsstellen, unterstützende Gespräche in Anspruch zu nehmen. Die Süchtigen selbst können sich selbst sperren lassen und Unterstützungsmöglichkeiten in Anspruch nehmen. «Es gibt auch Beratungsmöglichkeiten und Selbsthilfeforen im Internet», erklärt sie. Ist jedoch eine stationäre Therapie angezeigt, empfiehlt sie Suchtanfälligkeit. 

Problematische Spieler generieren hohe Einnahmen
Portner-Helfer sieht eine Lösung neben der Spielerpersönlichkeit wie den Sozialkonzepten auch in einem landesweit gültigen personalisierten Spielerkader oder dem Verbot von Bankautomaten in der Nähe oder im Eingangsbereich der Casinos. Auch eine Kooperation von grenznahen Spielbanken im Rahmen von Spielsperren wäre wünschenswert. 
Auf die Frage, ob problematische Spieler die Haupteinnahmequelle der Casinos sind, erklärt sie, dass ausländische Studien zeigen würden, dass diese kleine Personengruppe – einen beachtlichen Teil der Einnahmen aus den Geldspielen generiert. «Laut Schätzungen erzeugen in Frankreich die knapp 5 Prozent problematisch Spielenden 40 Prozent der Glücksspieleinnahmen.» (qus)

Häufige Kriterien für Glücksspielsucht 

1. Starke Eingenommenheit vom Glücksspiel (zum Beispiel wenn die Betroffenen oft und lang darüber nachdenken, wie sie das Geld für das nächste Spiel beschaffen sollen)
2. Steigerung der Einsätze, um die gewünschte Erregung zu erreichen
3. Wiederholte erfolglose Versuche, das Spiel zu kontrollieren, einzuschränken oder aufzugeben
4. Unruhe und Gereiztheit beim Versuch, das Spielen einzuschränken oder aufzugeben
5. Spielen, um Problemen oder negativen Stimmungen zu entkommen
6. Wiederaufnahme des Glücksspiels nach Geldverlusten
7. Lügen gegenüber Dritten, um das Ausmass der Spielproblematik zu vertuschen
8. Illegale Handlungen zur Finanzierung des Spielens
9. Gefährdung oder Verlust wichtiger Beziehungen, von Arbeitsplatz und Zukunftschancen
10. Hoffnung auf Bereitstellung von Geld durch Dritte

18. Mai 2019 / 07:00
Geteilt: x
3 KOMMENTARE
So ein Blödsinn
Mit allen Mitteln versuchen zu verhindern. Einfach nur peinlich. Wir sind doch ein liberaler Wirtschaftsstandort. Der Markt regelt das und braucht keinerlei Eingriffe.
lädt ... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet 18.05.2019 Antworten Melden
«Mehrangebot führt zu mehr Süchtigen»
Gilt das für alle Bereiche der Wirtschaft (Beizen, V Versicherungen Ärzte, Spitaeler etc.9
lädt ... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet 18.05.2019 Antworten Melden
«Mehrangebot führt zu mehr Süchtigen»
Gilt das für alle Bereiche der Wirtschaft (Beizen, V Versicherungen Ärzte, Spitzer etc.9
lädt ... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet 18.05.2019 Antworten Melden

KOMMENTAR HINZUFÜGEN

Überschrift (max. 70 Zeichen)
Meine Meinung (Noch  Zeichen verfügbar)
UMFRAGE DER WOCHE
Lade TED
Ted wird geladen, bitte warten...

Wettbewerb
Andreas Bourani
Zu gewinnen 7 Gutscheine für alle Bars im Nightlife-Special dieser Ausgabe
06.06.2019
Facebook
Top