• Mario Gnägi in Vaduz
    Mario Gnägi blickt auf seine zehnjährige Tätigkeit beim hpz zurück.  (Daniel Schwendener)

Mario Gnägi zieht hpz-Bilanz

Der ehemalige hpz-Direktor Mario Gnägi ist seit einem halben Jahr Klinik-Direktor des Reha-Zentrums in Valens. Im Gespräch blickt er auf seine zehnjährige Tätigkeit beim hpz zurück und ist stolz, das eine oder andere tatsächlich bewirkt zu haben

Herr Gnägi, in diesem Jahr stand für Sie eine grosse Veränderung an: Mitte Jahr haben Sie vom hpz-Direktor zum Klinikdirektor ins ­Reha-Zentrum nach Valens gewechselt. Was für ein Fazit ziehen Sie?

Mario Gnägi: Da muss ich jetzt das viel strapazierte lachende und weinende Auge zitieren. Der Abschied vom hpz ist mir sehr schwer gefallen. Mittlerweile bin ich aber bei meiner neuen Aufgabe in Valens angekommen. Ich fühle mich in der Klinik sehr wohl. Deshalb mein Fazit: Nach knapp zehn Jahren hpz war es für mich persönlich der richtige Schritt.

Warum sind Sie denn diesen Schritt gegangen, beziehungsweise was war ausschlaggebend, dem hpz Adieu zu sagen?

Um eines vorwegzunehmen: Im hpz als Direktor tätig zu sein, war mehr als ein Job, es war eine Herzensangelegenheit. Sei es zu den Mitarbeitern, zu den betreuten Mitarbeitern oder zu den Schülern, ich hatte zu allen ein sehr ­gutes Vertrauensverhältnis. Dennoch kam das Bedürfnis auf, nochmals einen neuen Schritt zu wagen im Sinne meiner persönlichen Weiterentwicklung. Und als mit Valens diese Chance kam, ergriff ich sie.

Was war die grösste Veränderung?

Freundlichkeit, Herzlichkeit und Professionalität – dies sind drei herausragende Eigenschaften vom hpz. Darum geht es auch in der Klinik Valens. Wir versuchen, nicht nur als Fachleute zu wissen, was für den Patienten gut ist, sondern auch als Menschen. Die grosse Veränderung und damit auch eine riesige Herausforderung für mich ist die Auseinandersetzung mit dem Gesundheitssystem. Dies ist ein sehr komplexes Thema und von vielen Faktoren abhängig. Ein zentrales Thema ist die Finanzierung. Das Zusammenspiel der verschiedenen Krankenkassen zwischen Bund und Kantonen zu verstehen, ist eine grosse Aufgabe. Was meine tägliche Arbeit anbelangt, bin ich als Standortleiter Valens und Mitglied der Geschäftsleitung der Klinikgruppe Kliniken Valens in ein grösseres Gefüge eingebunden, als ich es beim hpz war. Die Entscheidungswege funktionieren ganz anders, entsprechend auch die Kommunikation.

Sie konnten sich aber in den vergangenen Monaten einen Überblick verschaffen.

Jein. Was die interne Führung und die Organisation anbelangt, schon. Es gilt aber auch, das ganze System zu verstehen, beispielsweise über die Tarifverhandlungen mit den Kostenträgern Bescheid zu wissen. Und da muss ich noch viel lernen.

Drehen wir ein bisschen am Zeitrad, und zwar auf das Jahr 2008, als Sie beim hpz als Direktor angefangen haben. Was war die erste grössere Aufgabe, die es damals zu bewältigen galt?

Im Herbst 2008 war die Finanzkrise. Entsprechend war die finanzielle Sicherung ein grosses Thema für das hpz. Und ich hatte die Aufgabe, die Finanzierung der vier Bereiche des hpz auf sichere Beine zu stellen.

Dann kann man von einem «Kaltstart» sprechen?

Nein, eher von einem sehr guten Start. Mit dem Schulamt beispielsweise hatte ich einen Partner, der auch inhaltlich sehr viel Wissen hat, was es möglich machte, die Diskussionen und die Verhandlungen auf einem sehr guten Niveau zu führen. In einem zweijährigen Prozess haben wir es geschafft, die Strukturen wesentlich zu verändern und anzupassen und dies in den Leistungsvereinbarungen wiederfinden zu lassen. Dies war ein mustergültiger Prozess.

Was glauben Sie, dürfen Sie sich auf die Fahne schreiben aus Ihrer hpz-Zeit?

Einst haben die vier Bereiche Schule, Therapie, Werkstatt und Wohnen recht unabhängig voneinander gewirkt. Mein grosses Bestreben war es, aus diesen vier Bereichen eine Einheit zu formen. Und ich darf sagen: Ja, das ist mir gelungen. Einerseits in der Kommunikation gegen aussen, andererseits auch im Selbstverständnis von den Mitarbeitern, die heute von sich sagen: «Ich bin hpz-Mitarbeiter.»

Wie hat sich denn das hpz in den vergangenen Jahren entwickelt?

Rein rechtlich ist das Heilpädagogische Zentrum vom Verein zur Stiftung geworden. Zum anderen ist es aber auch von einer familiären Institution zu einem modernen Dienstleistungsbetrieb geworden. Dieser Weg war nicht für alle einfach, aber notwendig, um auch für die Herausforderungen der Zukunft gut gerüstet zu sein.  Die Anforderungen an die Betreuung, Beschulung und Begleitung von Menschen mit einer Behinderung sind andere, sind stark gestiegen und werden sich in Zukunft weiter verändern. Aus diesem Grund muss sich auch die Organisation stetig weiterentwickeln.

Es gibt aber bestimmt nicht nur Erfreuliches, oder?

Das stimmt, leider. Vor acht Jahren hat das hpz mit grossem Engagement innnerhalb von kürzester Zeit eine Kinder- und Jugendwohngruppe auf die Beine gestellt. Das Bedürfnis war vorhanden und die Plätze waren all die Jahre voll ausgelastet, ausser im vergangenen Jahr. Die Konsequenz: Wir mussten die Wohngruppe für Kinder und Jugend­liche schliessen. Es fehlte das Geld. Diese Schliessung ist ganz klar ein Wermutstropfen, denn ich bin überzeugt, dass dieses ­Angebot im Land längerfristig fehlen wird.

Was wird denn das hpz künftig beschäftigen?

Wichtig wird auch in Zukunft nach wie vor sein, nicht nur das Finanzielle in den Fokus zu stellen, sondern auch dem Inhalt, sprich den Bedürfnissen der Menschen, die nötige Wichtigkeit zu geben.

Kein einfaches Thema, wenn es um Kosten geht ...

Das ist so und es wird auch viel Überzeugungsarbeit und Energie brauchen. Aber es muss gelingen und letztendlich muss der Mensch im Fokus sein, nicht das Geld. Ich wünsche in diesem Sinne dem ganzen hpz Team von Herzen für die Zukunft gutes Gelingen.

Im Januar tritt Christian Hausmann Ihre Nachfolge an. Welchen Rat geben Sie ihm mit auf den Weg?

Ihm einen Rat zu geben, masse ich mir nicht an. Aber ich wünsche ihm, dass ihm das hpz so sehr ans Herz wächst, wie es mir ist, und dass seine neue Aufgabe zur Herzensangelegenheit wird. Ich wünsche ihm ausserdem, dass es ihm gelingt, so viel Freude und Vertrauen zu haben, wie ich das hatte.

Und was wird Ihre grosse ­Herausforderung im nächsten Jahr sein?

Ich bin sehr gut gestartet und konnte bislang den Schwung, der eine neue Aufgabe mit sich bringt, mitnehmen. Es wird nun darum gehen, mich auch im Alltag zu ­beweisen und meine Rolle auch langfristig zu finden. Aber ich bin optimistisch: Die Vorzeichen, dass mir dies gelingt, könnten nicht besser sein.

Das Interview führte Bettina Stahl-Frick

30. Dez 2018 / 06:00
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