• Im Rahmen des Monitorings zur Überwachung von Schaderregern ist an drei Fallenstandorten im Rheintal dieses Jahr erstmals der Maiswurzelbohrer aufgefunden worden.  (zvg)

Mais wird zur verbotenen Pflanze

Der Nachweis des Maiswurzelbohrers im St. Galler Rheintal hat auch für Liechtensteins Landwirte Folgen.
Vaduz. 

Im Rahmen des Monitorings zur Überwachung von Schaderregern ist im St. Galler Rheintal an drei Fallenstandorten der Maiswurzelbohrer festgestellt worden, wie die Staatskanzlei St. Gallen gestern informierte. Dem ursprünglich aus Nordamerika stammenden Schädling wird gemeinhin ein grosses Schadenpotenzial attestiert. Die Käfer legen im Herbst ihre Eier in bestehende oder bereits abgeerntete Maisfelder ab, wo die Larven im nächsten Frühjahr oder Frühsommer die Wurzeln der Maispflanzen fressen.

Womit auch die Achillesferse des Maiswurzelbohrers benannt wäre, denn etwas anderes als ebendiese Wurzel frisst der wählerische Zeitgenosse nicht. Das macht die Bekämpfung simpel: Wird dort, wo der Schädling auftaucht, im Jahr darauf nicht erneut Mais angepflanzt, blickt die Larve dem sicheren Tod entgegen. Entsprechend hat das Landwirtschaftsamt des Kantons St. Gallen eine Allgemeinverfügung erlassen, wie sie die Richtlinie des Bundesamts für Landwirtschaft (BLW) für einen solchen Fall vorsieht: Auf sämtlichen Feldern, auf denen 2019 Mais angebaut wurde und die sich in einem Radius von zehn Kilometern um den jeweiligen Fallenstandort befinden, muss zwingend eine Fruchtfolge eingehalten werden. Sprich: 2020 ist Mais dort tabu. Davon betroffen sind unter anderem auch die ganzen Gemeindegebiete von Sevelen, Wartau, Buchs, Grabs, Gams und Sennwald – Gegenden also, die in unmittelbarer Nähe zu Liechtenstein liegen.

Fast das gesamte Liechtensteiner Ackerbaugebiet betroffen

Die Folgen für das Fürstentum, wo kein eigenes Monitoring betrieben wird, liegen damit fast auf der Hand. Was über dem Rhein an Massnahmen fällig wird, wird auch hierzulande umgesetzt, wie Daniel Kranz vom Amt für Umwelt bestätigt: «Fast das gesamte Ackerbaugebiet Liechtensteins befindet sich innerhalb der 10-Kilometer-Radien der besagten Fallenstandorte.» Somit dürfe 2020 nur auf jenen Parzellen Mais angebaut werden, wo 2019 keiner gestanden habe. «Eine Ver­fügung dazu befindet sich derzeit in Ausarbeitung.» Rechtlich wäre ein abweichendes Vorgehen auch gar nicht möglich. Denn die bereits erwähnte, massgebende BLW-Richtlinie stützt sich auf die Schweizer Pflanzenverordnung. Und diese ist «über den Zollvertrag in Liechtenstein direkt anwendbar», so der Amtsmitarbeiter. Da spielt es auch keine Rolle, dass bei der Kontrolle von Liechtensteiner Maisfeldern mit um­gefallenen Maispflanzen keine für den Maiswurzelbohrer typischen Schadsymptome festgestellt wurden.

Der Handlungsspielraum wird merklich kleiner

Für die hiesigen Landwirte bedeuten die neuen Regelungen «eine zusätz­liche Einschränkung zu den bereits ­bestehenden Fruchtfolgeregeln», wie Kranz sagt. Schon heute darf ein Betrieb auf maximal 40 Prozent – im Fall von Streifenfrässaat maximal 50 Prozent – seiner Ackerfläche Mais anbauen. 2020 wird der Handlungsspielraum nochmals enger abgesteckt sein. Gleiches gilt für Betriebe mit einer Ackerfläche von weniger als drei ­Hektaren, die laut Kranz bislang keinerlei Vorgaben bezüglich einer Fruchtfolge zu beachten hatten.

Ein Einbruch beim Anbau ist nicht zu erwarten

Wie viel weniger Mais 2020 unter den veränderten Voraussetzungen in Liechtenstein angebaut werden wird, vermag der Amtsmitarbeiter nicht zu sagen. Eine Schätzung wäre in seinen Augen «unseriös», da die Auswirkungen auf den gesamthaft in Liechtenstein produzierten Mais auch abhängig von der betriebswirtschaftlichen Prioritätensetzung der Einzelbetriebe seien. Von einem Einbruch des Maisanbaus geht Kranz allerdings nicht aus. Möglich ist hingegen ein leichter Anstieg «des Anteils an Ansaatwiesen in der Fruchtfolge», wie er sagt. Dies vor dem Hintergrund, dass es sich beim in Liechtenstein angebauten Mais um Silomais handelt, der als Viehfutter genutzt wird. Ein Umschwenken auf Alternativkulturen könnte deshalb für einige Landwirte eine Option sein. (bo)

17. Sep 2019 / 22:31
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1 KOMMENTAR
Falsche Schlagzeile
Mais wird NICHT zur verbotenen Pflanze. Mais darf auch im 2020 angebaut werden, einfach nicht auf Parzellen, auf denen bereits im 2019 Mais angebaut wurde.
lädt ... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet 18.09.2019 Antworten Melden

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