• Rehkitzrettung im Eschner Riet 07
    Rehkitzrettung im Eschner Riet. Jäger Philipp Schafhauser verteilt mit seinen Helfern Papier mit Duftstoff, das die Rehe aus den Wiesen vertreibt, die tags darauf gemäht werden.  (Rudi Schachenhofer)

Mähtod: Viele Rehkitze konnten gerettet werden

Mit verschiedenen Massnahmen setzen sich die Liechtensteiner Jäger seit Jahren für die Rettung der Tiere ein und verbessern ihre Strategie laufend.
Fotostrecke: Rehkitzrettung im Eschner Riet
Rehkitzrettung im Eschner Riet
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Rehkitzrettung im Eschner Riet

Immer wieder fallen Rehkitze Mähmaschinen zum Opfer. Denn die Rehgeiss legt ihr Junges im hohen Gras ab, ist selbst stundenlang unterwegs und geht nur zum Säugen zu ihrem Jungen. Die Kitze sind im hohen Gras perfekt getarnt. Die ersten paar Wochen haben sie keinen Geruch und können so auch nicht von Raubtieren gerochen werden. Doch vor der Mähmaschine sind sie nicht gefeit. Im Gegenteil: Droht Gefahr, ducken sich die Kitze und der Landwirt hat keine Chance, sie zu sehen. Oft sind die Tiere nicht sofort tot und leiden Qualen.

Um das zu verhindern, leisten die Jäger seit Jahren Fronarbeit und verblenden die potenziellen Setzwiesen. So nennt sich die vorübergehende Vertreibung der Rehgeiss mit ihren Kitzen aus den Wiesen. Dabei setzen die Jäger auf verschiedene Massnahmen. Stinkspray, Parfüm und elektronische Rehkitzretter kommen zum Einsatz. Letztere verwenden die Jäger seit dem vergangenen Jahr. Zuvor haben sie auch mit Ballons oder Absperrband gearbeitet. Durch diese Massnahmen fühlt sich die Geiss gestört, geht mit ihrem Kitz auf eine andere Wiese und der Bauer kann gefahrlos mähen. 

Auf Zusammenarbeit mit Landwirten angewiesen

Seit dem 11. Mai dieses Jahres sind die Jäger im Jagdrevier Eschner Riet fast täglich als Rehkitzretter unterwegs. Die Landwirte werden angehalten, die Jäger einen Tag vor dem Mähen zu informieren, damit Muttertier und Kitz eine Nacht Zeit haben, die gefährliche Wiese zu verlassen. Das hat nicht immer so gut funktioniert, obwohl der Landwirt laut Gesetz dafür verantwortlich wäre, unnötiges Tierleid zu vermeiden.

Doch seit dem vergangenen Jahr ruft die Vereinigung Bäuerlicher Organisationen (VBO) die Landwirte dazu auf, die Jäger zu informieren. «Jetzt funktioniert die Zusammenarbeit, zumindest hier in Eschen, sehr gut», sagt Jäger Philipp Schafhauser, der im Eschner Revier bei der Kitzrettung mithilft. Vergangenes Jahr kam ein Fall an die Öffentlichkeit, bei welchem in Schellenberg ein Landwirt das Mähen einer Setzwiese nicht gemeldet hatte und ein Rehkitz unter den Mäher kam. Es kam zur Anzeige, was vielleicht auch zur Sensibilisierung beigetragen hat.

Gute Erfahrungen mit elektronischen Geräten

Um so viele Rehkitze wie möglich zu retten, probieren die Jäger immer wieder neue Massnahmen aus und verbessern ihre Strategie. Mit den elektronischen Rehkitzrettern konnten sie bisher sehr gute Erfahrungen machen, wie Philipp Schafhauser sagt. Die Kombination variabler akustischer und optischer Signale hält Wildtiere von den für sie gefährlichen Flächen fern. Auch Junghasen und Bodenbrüter werden dadurch gestört und können rechtzeitig die Flucht ergreifen. In dieser Saison fielen bisher zwei Kitze der Mähmaschine zum Opfer. «Das sind nicht viele. Leider ist es unmöglich, alle Tiere zu retten.» Es gab auch schon Jahre, in denen mehr als zehn Tiere sterben mussten. Die Zahlen schwanken jährlich sehr stark.

«Aber wir können zumindest sagen, dass die Geräte funktionieren. Wir müssen jedoch noch weitere Erfahrungen sammeln, wie sie am besten eingesetzt werden», sagt der Jäger. So wurde beispielsweise festgestellt, dass der Wind einen erheblichen Einfluss auf die Reichweite der Signale hat. Die elektronischen Rehkitzretter sind aber nicht nur wirksam, sondern erleichtern die Arbeit der Jäger erheblich. Wo früher 30 Stangen mit Fahnen oder Ballons in einer Wiese aufgestellt werden mussten, benötigt es bei optimalen Bedingungen stattdessen nur noch eines der neuen Geräte.

54 elektronische Rehkitzretter sind in Liechtenstein im Einsatz. Ein Gerät kostet zwischen 110 und 125 Franken. Die ersten zehn Geräte wurden vom Tierschutzverein Liechtenstein mit 100 Franken pro Gerät unterstützt. Als Dank dafür konnte sich am vergangenen Samstag die Kinder- und Jugendtierschutzgruppe im Eschner Riet ein Bild von der Rehkitzrettung machen. Sie konnten beim Verblenden auf den Ökofeldern, welche erst ab dem 15. Juni gemäht werden dürfen und deshalb bei Rehgeissen sehr beliebt sind, mithelfen. «Dabei konnten die Kinder Liegeflächen von Rehkitzen und eine fliehende Rehgeiss beobachten», schreibt Sonja Öhri vom Tierschutzverein.

Drohnen bei Notfällen sinnvoll

Zusammen mit den Kindern suchten die Jäger eine Setzwiese nach einem Kitz ab, damit die jungen Tierschützer ein Bild davon bekommen konnten, wie klein so ein Kitz überhaupt ist. «Wir hatten allerdings kein Glück», sagt Philipp Schafhauser. Das Absuchen der Wiese war eine Ausnahme. Normalerweise wird das  nur im Notfall gemacht, das heisst, wenn keine Zeit mehr zum Verblenden bleibt. Denn die Tiere sollen so wenig Stress wie möglich ausgesetzt sein.

Aus diesem Grund sehen die Jäger in der Regel auch vom Einsatz von Drohnen mit Infrarotkamera ab, auch wenn diese mittlerweile oft für die Rehkitzrettung zum Einsatz kommt. «Für Kitz und Mutter bedeutet es Stress, wenn die Jungtiere vom Mensch aus der Wiese getragen werden», sagt Schafhauser. Bei Notfällen mache eine Drohne aber absolut Sinn, weil sie viel effizienter als eine «Suche von Hand» sei. «Doch dieses Jahr haben sich die Landwirte sehr gut an die Abmachung gehalten und uns rechtzeitig Bescheid gegeben oder sich bereit erklärt, das Mähen einen Tag zu verschieben.» Ausserdem werden Feldhasen und Bodenbrüter durch die Drohne nicht gefunden. «Uns geht es nicht nur um die Rehkitze, sondern um alle Tiere, die von der Mähmaschine gefährdet sind», hält Philipp Schafhauser fest. (manu)

24. Jun 2019 / 22:00
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