• Diskussion «Wo hört die Arbeit auf?», Triesen
    Diskussion «Wo hört die Arbeit auf?»,

Liechtensteiner mit Spass bei der Arbeit

Im Rahmen einer Podiumsdiskussion im Gasometer in Triesen haben mit Marina Kieber-Ospelt, Liliane Hasler, Anouk Joliat und Roman Eggenberger vier spannende Protagonisten über verschiedene Formen von Arbeit als Element ihres Lebens berichtet.

«Wo hört die Arbeit auf, wo fängt der Spass an?», wollte Moderatorin Petra Büchel gestern gemeinsam mit vier Podiumsteilnehmern anhand von deren Biografien ergründen. Die Antwort darauf, das zeigte sich im Rahmen der Diskussion, fällt für jeden Menschen anders aus, aber es gibt sie, auch wenn sie im Laufe der Zeit mitunter neu erörtert und umformuliert werden muss.

Das Ehrenamt als Lebenselement

Dass das Ehrenamt im Leben der ehemaligen Caritas-Präsidentin Marina Kieber-Ospelt eine grosse Rolle spielen würde, zeichnete sich früh ab. Als Pfadfinderin lernte sie das Einlassen auf andere als bereicherndes Element kennen. «Es waren immer Tätigkeiten, die sich auf Mitmenschen bezogen haben. Das hat mir viel Freude bereitet.» Und das legte den Grundstein für unzählige Stunden Freiwilligenarbeit, welche die Vita der Pädagogin im Rückblick und noch heute prägen. «Gespräche, Kontakte, zwischenmenschliche Beziehungen», das, sagt Kieber-Ospelt, seien Dinge, die Arbeit für sie erfüllend machten. Wo sich, um die dem Abend übergeordnete Frage wieder aufzugreifen, Arbeit in Spass transformiert. Allerdings ist ein solches Erleben auf Dauer davon abhängig, dass ehrenamtliches Engagement auch entsprechend honoriert wird. «Die Wertschätzung», betont Kieber-Ospelt, «darf nicht ausbleiben.»

Diskussion «Wo hört die Arbeit auf?», Triesen

Freischaffend, aber nicht vogelfrei

Liliane Hasler entschied sich bewusst gegen einen klassischen beruflichen Werdegang und verfolgte stattdessen das Lebenskonzept freischaffende Künstlerin. Die Richtigkeit ihrer Wahl hat auch sie schon einige Male erfahren. Gerade in den Momenten des «Flows», wie sie erzählt. «Diese Interaktion zwischen mir und meiner Arbeit ist mit Geld nicht aufwiegbar.» Leider seien solche Momente jedoch nicht allzu häufig. Viel häufiger herrscht pflichtgeleitete Normalität. «Auch ich bin Mitglied der Gesellschaft, muss meinen Teil leisten, kenne die Last der Alltagssituation. Ich kann mich nicht rausnehmen.» Entscheidend ist die Fähigkeit, sich den Realitäten nicht zu verschliessen, sondern sie als Herausforderungen zu umarmen. So fiel es ihr beispielsweise leicht, sich als Lehrerin notwendige zusätzliche Einkommensquellen zu erschliessen. So glückte ihr die Herausforderung, die Erziehung der eigenen Kinder und die Treue zum persönlichen Lebensentwurf miteinander in Einklang zu bringen.

Mehr Wertschätzung für unbezahlte Arbeit

Flamencoschule, Gastronomie, Alparbeit – Anouk Joliats postgymnasiale Suche nach ihrem Platz in der Arbeitswelt glich lange einer Odyssee, ehe sie mit 25 Jahren Klarheit erlangte. Als sie der Geburt des Kindes einer Freundin beigewohnt habe, habe sie gemerkt: «Hebamme, das ist meins.» Hier, spürte sie, würde ihr Wunsch, etwas über das Leben zu lernen, und zwar immer wieder von neuem, erfüllt. Seither bildet der Beruf einen wichtigen Ankerpunkt in ihrem Leben. «Ich habe mit Zähnen und Klauen daran festgehalten.» Zwischendurch hat sie aber auch losgelassen – insbesondere, um sich ihren Kindern widmen zu können. Hebamme oder Mutter/Hausfrau? «Sinnvolle Arbeit» verrichtet sie in beiden Rollen, betont sie. Mit der externen Wahrnehmung decke sich das aber nicht immer. Mehr Wertschätzung für unbezahlte Arbeit, auch in finanzieller Form, tut ihres Erachtens deshalb Not.

Den Reset-Knopf gedrückt

Roman Eggenberger kehrte der Finanzwelt nach 30 Jahren den Rücken. Abgezeichnet, erinnert er sich, habe es sich schon länger. «Es war nur die Frage, wann ich den roten Knopf drücke.» Als er mit sich im Reinen war, wagte er die Zäsur. Statt einem geregelten Job in der Bank widmet er sich nun – angetrieben von Neugier und der Lust an der Interaktion  – Projekten wie dem Granville Café, das er mitbegründet hat. Wertschätzung, sagt er, habe er früher zwar auch erhalten. Aber die Qualität ist heute eine andere.  «Mir bereitet Arbeit Freude, wenn ich anderen eine Freude mache. Das bestätigt mich in meinem Tun.» Und das erfahre er nun viel öfter. (bo)

20. Jun 2019 / 06:00
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