• Fabian Frommelt, Vaduz
    Fabian Frommelt stellte Liechtensteins eigene Wahrnehmung dem historischem Bild im Ausland gegenüber.  (Tatjana Schnalzger)

Liechtenstein passt sich Fremdbild an

Zum Auftakt der Jubiläumsreferate des Liechtenstein-Instituts präsentierte Fabian Frommelt, Forschungsleiter Geschichte, anhand von historischen Quellen, welchen erheblichen Einfluss die Meinung im Ausland auf die Identität des Landes hat.

«300 Jahre sind ein Grund zum feiern. In diesem Zeitraum ist viel passiert», schilderte Christian Frommelt, Direktor des Liechtenstein-Instituts, die Motivation hinter der Vortragsreihe «Gestern – Heute – Morgen: Perspektiven auf Liechtenstein». Fabian Frommelt, Forschungsleiter Geschichte, machte im Rathaussaal Vaduz mit dem Thema «Eigenbild und Fremdbild» den Auftakt zu den zehn Referaten, die sich mit der liechtensteinischen Identität auseinandersetzen und über das Jahr hinweg in zehn verschiedenen Gemeinden stattfinden werden. 

In einer immer komplexer werdenden Welt, gelangt die Gesellschaft über Stereotype und narrative Muster zu vereinfachten Werturteilen. Anhand von diversen Zeitungsartikeln und Karikaturen verglich Frommelt die Innen- und Aussenwahrnehmung Liechtensteins, wobei er folgender These folgte: «Je weniger Eigenbild und Fremdbild übereinstimmen, desto instabiler ist die eigene Identität.»

Von der Waschmaschine zur offenen Kasse

Gemäss dem Historiker sei die Aussenwahrnehmung des Landes seit jeher von dessen Kleinheit geprägt. In älteren Beispielen wurde sie als Zeichen der Schwäche und Rückständigkeit angesehen. In einem Postulat von 1973 deutete CVP-Nationalrat Edgar Oehler an, dass Liechtenstein übermässige Vorteile aus den Beziehungen zur Schweiz ziehe. Diese Vorstellung vom «Rosinenpicker», der aussenpolitisch entweder Gleichberechtigung oder eine Sonderstellung fordert, findet sich nach wie vor in den Medien. Als Indiz führte Frommelt einen «Blick»-Artikel an, der anlässlich des Staatsfeiertags 2017 die «fünfzehn grössten Schlaumeiereien» auflistet.

Innerhalb Liechtensteins sehe man die Kleinheit hingegen mehr als Standortvorteil, indem kurze Wege die Bürokratie reduzieren. Wunde Punkte in der Geschichte, wie dass die einheimische Industrie das NS-Regime ausgerüstet hat, würden eher ausgeblendet. Vielmehr spricht man vom «Wirtschaftswunder». Heimatgedichte sowie andere Literatur aus dem vergangenen Jahrhundert vermitteln eine Idylle, worin Frommelt das Streben nach einem Gemeinschaftsgefühl erkennt. Mit Greenes Werk «Valley of Peace» taucht dieses Motiv auch über der Grenze auf.

«Durch die Skandale auf dem Finanzplatz sind die Leistungen der Industrie im Ausland in den Hintergrund geraten», meint der Historiker. Zu einem «Paradigmenwechsel» in der Innenwahrnehmung hätte 2008 die Zumwinkel-Affäre geführt. «Davor wurde die ausländische Kritik nicht verstanden. Anschliessend hat sich Liechtenstein dem Fremdbild angenähert». Zwei ausländische Karikaturen veranschaulichen die sich allmählich ändernde Meinung: Einmal ist Schloss Vaduz eine Wäschereianlage, im jüngeren Beispiel wird es dann zu einer geöffneten Kasse.

Zwiespalt zwischen Bürgertum und Untertanen

Als letztes Stichwort sprach Frommelt die «Monarchie» an. Bei diesem Punkt zeige sich, dass innerhalb des Eigenbildes nicht in allen Belangen eine homogene Meinung besteht. So wollen manche – Zitat Peter Kaiser – «nicht als Unterthanen behandelt sein». Diesem Bürgertum stünden die Traditionalisten gegenüber, welche die Obrigkeit der Fürstenfamilie befürworten. Über solche brauche man sich nicht zu wundern, betonte Frommelt, wenn die offizielle Website des Landes das Staatswesen wie folgt erklärt: «Dem Fürsten stehen das Parlament als Legislative und die Regierung (Landtag) als Exekutive zur Verfügung.»

Angesichts der zahlreichen Meldungen regte das Referat in der anschliessenden Diskussion dazu an, die eigene Perspektive zu hinterfragen. Eine Stimme forderte mehr Bürgerstolz, während Wilfried Marxer, Forschungsleiter Politik, aus dem Publikum an der Steuerbarkeit des Fremdbilds zweifelte. «Hat sich eine Behauptung erst einmal verbreitet, ist es äussert schwierig diese richtig zu stellen. Selbst nach einer Klarstellung wirkt sie in den Köpfen noch nach», rundete Frommelt die unzähligen Gedanken ab. (gk)

21. Feb 2019 / 22:38
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