• Daniel Büchel: «Durch meinen liechtensteinischen Rhythmus bin ich meistens einer der Ersten im Büro.»

«Liebe auf den dritten Blick»

Daniel Büchel ist 27 Jahre alt, hat letztes Jahr sein Jurastudium in Innsbruck beendet und ist nun für elf Monate in Brüssel. Er arbeitet bei der EFTA-Überwachungsbehörde als einziger Praktikant aus Liechtenstein, weshalb seine Mithilfe besonders geschätzt wird.
Brüssel/Vaduz. 

Was ist das Besondere am Leben in Brüssel?
Daniel Büchel: Brüssel ist das politische Herz Europas, hier laufen letztlich alle Fäden zusammen. Im Alltag präsentiert sich Brüssel als sehr geschäftige, weltoffene und multikulturelle Stadt, die aber speziell an den Wochenenden mit viel Charme und Gemütlichkeit punkten kann. Jedes Jahr starten sechs junge Menschen gemeinsam das Praktikum – dadurch findet man schnell Anschluss, da sich alle in derselben Situation befinden. Meine isländischen und norwegischen Kollegen waren von Anfang an sehr herzlich, aufgeschlossen und unternehmungslustig. 


Woran mussten Sie sich beim Leben in Brüssel am meisten gewöhnen?
Ich habe mich eigentlich recht schnell und gut in Brüssel eingelebt. Allerdings muss ich schon zugeben, dass es keine Liebe auf den ersten Blick war. Brüssel muss man zuerst ein wenig besser kennenlernen und die vielen schönen Seiten entdecken – aber dann ist es bestimmt Liebe, wenn auch erst auf den dritten Blick.


Beschreiben Sie einen «normalen» Arbeitstag.
In Brüssel startet der Arbeitstag generell etwas später, weshalb ich durch meinen liechtensteinischen Rhythmus meistens einer der Ersten im Büro bin. Und wenn der erste Kaffee noch nicht seine volle Wirkung entfalten konnte, dann bin ich spätestens nach der morgendlichen Velofahrt durch den Brüsseler Verkehr hellwach. Einen normalen Arbeitsalltag zu beschreiben ist gar nicht so einfach, da durch die Aufgabenvielfalt noch nichts zur Routine geworden ist. Zudem organisiert die EFTA-Überwachungsbehörde selbst viele Aktivitäten, wie beispielsweise Gastvorträge, Seminare und Team-Building-Events, die den Arbeitsalltag abwechslungsreich gestalten. Ebenso wird beispielsweise eine Teilnahme an Sportveranstaltungen arrangiert.

Was genau sind Ihre Hauptaufgaben?
Als Praktikant im «Internal Market Affairs Directorate» (Abteilung Binnenmarkt) arbeite ich als fest integriertes Mitglied des Teams eng mit den Sachbearbeitern zusammen. Ich führe Recherchen und Analysen zum nationalen Recht der EWR/EFTA-Staaten und zum EU/EWR-Recht durch. Die Aufgaben unterscheiden sich aber je nach Abteilung, die einem zugewiesen wird. Ich unterstütze auch die jeweiligen Sachbearbeiter beim Verfassen von formellen Entscheidungen der EFTA-Überwachungsbehörde. Dies können Entscheidungen sein, die im Rahmen eines Vertragsverletzungsverfahrens gegen einen Mitgliedsstaat ergehen. Ausserdem hat man als Praktikant die Chance, an Sitzungen mit der Europäischen Kommission, den Mitgliedstaaten und verschiedensten EFTA-Arbeitsgruppen teilzunehmen, um so einen vertieften Einblick in die Arbeitsweise der verschiedenen Einrichtungen zu erhalten. 


Was haben Sie vor dem Praktikum gemacht?
Anfang letzten Jahres habe ich mein Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Innsbruck abgeschlossen. Anschliessend konnte ich durch ein Praktikum bei der Stabsstelle EWR der Regierung erste Erfahrungen sammeln. Ich habe zudem einen guten Einblick in die Aufgaben, die Liechtenstein im Rahmen seiner EWR-Mitgliedschaft wahrnimmt, erhalten. Die Zeit bei der Stabsstelle EWR bestärkte mein Interesse am Europäischen Wirtschaftsraum und ich wollte einen besseren Einblick in die Arbeit seiner Institutionen erhalten. Dies war letztlich auch der Anstoss für meinen Entschluss, nach Brüssel zu gehen.

Weshalb haben Sie sich für ein Praktikum bei der EFTA-Überwachungsbehörde in Brüssel entschieden?
Es war schon lange ein Wunsch von mir, für einige Zeit im Ausland zu leben und dabei Erfahrungen in einem multinationalen Arbeitsumfeld zu sammeln. Der Bezug zu Liechtenstein war mir aber auch im Ausland wichtig. Das Praktikum bei der EFTA-Überwachungsbehörde bringt das alles unter einen Hut.   


Welchen Bezug hat Ihre tägliche Arbeit zu Liechtenstein?
Die Hauptaufgabe der EFTA-Überwachungsbehörde ist es, sicherzustellen, dass Island, Liechtenstein und Norwegen ihren Verpflichtungen im Rahmen des EWR-Abkommens nachkommen. Als einziger Praktikant aus Liechtenstein wird meine Mithilfe besonders in Fällen, die Liechtenstein betreffen, in Anspruch genommen. Oft ist es nicht nur juristisches Fachwissen, das gefordert ist, sondern auch der Wissens- und Erfahrungsaustausch über staatliche Strukturen, Abläufe und aktuelle Entwicklungen. 


Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit am besten?
Gleich von Beginn an wurde ich fest ins Team eingebunden und durfte anspruchsvolle Aufgaben erledigen. Zudem schätze ich meine Kollegen sehr. Durch die Zusammenarbeit mit den Juristen und dem regelmässigen Feedback sowie den gemeinsamen Besprechungen profitiere ich sehr von deren Erfahrung. Auch ist es für mich etwas Besonderes, in einer Behörde mit insgesamt 16 verschiedenen Nationalitäten zu arbeiten.Letztlich konnte ich aber nicht nur meinen Erfahrungsschatz erweitern, sondern auch gute Freundschaften schliessen, was mich besonders freut.


Was bringt Ihnen das Praktikum bei der EFTA-Überwachungsbehörde für die spätere Berufskarriere? 
Das Praktikum fordert und fördert viele Eigenschaften, die im späteren Berufsleben von grosser Bedeutung sind. Einerseits wird eine selbstständige, exakte und proaktive Arbeitsweise erwartet und angeregt. Gleichzeitig muss man aber auch ein guter Team-player sein. Zudem lernt man, sich in einer «fremden» Arbeitswelt zurechtzufinden und sein Englisch, das als Arbeitssprache der EFTA-Überwachungsbehörde genutzt wird, anzuwenden und auszubauen. 


Was müssen die kommenden Praktikanten in Brüssel unbedingt erleben?
Auch die künftigen Praktikanten sollten die Gelegenheit nutzen und gemeinsam Belgien und die schnell erreichbaren europäischen Destinationen erkunden. Brüssel bietet durch seine Bewohner aus den unterschiedlichsten Ländern der Welt eine interessante kulturelle und kulinarische Vielfalt, die nie langweilig wird. In Belgien kann man viele Städte, wie Antwerpen, Gent und Brügge, entdecken. Und ganz generell ist Brüssel ein sehr guter Ausgangspunkt für Ausflüge. Wo sonst kann man in den Zug einsteigen und knapp eine Stunde später in Paris oder nach zwei Stunden in London aussteigen? 

Interview:qus

13. Feb 2018 / 13:42
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