• Landwirtschaft mit Problemen - es muss bewaessert werden
    Die Trockenheit stellte Liechtensteins Bauern bisweilen vor grosse Herausforderungen.  (Eddy Risch)

«Landwirtschaft ist mit einem blauen Auge davongekommen»

Viel Sonne, hohe Temperaturen, wenig Niederschlag – Frühling und Sommer waren im Jahr 2018 in mehrerlei Hinsicht aussergewöhnlich. Mit ganz unterschiedlichen Auswirkungen auf die verschiedenen Nutzpflanzen.

An den Witterungen schieden sich in den vergangenen Monaten die Geister der Liechtensteiner Einwohner. Die einen jubilierten und kosteten jede Sekunde Sonnenschein aus, die anderne stöhnten und verkrochen sich in abgedunkelten Zimmern. Doch nicht nur die Menschen pflegen ein ambivalentes Verhältnis zum Wetter, auch die Pflanzen tun das, wie etwa die stark schwankenden Ernteerträge der Landwirte 2018 zeigen.

Besonders der Rebbau erlebte ein erfreuliches Jahr. Die Erträge seien sehr hoch ausgefallen und hätten dazu auch eine gute Qualität, sprich: einen hohen Zuckerhalt aufgewiesen, sagt Klaus Büchel, Geschäftsführer der Vereinigung bäuerlicher Organisationen im Fürstentum Liechtenstein (VBO). Von einem Rekordjahr möchte er aufgrund fehlender Daten zwar nicht sprechen. Gegenüber den Vorjahren sei aber fraglos eine Steigerung zu verzeichnen. Auch dem Kern- und Steinobst sagten die äusseren Bedingungen im Frühling und Sommer sehr zu. Allerdings fand dies laut Büchel hierzulande kaum Niederschlag, da Liechtensteins Landwirtschaft nur «ganz wenig Erwerbsobstbau» betreibt.

Die Kartoffelernte klassifiziert der VBO-Geschäftsführer trotz Trockenheit zumindest als «durchschnittlich». Womit Liechtenstein gegenüber vielen anderen EU-Staaten noch ganz passabel dasteht. Auf den Absatz von Liechtensteiner Kartoffeln habe dieser weit verbreitete Mangel indes keine Auswirkungen gehabt, wie Büchel anmerkt. «Die Kartoffelbauern haben Anbauverträge mit Liechtensteiner oder Schweizer Verarbeitungsbetrieben. Es wird so viel angebaut, wie diese Firmen auf dem Markt absetzen können.» Ein Export von Kartoffeln in die EU finde daher nicht statt.

Einbussen bei Getreide und Futterpflanzen

Problematischer stellte sich die Situation im laufenden Jahr bei einzelnen Blattgemüsekulturen, beispielsweise Spinat, dar. Auch um die Getreideernte war es mehr schlecht als recht bestellt, sagt Büchel. Der für die Schweiz geschätzte Ertragsrückgang um 14 Prozent komme in Liechtenstein ebenfalls hin. «Hauptverantwortlich dafür war das fehlende Wasser während der Kornfüllungsphase. Dadurch blieben die Körner kleiner.»

Noch signifikanter fielen die Ertragseinbussen beim Futterbau (Grünland und Silomais) aus. «Am stärksten betroffen waren dabei Flächen auf sandigen Böden im Talgebiet und südexponierte Flächen im Berg- und Alpengebiet» sagt Büchel. Dort seien teilweise Totalausfälle zu verzeichnen gewesen. Ein wenig abgefedert wurden die Negativeffekte durch überdurchschnittliche Silomais-Erträge auf Moor- und Mischböden mit Grundnässe.

Gleichwohl bleiben unter dem Strich Raufuttermittel, die, wie etwa Heu, aktuell nur noch sehr eingeschränkt verfügbar sind. Für Betriebe, die mit Futterknappheit zu kämpfen haben, bleiben folglich nur zwei Möglichkeiten: Futter zukaufen oder den Tierbestand durch Verkauf beziehungsweise temporäre Verstellung reduzieren. Gemäss dem VBO vorliegenden Informationen kam es in diesem Jahr bereits mehrfach zu Tierverkäufen, die auf Futtermangel zurückzuführen waren, sagt Büchel. Der Zukauf von Raufuttermittel stellt  – gerade vor dem Hintergrund der durch die Verknappung gestiegenen Futterpreise – eine sehr hohe Hürde dar. Vor allem für Biobetriebe sei Herausforderung enorm, so der VBO-Geschäftsführer.

Wunsch nach geregelter Bewässerungsmöglichkeit

Die ausgeprägte Trockenheit hat der liechtensteinischen Landwirtschaft zumindest partiell merklich zugesetzt. Trotzdem, hält Büchel fest, sei sie insgesamt noch «mit einem blauen Auge davongekommen». Zu stark herausfordern sollte man das Glück freilich nicht, wie er durchklingen lässt: «Eine geregelte flächendeckende Bewässerungsmöglichkeit würde es ermöglichen, auch in Trockenperioden gute Qualitäten und Mengen zu erzielen.» (bo)

10. Okt 2018 / 20:25
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