• Informationsveranstaltung Landesspital in Triesen 190604
    Informierten detailliert über die Situation: Michael Ritter (LLS Stiftungsratspräsident), Sandra Copeland (Spitaldirektorin), Regierungsrat Mauro Pedrazzini und Walther Tabarelli (Chefarzt Chirurgie am Landesspital) (v. l.).  (Daniel Ospelt)

Landesspital, ja – aber wie und wo?

Grosse öffentliche Diskussionen gab es an der gestrigen Informationsveranstaltung zum Landesspital keine – dafür konnten sich Interessierte im Anschluss aber unter vier Augen mit den Verantwortlichen und Experten austauschen. Und nutzten die Gelegenheit.
Triesen. 

Jeder hat eine Meinung zum Landesspital. Wo es stehen soll. Was es anbieten soll. Und wie viel es kosten darf. Doch der  gestrige Informationsanlass in Triesen war nicht darauf ausgerichtet, sich im Rahmen einer öffentlichen Diskussion bzw. für aller Augen ersichtlich und aller Ohren hörbar darüber auszutauschen. Vielmehr konnten sich die Besucherinnen und Besucher im Anschluss an vier Impulsreferate an so genannten «Themenständen» mit den Verantwortlichen und Experten austauschen und ihre Fragen und Anregungen einbringen. Und wer nur hören, aber nicht reden wollte, dem bot sich auch die Gelegenheit, Fragen schriftlich zu deponieren.
Diese Art des «Austausches» ermöglichte es den Interessierten, persönlich ins Gespräch mit den Landesspital-Verantwortlichen zu kommen – was sicher auch dazu dienen sollte, Vertrauen aufzubauen. Denn viele Fragen blieben nach den vier Impulsreferaten nicht mehr offen. Detailliert wurde über die Strategie und Fallzahlen des Landesspitals, die Ausgangslage, Prämissen für einen Neubau sowie das weitere Vorgehen informiert.

«Erfolgreich mit der Neuausrichtung»
Schon einmal wurde über den Neubau eines Landesspitals abgestimmt – und das Volk sagte im  Oktober 2011 Nein zum Finanzbeschluss in der Höhe von 83 Mio. Franken. Bei einer repräsentativen Umfrage zeigte sich im Anschluss aber dennoch: 86 Prozent der Liechtensteiner wollen ihr eigenes Landesspital. Und so mussten sowohl die Verantwortlichen des Landesspitals sowie die Politik noch einmal über die Bücher und sich fragen: Was wurde falsch gemacht? Das Landesspital erhielt einen neuen Stiftungsrat, eine strategische Neuausrichtung ist erfolgt. «Und gleichzeitig damit auch eine Vergangenheitsbewältigung», erinnert sich Stiftungsratspräsident Michael Ritter. Die Zahlen hätten schnell gezeigt, dass diese Neuausrichtung richtig gewesen sei – ebenso das hybride Modell mit Chef- und Belegärzten sowie der Leistungsumfang mit dem Notfall, der allgemeinen Chirurgie und der Inneren Medizin. Enorm wichtig für ein regionales Spital sei aber auch die Kooperation mit einem Zentrumsspital – die Wahl fiel auf Chur – gewesen. Dank all dieser Massnahmen bzw. der neuen Strategie sei das Landesspital heute in der Lage, höchste Qualität anzubieten, was auch immer öfter gesehen werde. 

Neue Herausforderungen für das Landesspital
Dass das Landesspital rund eineinhalb Jahre «in ein Loch gefallen ist», wird auf die Gründung der ehemaligen Medicnova zurückgeführt. Dies habe dem Landesspital geschadet – doch seit der Schliessung der Privatklinik hätten sich die Fallzahlen wieder stabilisiert. «Und die Trendwende hält an», freut sich Spitaldirektorin Sandra Copeland. Auch 2019 sei das Landesspital sehr gut gestartet und habe auf sehr gute Patientenrückmeldungen zählen dürfen. «Nun fehlt nur noch ein wichtiger Baustein: die Infrastruktur», so Copeland.

Für die Verantwortlichen des Landesspitals spielte gestern Abend denn auch keine Rolle, wo das neue Landesspital künftig seine Heimat finden wird. Sie stehen vor ganz anderen Herausforderungen, wie Sandra Copeland betonte. Nicht nur, dass die optimierten Prozessabläufe sichergestellt werden müssten, es sei auch eine Akutgeriatrie geplant, die am 1. Oktober mit fünf Betten starten soll. Ausserdem soll eine sogenannte Intermediate Care-Station aufgebaut werden. Dabei handelt es sich um eine Überwachungsstation, die bei Bedarf rund um die Uhr betrieben werden kann – eine solche wird übrigens im «Zürcher Modell» im Bereich der Grundversorgung vorausgesetzt. Das Landesspital verfügt heute zwar über eine Überwachungsstation, sie wird derzeit aber nicht rund um die Uhr betrieben und ist räumlich und technisch nicht zertifiziert.
Ebenso soll im Landesspital künftig eine weitere Leistung angeboten werden: die Schmerztherapie. Ein spezifisches Angebot, das in Kooperation mit erfahrenem Fachpersonal aus Anästhesie, Innerer Medizin und auch alternativen Behandlungsmöglichkeiten in multifunktionalen Räumen erbracht wird. Derzeit laufen Vorbereitungsarbeiten, um diese Leistungen noch dieses Jahr anbieten zu können. Und: Das Landesspital steht auch der Frage offen gegenüber, ob künftig wieder Leistungen im Bereich der Geburtshilfe angeboten werden sollen. Aber: Das ist ein politischer Entscheid.

Wird die Geburtshilfe neu lanciert?
Tatsächlich gibt es vonseiten der Regierung erneut Überlegungen, das Leistungsangebot im Bereich der Geburtshilfe neu zu lancieren. Dazu hat sie bereits Berechnungen bezüglich der Ressourcen und der Kosten angestellt. Ob dies aber im neuen Landesspital tatsächlich angeboten würde bzw. welche Empfehlung die Regierung hier vor den Sommerferien abgibt, steht noch in den Sternen. 
Für Gesundheitsminister Mauro Pedrazzini ist auf alle Fälle aber klar, dass das Landesspital die Minimalleistungen erbringen muss: also einen 24-Stunden-Notfall. Ausserdem muss der Grundbedarf abgedeckt werden. Ziel sei es ausserdem, einen Marktanteil von 50 Prozent zu erreichen, ohne dabei eine Konkurrenzstrategie zu fahren. «Und das ist absolut möglich», ist er überzeugt. Pedrazzini zeigte zudem auf, warum es keinen Sinn ergibt, die Fachgebiete der Spitäler regional aufzuteilen – «hier würde ein Streit über die rentablen Geschäfte entbrennen». Auch warum sich das Landesspital nicht nur auf Alter- und Pflegedienstleistungen konzentrieren sollte, machte er klar: «Schlechte Auslastung.» Also komme nur die Grundversorgung in Frage. Und zwar in Kooperation mit einem Zentrumsspital wie Chur. (dv)

04. Jun 2019 / 22:20
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