• Honey bee and male brood showing varroa mites
    Die Varroamilbe stellt die grösste Gefahr dar, welche die Bienenvölker in Liechtenstein bedroht.  (iStock)

«Kleiner Beutenkäfer» könnte Bienen im Land schaden

Derzeit wertet der neue «Bieneninspektor» im Land aus, wie viele Bienenvölker den Winter überlebt haben. Noch bewege sich alles «im normalen Bereich», aber die Varroamilbe und ein potenzieller neuer Schädling stellen die Imker vor Herausforderungen.
Erhebungen. 

Seit März 2019 ist Markus Beck amtlicher Fachassistent Bieneninspektion und hat damit das Bieneninspektorat in Liechtenstein übernommen. Nach erfolgreicher Ausbildung in der Schweiz wurde Beck – auf Vorschlag des Landestierarztes – von der Regierung eingesetzt. Im Auftrag des Amts für Lebensmittelkontrolle und Veterinärwesen prüft der «Bieneninspektor», wie die Position umgangssprachlich genannt wird, ob die Vorschriften zur Vermeidung von Bienenseuchen eingehalten werden und bewilligt das Verstellen von Bienenvölkern, sofern keine Vorschriften dagegensprechen. Zudem ist er für die Erfassung von neuen Imkern sowie Bienenständen verantwortlich. «Der Bieneninspektor unterstützt sowohl die Bienengesundheit als auch die Liechtensteiner Imkerschaft», schildert Beck seine Aufgabe.

Gleich schon in den ersten Wochen hatte der neue Bieneninspektor, der ebenfalls Vizepräsident des Liechtensteiner Imkervereins ist, einiges zu tun. «Aufgrund mehrerer Sauerbrutfälle im Kanton St. Gallen mussten bereits erste Inspektionen von Bienenständen in Grenznähe durchgeführt werden», berichtet Beck. Derzeit beschäftigt ihn die jährliche Erhebung der Bienenvölker und der Behandlungsjournale, wobei ihn die Obmänner und -frauen in den Gemeinden unterstützen. Die Ein- und Auswinterungszahlen in Liechtenstein werden zu «gegebener Zeit» veröffentlicht. Gemäss der aktuellen Daten würden sich die Bienenverluste jedoch «im normalen Bereich» bewegen, schildert der Bieneninspektor. Trotzdem seien die Imker des Landes aufgrund von seuchentragenden Parasiten, näher rückenden Schädlingen und Vergiftungen mit immer mehr Herausforderungen konfrontiert.

Bieneninspektor bereit für «Kleinen Beutenkäfer»
Die grösste Gefahr stelle nach wie vor die Varroamilbe dar, meint Beck. Beisst sich der Parasit an einer Honigbiene fest, können dadurch Viren in die Bienen gelangen und das ganze Volk schädigen. «Teilweise wurden sehr viele Völker ausgewintert, vereinzelt sind uns aber auch grössere Verluste und wenige Totalverluste gemeldet worden», fasst er die bisherigen Erhebungen dieses Jahres zusammen. In jenen Fällen, bei denen ganze Völker verloren gingen, wurden Proben genommen und ins Labor geschickt. «Für die erwähnten Völkerverluste war jeweils eindeutig eine hohe Varroa-Belastung verantwortlich», schildert der Bieneninspektor. Sauer- und Faulbrut oder gar Vergiftungen konnten nach den Untersuchungen ausgeschlossen werden.

Mit dem «Kleinen Beutenkäfer» könnte von Süditalien aus ein weiterer Schädling im Anmarsch sein. Am liebsten frisst er Bienenbrut, aber auch Honig und Pollen stehen auf seinem Speiseplan. Die Folgen: Das Bienenvolk wird geschwächt, der Honig beginnt zu gären und die Waben brechen zusammen. Ein befallenes Volk wird entweder vernichtet oder verlässt den Bienenstock. In der Schweiz und in Liechtenstein sind bislang noch keine Fälle gemeldet. «Je nachdem, wie die Ausbreitung in Italien weitergeht, könnte der Käfer auch auf ‹natürliche› Art zu uns kommen», mahnt Beck zur Vorsicht. Mit dem Apinella-Projekt des Schweizer Veterinärdienstes erwähnt er eine erste Vorsichtsmassnahme, die eine Einschleppung des «Kleinen Beutekäfers» frühzeitig erkennen soll. In Liechtenstein gibt es in Vaduz und Ruggell je einen sogenannten «Sentinel»-Imker (engl.  für «Wächter»), welcher die Situationen bei seinen Völkern mit einer speziellen Diagnosefalle regelmässig kontrolliert. 

Wiesen ausserhalb der Bienenflugzeit mähen
Um die Qualität des einheimischen Honigs braucht sich wegen der vorhandenen Gefahren keiner Sorgen zu machen. Diese gewährleistet ein Etikett des Liechtensteiner Imkervereins, welches infolge einer erfolgreichen Honigprüfung ausgestellt wird. Mit rund 100 Imkern und 1000 Bienenvölkern sei das Land zudem gut aufgestellt. «Den Imkern liegt viel daran, gesunde Bienen zu halten. Denn nur von gesunden Völkern kann man schliesslich auch Honig ernten», betont der Bieneninspektor. Insofern könne die Bestäubungsleistung an den Pflanzen derzeit gut gewährleistet werden. Allerdings empfiehlt Beck seinen Kollegen, möglichst keine Bienenvölker mehr aus dem Ausland zu beziehen: «Ziel der Imker sollte es sein, zukünftig für eine eigene Völkervermehrung zu sorgen, damit auf Bienenimporte verzichtet werden kann.»

Wie Liechtensteins Bieneninspektor weiss, könne neben Imkern auch die Bevölkerung dem Bienen- und Insektensterben mit kleinen Massnahmen entgegenwirken. So seien naturbelassene Gärten entscheidend, um ausreichend Nahrung zu gewährleisten. Ausserdem sollten die Wiesen ausserhalb der Bienenflugzeit gemäht werden, also frühmorgens oder gegen Abend. «Mit wenig Aufwand können im Garten einige einheimische Sträucher oder Hecken gepflanzt werden, welche Bienen, Insekten und Vögel eine gute Nahrungsquelle bieten», schlägt Beck vor. Beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln sei Vorsicht geboten. Eine falsche Dosierung, der Einsatz zum falschen Zeitpunkt oder ungeeignete Mittel könnten für Tausende Insekten tödlich sein. «Um dem allgemeinen Insektensterben entgegenzuwirken, werden aber in Zukunft grosse Massnahmen erforderlich sein», sagt der Bieneninspektor. (gk)

14. Mai 2019 / 08:30
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