• Erasmus Projekt in Schaan
     (Daniel Schwendener)

Hypothesen für eine erfolgreiche Lehre

Die Partner des Projekts der «Gelingensfaktoren» luden zur Präsentation ins Haus der Wirtschaft in Schaan.

Das Förderprogramm Erasmus dürfte der Allgemeinheit bekannt sein: Studenten haben die Möglichkeit, ein Auslandssemester an einer anderen europäischen – mit begrenztem Angebot auch nichteuropäischen – Universität zu absolvieren. Hierbei tauchen die Gaststudierenden kurzzeitig in eine andere Kultur ein, wobei ihrer Horizonterweiterung sowie der europäischen Integration gedient ist. Die Europäische Kommission vereinigte 2014 das Programm mit weiteren EU-Programmen, die allgemeine und berufliche Bildung, Jugend und Sport betreffen, zu Erasmus+.


Im Rahmen von Erasmus+ schlossen sich Liechtenstein, Salzburg, Südtirol und Zug zusammen, um das Projekt ­«Gelingensfaktoren» in die Wege zu leiten, das sich um die duale Berufsbildung dreht. Dabei ­untersuchen verschiedene ­Verbände und Berufsbildner aus den genannten Gegenden, ­welche Schritte erfüllt sein müssen, um einen für den Lernenden und Ausbildungs­betrieb zufriedenstellenden Lehrabschluss zu garantieren. Der Leitfaden für die Umsetzung bildet das Buch «Aus­bildungsbetriebe und ihre ­Bedürfnisse in der Berufsbildung», in dem der Autor Rémy Müller sechs Hypothesen formuliert. Gestern luden die Projektpartner ins Haus der Wirtschaft in Schaan ein, um über die Zusammenarbeit in den letzten zwei Jahren und über die Verifizierung der Hypothesen zu informieren. «Die Berufsbildung ist ein Steckenpferd der Wirtschaftskammer Liechtenstein», eröffnet Geschäftsführer Jürgen Nigg die Präsentation in einem Raum, der mit Vertretern der Wirtschaft, des Landtags und der Medien gefüllt ist.


Sechs Hypothesen bündeln den Ausbildungsprozess


Das duale Bildungssystem geniesse im Ausland einen ausgezeichneten Ruf. Deswegen liege es auf der Hand, dass sich die südlichen deutschsprachigen Regionen, in denen die Berufslehre beheimatet ist, zusammenschliessen, um ihre spezifi­schen Systeme zu vergleichen und dadurch zu verbessern. Jürgen Nigg lobt die Zusammenarbeit der Projektpartner und unterstreicht darüber hinaus die langjährige fruchtbare Partnerschaft zwischen Liechtenstein und der Schweiz: «Beispielsweise bietet uns die Schweiz Zugang zu deren Berufsschulen. Dafür sind wir dankbar». Nach Jürgen Niggs Eröffnungsrede folgen die einzelnen Vortragenden, die jeweils eine bis zwei Hypothesen und die Endresultate derselbigen vorstellen.
Die sechs Hypothesen lassen sich in drei Zeitachsen gliedern: vor der Lehre, während der Lehre und nach der Lehre. Der erste Punkt involviert den Selektionsprozess der Ausbildungsbetriebe, beispielsweise durch Schnupperlehren und Vorstellungsgespräche. Um einen Lehrling zu finden, der auch ins Team passe, empfiehlt Tina Widmann, Geschäftsführerin der Chance Agentur in Salzburg, professionelle Hilfe durch eine Organisation in Anspruch zu nehmen. Auch für die weiteren Hypothesen legen die Experten den KMU nahe, den Arbeitsprozess – falls möglich – «outzusourcen». Remo Kluser, Leiter Berufsausbildung bei der Hilti AG, sagt: «Wenn ein Stuckateur, der jedes zweite Jahr einen Lehrling anstellt, selbst unter Druck steht, auf der Baustelle termingerecht fertig zu werden, und der Lehrling zusätzlich Probleme bereitet, macht es Sinn, einen externen Experten zur Vermittlung einzubeziehen.» 


Womit die nächste Hypothese angeschnitten ist, dass die Unterstützung in schulischen Belangen einerseits die Ausbildungsbereitschaft der KMU und andererseits die Erfolgschancen der Jugendlichen steigere. Die Situation nach der Lehre betrifft den Umstand, dass die Auftrittskompetenz und die kommunikativen Fähigkeiten den Erfolg bei der ersten Stellensuche ausmachen. 


Georg Kaufmann, der als Landtagsabgeordneter und Berufsberater unter den Gästen anwesend war, äusserte sich auf Anfrage: «Beim 5. Punkt habe ich gestutzt. Dies wird bereits von den Lehrstellenbewerbern verlangt, nicht erst danach. Vor allem tritt man ­Jugendlichen mit hohen Anforderungen entgegen. Das Vorstellungsgespräch sowie das Motivationsschreiben müssen perfekt sein, obwohl man genau Personen in diesem Alter Fehler verzeihen dürfte.» Ansonsten könne er die Hypothesen aus seiner Praxiserfahrung bestätigen.


Damit die Ergebnisse des Projekts implementiert werden können, müssen die Informationen der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen. «Wir haben eine Internetseite geschaffen. Das ist für so ein Projekt essenziell, damit es nicht zum Datenfriedhof verkommt», so Remo Kluser. Er fährt weiter fort, dass durch diese Plattform die Möglichkeit für andere gegeben ist, voneinander zu lernen. «Wenn ein Münchner beispielsweise die unterschiedlichen Handlungsansätze der vier Länder betrachtet, kann er sich daraufhin entscheiden, welcher für ihn Sinn macht. Ich persönlich habe mich auch von den Lösungsansätzen anderer Länder inspirieren lassen.»

09. Aug 2019 / 10:29
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