• Ihre Fitnessuhr zählt derzeit meist nur die täglichen Schritte zum Kühlschrank: Redaktorin Dorothea Alber in ihrem Homeoffice.

Homeoffice-Blog: «Nichts wird mehr so sein ...»

Die Mitarbeitenden des Vaduzer Medienhauses arbeiten derzeit im Homeoffice. Wie es ihnen dabei geht und mit welchen Stolpersteinen sie zu kämpfen haben, erzählt jeder Redaktor in einer Kolumne.

Heute schreibt Redaktorin Dorothea Alber: 

«Nach dieser Krise wird vieles nicht mehr so sein, wie es einmal war.» Haben Sie diesen bedeutungsvoll, prophezeienden Satz in den letzten Tagen auch das ein oder andere Mal gelesen? Wir haben offenbar einen historischen Wendepunkt erreicht, beschwören Zukunftsforscher und Kolumnisten, die durch die Coronakrise aus ihrer stoischen Ruhe gerissen wurden.

Ich persönlich werde nach einigen Wochen Homeoffice sicher eine andere sein. Das Offensichtlichste und Langweiligste zuerst: Ich habe gelesen, dass es im Homeoffice sehr leicht zu einem Bewegungsmangel kommt. Natürlich macht Kleinvieh auch Mist und meine Fitnessuhr zählt auch die täglichen Schritte zum Kühlschrank, aber ich brauche keine Kosten-Nutzen-Analyse durchzuführen, um zu wissen: Einige Kilos mehr auf den Hüften sind für mich unausweichlich.  

Durch die fehlenden sozialen Kontakte und die neu gewonnene Zeit schweifen die Gedanken ins Tausendste. Weil Läden geschlossen sind, lege ich einen Blazer in den Warenkorb eines nur allzu bekannten Onlinehändlers. In der nächsten Sekunde lösche ich alles und frage mich: Warum gerade jetzt einkaufen? Ich könnte mich höchsten für den Postboten adrett ankleiden. Und da mein Freund nur sporadisch beim Arbeiten im Homeoffice eine richtige Hose trägt, sehe ich auch hier keine Notwendigkeit gegeben, mir neue Kleider zuzulegen.

Zudem würden sie mir nach der Krise ohnehin nicht mehr passen – da bin ich pragmatisch. Die Konsumgesellschaft lässt grüssen. Bei dem Gedanken, dass die geplanten Sommerferien ins Wasser fallen, kommt mir der Begriff Multioptionsgesellschaft in den Sinn. Ich lese infolgedessen Bücher und Artikel, die ich sonst nicht lesen würde. Zum Beispiel über den ersten Stoiker und Händler Zenon von Kition, der bei einem Schiffsunglück all seinen Besitz verlor und dadurch zu wahrem Reichtum fand – und ach ja, Weisheit natürlich. 

Das klingt nun so, also würde ich gar nicht arbeiten. Dabei nimmt der Arbeitstag fast kein Ende in solchen Zeiten. 

Die dritte Woche im Homeoffice hat begonnen und es funktioniert gut. Klar fehlt der Austausch mit den Kollegen. Die Kaffeepause. Ein kurzes Lächeln auf dem Gang und ein kurzer Witz zwischendurch. Das Abschalten fällt schwerer denn je. Und die Wertschätzung dessen, was mein Leben ausmacht, die Freiheiten und die Familie in Südtirol zu besuchen, die ich seit Januar durch das Coronavirus in Italien nicht gesehen habe, wächst.

Während andere krank sind oder gar um ihr Leben kämpfen, wirken dennoch alle meine Gedanken unwichtig. Um es mit den Worten von Epiktet zu sagen: «Es sind nicht die Dinge, die uns beunruhigen, sondern unsere Meinungen darüber.» Ob sich mit dieser Krise wirklich so viel verändern wird oder gleich die ganze Gesellschaft? Ob grosse Gefahren daraus erwachsen? Oder kehren wir einfach wieder zum Alltag zurück? Eine Antwort auf diese Frage gibt es (noch) nicht. Meine Fitnessuhr meldet sich gerade, dass ich noch ein paar Schritte mache. Der Kühlschrank ruft.  (dal)

Die früheren Blogs:

Zum Thema

«Dinner for One» mit Blumen
Die Mitarbeitenden des Vaduzer Medienhauses arbeiten derzeit im Homeoffice. Wie es ihnen dabei geht und mit welchen Stolpersteinen sie zu kämpfen haben, erzählt jeder Redaktor in einer Kolumne. mehr...

Zum Thema

20200326 Julia
Die Mitarbeitenden des Vaduzer Medienhauses arbeiten derzeit im Homeoffice. Wie es ihnen dabei geht und mit welchen Stolpersteinen sie zu kämpfen haben, erzählt jeder Redaktor in einer Kolumne. mehr...

Zum Thema

Oliver Beck
Die Mitarbeitenden des Vaduzer Medienhauses arbeiten derzeit im Homeoffice. Wie es ihnen dabei geht und mit welchen Stolpersteinen sie zu kämpfen haben, erzählt jeder Redaktor in einer Kolumne. mehr...

Zum Thema

Die Mitarbeitenden des Vaduzer Medienhauses arbeiten derzeit im Homeoffice. Wie es ihnen dabei geht und mit welchen Stolpersteinen sie zu kämpfen haben, erzählt jeder Redaktor in einer Kolumne. mehr...

Zum Thema

Die Mitarbeitenden des Vaduzer Medienhauses arbeiten derzeit im Homeoffice. Wie es ihnen dabei geht und mit welchen Stolpersteinen sie zu kämpfen haben, erzählt jeder Redaktor in einer Kolumne. mehr...

Zum Thema

Die Mitarbeitenden des Vaduzer Medienhauses arbeiten seit einer Woche im Homeoffice. Wie es ihnen dabei geht und mit welchen Stolpersteinen sie zu kämpfen haben, erzählt jeder Redaktor in einer Kolumne. mehr...

Zum Thema

Die Mitarbeitenden des Vaduzer Medienhauses arbeiten seit Montag im Homeoffice. Wie es ihnen dabei geht und mit welchen Stolpersteinen sie zu kämpfen haben, erzählt jeder Redaktor in einer Kolumne. mehr...
31. Mär 2020 / 00:00
Geteilt: x
KOMMENTARE

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

KOMMENTAR HINZUFÜGEN

Überschrift (max. 70 Zeichen)
Meine Meinung (Noch  Zeichen verfügbar)
UMFRAGE DER WOCHE
Lade TED
Ted wird geladen, bitte warten...

Wettbewerb
Bauen und Wohnen Mai 2020
Zu gewinnen einen Gaskugel-Grill Chelsea 480 G der Marke ­Outdoorchef im Wert von 399 Franken von ­Eisenwaren Oehri AG in Vaduz.
07.05.2020
Facebook
Top