• Hedi-Hof in Triesenberg
    Die scheinbare Anonymität im Selbstbedienungs-Hofladen nutzen Diebe schamlos aus.  (Daniel Schwendener)

Gelegenheit macht Diebe – auch in Hofläden

Einkaufen im Hofladen liegt im Trend. Die Lädeli rufen aber auch Diebe auf den Plan – ganz zum Leidwesen der Bauern.

Die Sicherheitskameras laufen. Der Bargeldbestand wird tief gehalten. Was nach Bankomat oder Geldtransporter tönt, ist in Tat und Wahrheit die Realität in vielen Hofläden. Denn gerade dort wird die Tugend der Ehrlichkeit nicht mehr gross geschrieben. Öfters gehen ein paar Produkte ohne Bezahlung mit, es wird zu wenig eingeworfen – oder im schlimmsten Fall wird das Kässeli gleich ganz geleert.

Erst kürzlich machte ein Paar aus Roggwil seinem Ärger auf Facebook Luft: Immer wieder werde in ihrem Hofladen geklaut, und das trotz installierter Sicherheitskamera. Kürzlich «kaufte» eine Frau Waren für rund 30 Franken ein, ins Kässeli warf sie jedoch nur 20 Franken. Tags darauf bediente sich dann ein Pärchen ungeniert und liess Waren im Wert von rund 50 Franken mitgehen. Zudem sei es auch schon vorgekommen, dass ein Bekannter sich im Hofladen ohne zu zahlen bedient hat.

Keineswegs bloss Einzelfälle
Hofladen-Diebe sind aber nicht nur ein schweizerisches Phänomen: «Bei uns wurde des öfteren Wechselgeld geklaut», erzählt Bauer Engelbert Seger aus Vaduz. Das komme schon jedes Jahr rund drei bis vier Mal vor. «Häufig passiert es am Staatsfeiertag, am späten Abend», bemerkt er. Das liege wohl daran, dass sich der Hofladen an einer stark befahrenen Strasse befinde. Engelbert Seger hat aus seinen Erfahrungen gelernt: «Ich schaue mehrmals am Tag nach dem Rechten und achte darauf, dass sich nie viel Wechselgeld in der Kasse befindet». In der Nacht nimmt er die Kasse zur Sicherheit zu sich. Trotz der Verluste, die es ab und an gebe, lohne sich das Geschäft mit der Direktvermarktung.

Dass Direktvermarktung und Produkte direkt ab Hof im Trend liegen, ist sich Reto Bühler vom Hedihof in Triesenberg bewusst. Jedoch weiss auch er: Vorsicht ist besser als Nachsicht. Deshalb kontrolliert er mehrmals am Tag den Laden und sorgt dafür, dass der Kassenstock nicht allzu gross ist. «Wenn jemand nicht gerade mit einem 200er-Nötli zahlen will, reicht ein kleiner Kassenstock durchwegs», erklärt Bühler. Er hingegen kann durchwegs nur von positiven Erfahrungen berichten: «Falls es jemand doch nicht passend hatte, hat man mich meist per Telefon informiert oder einen Zettel hinterlassen, dass das Geld noch nachgeliefert wird.» Es komme auch vor, dass manche Kunden ein Trinkgeld hinterlassen.

Von solchen Hiobsbotschaften wie aus dem Hofladen Roggwil im Thurgau lässt sich Martin Kaiser vom Riethof in Gamprin nicht abschrecken: «Da bei uns der Hofladen bedient ist, haben wir keinerlei solche Probleme. Im Gegenteil: Wir überlegen uns sogar, während unbedienter Zeiten den Leuten die Selbstbedienung zu ermöglichen.» So hätte man jederzeit Zugang zu den Produkten ab Hof.

Vertrauensvorschuss überrascht Touristen
Ein Fall von Dreistigkeit hat auch in Liechtenstein für Aufsehen gesorgt: Auf dem Lama- und Alpakahof in Triesenberg hat 2016 ein Vermummter das gesamte Wechselgeld gestohlen. Mit Bildern der Überwachungskameras haben Marc Schädler und sein Team an den Dieb auf Facebook appelliert, ob er sich nicht schlecht fühle, hart verdientes Geld zu stehlen. Jedoch blieb dies glücklicherweise der einzige Diebstahl bis heute. Es sei seither öfters der Fall, dass das Kässeli noch ein extra Trinkgeld enthalte.

Viele Touristen, die den Lama- und Alpakahof besuchen, seien oft ganz überrascht. «Sie können kaum glauben, dass wir so ein Vertrauen in die Leute haben und die Kasse einfach dort stehen lassen», so Schädler. Ein brasilianischer Tourist habe kürzlich ganz überrascht zu ihm gesagt: «Also wenn wir das bei uns so handhaben würden wie ihr hier, dann würde die Kasse wohl keine zwei Minuten dort stehen.» (rar)

08. Aug 2019 / 05:00
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