• West european hedgehog europaeus on a green meadow
    Motorsensen, Pestizide, Nahrungsarmut: Rasenflächen sind für Igel lebensfeindliche Umgebungen.  (Mikhail Sedov)

«Für uns ist das ein Null-Ereignis»

Immer wieder berichten Medien über die Gefahr, die Igeln durch Rasenmähroboter droht. Bernhard Bader vom Verein Pro Igel relativiert.
Vaduz. 

Dem Menschen machen sie das Leben ein weiteres Stück angenehmer, dem Igel zur Hölle. So zumindest vermitteln es die Medien. Im gleichen Mass wie Rasenmähroboter die heimischen Gärten erobern, häufen sich Berichte über die «Todesfalle» und ihre stachelkleidtragenden Opfer. Doch das medial transportierte Bild spiegelt die Realität nicht ansatzweise wider, moniert Bernhard Bader vom Verein Pro Igel: «Für uns sind Tiere, die vom Mähroboter verletzt oder getötet werden, ein Null-Ereignis.» Aus den vergangenen zehn Jahren sei ihm lediglich ein sauber dokumentierter Fall bekannt. «Ich kann hier also weitgehend Entwarnung geben.» So, wie er es zuvor schon im Zuge vieler anderer Anfragen von Medien gemacht hat. 
Nur erreichten seine Relativierungen anschliessend in den wenigsten Fällen auch deren Nutzer. «Oftmals», weiss Bader, «war das Interesse an der Geschichte nach meinen Auskünften erloschen.» Oder die ursprünglich avisierte Schlagzeile wurde mittels einiger journalistischer Kniffe dennoch publiziert. Er könne zwar seine Zitate autorisieren. Darauf, wie sie verwendet würden, habe er aber keinen Einfluss, sagt der Igel-Spezialist.

Marktführer legen Mähroboter tiefer
Erst vor gut zwei Jahren hat sich die ohnehin gering ausgeprägte Gefahrenlage laut Bader sogar nochmals weiter zu Gunsten des Igels verändert. Anhand von Kohlköpfen und Äpfeln hatte der Verein getestet, ob Mährobotermodelle grosse respektive kleine Igel erkennen und ihre Fahrt rechtzeitig unterbrechen. Während der Kohlkopf in sämtlichen Fällen heil blieb, kam der Apfel tatsächlich meist weniger glimpflich davon, was ein zumindest theoretisch vorhandenes Gefährdungspotenzial dokumentierte. Als Reaktion darauf, berichtet Bader, hätten zwar nicht alle Hersteller, dafür jedoch Husqvarna und deren Tochterunternehmen Gardena – in der Schweiz in der Sparte Mähroboter klare Marktführer – sämtliche Modelle tiefer gelegt. Lebensfeindliche Umgebungen stellen Gärten für Igel vielfach trotzdem dar. Durch Motorsensen und Fadenmäher kämen jährlich tausende Tiere zu Tode, sagt Bernhard Bader. Ihr Schicksal ist in seinen Augen Ausdruck eines ganz grundsätzlichen Problems: «Es gibt zu viele Rasenflächen.» Und das nicht nur wegen der erhöhten Wahrscheinlichkeit einer Begegnung mit gefährlichen Gerätschaften. Die Pflege derartiger Monokulturen sei vielfach verbunden mit dem Einsatz von giftigen Pestiziden, merkt Bader an. Ausserdem fehle es dort an Insekten, welche bekanntlich die Nahrungsgrundlage des Igels bildeten. «Überleben», ist er sich vor diesem Hintergrund sicher, «wird der Igel nur, wenn die Menschen verstärkt Naturgärten anlegen.»

Auch bei Tierärzten kein Thema
Eine Rückfrage bei zwei Liechtensteiner Tierärzten untermauert die Einschätzungen des Schweizer Igel-Experten bezüglich einer medial überhöhten Darstellung. Tiere, die unter einen Mähroboter geraten waren, begegneten weder Patrick Risch noch Cornelia Bärtschi in ihren Praxen. Allerdings, gibt Risch zu bedenken, heisse das nicht automatisch, dass es nie zu derartigen Vorfällen komme. «Womöglich bleibt es auch einfach unentdeckt, wenn ein Igel zu Schaden kommt.»
Nur schon deshalb ist Risikominimierung – ungeachtet der Diskrepanz zwischen Realität und medialem Abbild – ohne Frage angezeigt. Zumal sie bereits mit geringem Aufwand geleistet werden kann. «Igel», erklärt Sandra Bricci vom Tierschutzverein Liechtenstein, «sind nachtaktive Tiere. Tagsüber schlafen sie in ihren Verstecken. Deshalb wäre es sinnvoll den Rasenmähroboter nur tagsüber in Funktion zu haben.» (bo)

09. Jul 2019 / 21:13
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